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Jüdische Presse · 1921-02-25 · 7 (25.2.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
7 (25.2.1921)
Date
1921-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 JÜDISCHE PRESSE Seite 51 Amerika. Oscar Grün, der Herausgeber der „J.P.Z." ist am 30. Jänner in New-York eingetroffen. Außer kurzen Meldungen am Tage des Eintreffens brachten fast alle jüdischen Tageszeitungen New- Yorks an den nächstfolgenden Tagen längere mit Photographien versehene Meldungen über Zweek seiner Reise, Bedeutung und Verbreitung der „Preßzentrale" usw. Ueber die ihm in Amerika bereitete Aufnahme äußert sich unser Herausgeber üheraus befriedigt. Von zahlreichen Vereinigungen seien sowohl er als Oberrabbiner Reich (Verbo) eingeladen worden, Referate über die Lage der Juden in der Tschecho-Slowakei zu halten. Auch das Büro des Jüdischen Kongresses hat ihm gleich nach seiner Ankunft eine schriftliche Einladung zukammen lassen, dem Bureau einen Besuch abzustatten. Der Amerikaner Israel Reich, der vor einigen Wochen in Jerusalem weilte, spendete für das Waisenhaus (Blumenthal) vorläufig 1600 Dollar und versprach, dem Waisenhaus weitere 25.000 Dollar zukommen zu lassen. franKreicb. Slousch. Von der britischen archäologischen Schule wurde Dr. N. Slousch eingeladen, Vorträge über Epigraphik (Inschriftenkunde) zu halten, und zwar die hebräische, aramäische und altkanaaitische. Die Ostjudenverfolgungen in Paris. Paris, 17. Februar (J. G. B.). „Humanite" wendet sich in einem scharten Artikel gegen die Ostjudenverfolgungen und gegen die sich daran anschließenden Ausweisungen seitens der Polizeibehörden in Paris, die fast täglich in den jüdischen Stadtvierteln Razzien veranstaltet. Manche. Pariser Blätter legen den „Fremden" den starken Rückgang der Höreranzahl an den Pariser Hochschulen zur Last. Die Studenten finden nirgends eine Kleinwohnung mehr, weil sowohl diese, als die sogenannten Künstlerwerkstätten von den Fremden belegt seien. Ueberdies hätte sich der Mitzins derart verteuert, daß der Studierende nicht in der Lage sei, ihn zu bezahlen. Italien. Eine große Anzahl jüdischer Flüchtlinge aus Beßarabien ist letztens in Neapel und anderen italienischen Häfen eingetroffen. Sie leben in großer Not und sanitätswidrigen Verhältnissen, wodurch die Gefahr besteht, daß die italienischen Häfen für die Emigrantendurchreise gesperrt würden. Rußland* Das jüdische Kommissariat. Laut „Daily Herald" hat die Sowjet-Regierung auf Veranlassung des jüdischen Kommissariats eine Untersuchung eingeleitet über die von den Truppen Budjennys veranstalteten Judenmassaker, während des seinerzeitigen Vormarsches nach Polen. Syrien. Die Justiz Verhältnisse im Libanon hagadol. Trotzdem seit der Einnahme des Libanon durch <iie Franzosen bereits zweieinhalb Jahre verflossen sind, sind noch immer keine Aenderungen im Gerichtswesen eingetreten. Noch immer gelten die türkischen Gesetze bis in ihre Einzelheiten. Dazu kommt, daß man sich mehr an den Text, als an den Sinn des Gesetzes hält. Auch in Palästina hält man sich noch an die alten Gesetze. Häufig ereignet es sich, daß Urteile, die die Beschuldigten befreien, durch das oberste Gericht, das in Bayrut besteht, rückgängig gemacht werden, weil eine, geringe Einzelheit bei der Gerichtsordnung nicht genau nach dem Gesetze geschah. Dadurch ziehen sich die Verhandlungen sehr in die Länge und es kommt sehr oft vor, daß ein Angeklagter, der freigesprochen wird, einige Monate im Gefängnis zugebracht hat. Der französische Gouverneur wollte diesen Uebeln entgegentreten und betraute vor sechs Monaten mehrere Juristen mit der Ausarbeitung neuer Gesetze. An der Spitze dieses juridischen Kollegiums stand der berühmte Rechtsgelehrte Salim Bas, der zur Zeit der türkischen Herrschaft Mitglied des obersten Gerichtes in Konstantinopei war. Nach dem Tode Salim Bas, der einige Wochen nach dem Zusammentritt des Kollegiums erfolgte, wurde die Arbeit unterbrochen. Zur weiteren Ausarbeitung der neuen Gesetze wurde nun in Paris ein zweites Kollegium einberufen, in das der Leiter des Justizwesens in Damaskus und zwei andere syrische Rechtsgelehrte eintraten und an dem auch Pariser Rechtsgelehrte teilnehmen. Das Kollegium beschäftigt sich mit der Neuordnung des Justizwesens in allen Teilen Syriens. An der Spitze steht der Gouverneur, der dem Vezir für Justiz zur Zeit der türkischen Herrschaft gleichgestellt war. Die Gerichte werden in einheimische und französische eingeteilt. Die einheimischen Gerichte behandeln Streitfälle zwischen den Seßhaften. Ihre Zentrale befindet sich in der Residenzstadt des Gouverneurs (Bayrut). Die französischen Gerichte behandeln Fälle zwischen Fremden sowie alle Streitfälle zwischen den Einheimischen und den Beamten. Aegypten. Der „View Lioni Zionist", der von Dr. Kastru redigiert wurde, hat laut Meldungen aus Kairo sein Erscheinen eingestellt. Südafrika. Israelitische Neger. „Doar Hajom" erhielt von Herrn J. Friedmann (Jeruschalmi) einen Brief aus Südafrika, worin dieser über eine Ansiedlung von jüdischen Negern in der Gegend von Kaifur berichtet. Gegen 8000 haben sich dort auf Regierungsland niedergelassen. Sie erklären, sie seien israelitische Exulanten, Anhänger des mosaischen Glaubens. Ihr Häuptling sei ein Prophet des „Ewigen" (sie benützen den Schern), der da durch seinen Propheten sagte; er solle die israelitischen Exilanten (das heißt die Schwarzen, die sich zum Ötämme Israels zählen) auf diesem Orte sammeln, bis er sie von den Weißen, die mit ihnen schwer arbeiten, befreien und sie nach Erez Israel führen werde. Als alle Aufforderungen der Regierung, daß sie das Regierungsland räumen, nichts fruchteten, schickte die Regierung eine Legion von 300 Soldaten, um sie zu vertreiben. Diese aber erklärten, da es Freitag war, sie dürfen am Schabbos nicht kämpfen, und wenn die Soldaten sie am Schabbos angreifen sollten, werde der Ewige selbst ihren Krieg ausfechten. Auf die Erklärung der Regierungssoldaten, daß sie am Sonntag nicht kämpfen dürfen, sagten die Schwarzen, daß die Christen an ihrem Ruhetage kämpfen dürfen, da sie ja an diesem Tage spielen und rauchen. Die Regierung griff sie nicht an, weil sie, solange die Schwarzen religiöse Gründe angeben, diese gewähren läßt, so merkwürdig sie auch sind. Palästina. Pogrom-Vorbereitungen in Wien! Die Jerusalemer Tageszeitung „Doar Hajom8 weiß zu berichten, daß in Versammlungen Plakate verteilt werden, die zu Gewalttaten gegen Juden aufreizen. Die Behörde tue nichts gegen diese Agitation. Wir ermächtigen den „Doar Hajom" dazu, diese Nachricht zu dementieren. Eine Wilnaer Kolonie für Palästina. Der Verband der Wilnaer Juden in New York, der über 700 Mitglieder zählt und mehrere Kassen mit großen Kapitalien besitzt, hat beschlossen, in Palästina eine eigene Kolonie zu gründen, wo er seine Landsleute ansiedeln kann. Jedes Mitglied ist verpflichtet, im Laufe der nächsten Jahre 8 Dollar jährlich zu diesem Zwecke beizutragen. Kupfervorkommen in Palästina. Jerusalem, 17. Februar (J. G. B.). Bei seinem Besuche in Palästina, teilte Sir Alfred Mond, der englische Minister der öffentlichen Arbeiten, einem Korrespondenten der * hebräischen Tageszeitung „Doar Hajom" mit, daß ein in Palästina weilender englischer Ingenieur im brieflich mitgeteilt habe, daß er auf Kupfervorkommen gestossen sei. Näheres könne er noch nicht angeben. In der Bibel ist das Kupfer als in Palästina vorkommendes Metall wiederholt erwähnt, neuere Nachforschungen waren jedoch bis jetzt ergebnislos. Ueberführung nach Erez Israel. Kürzlich wurde die Leiche des im Jänner in London verschiedenen Ghajim Unbald nach Karkur überführt. Der Verstorbene war einer der Gründer der Kolonie Karkur bei Ghedra. Vor seinem Tode bat der Verblichene, ihn auf seinem Gute in Erez Israel zu begraben. Chamischo-ossor-Feier der Talmud Thora in Rischon le-Zion. In Rischon le-Zion fand eine Chamischo-ossor-Feier der dortigen Talmud Thora statt, wobei die Kinder mit Früchten des Landes beschenkt wurden. Nachher trug man den Perek „Lo jachpor" der Messechto „Bobo Basro" vor, andere sprachen über die Bedeutung des Tages „Rosch haschono leilonos". Dann wurde Geld gesammelt zum Ankauf eines der Talmud Thora-Schule benachbarten Platzes, damit die Kinder zur Pause nicht auf der Straße spielen müssen. Die Zeitung „AI akza" wegen Aufreizung angeklagt. Auf Veranlassung des Rabbineramtes in Jerusalem, wurde die Anzeige gegen die Zeitung „AI akza" wegen Aufreizung zum Pogrom gegen Juden erstattet. In einem Artikel unter dem Titel „Was veranlaßt uns, die Juden zu hassen", schreibt einer unter dem Namen Natri die schändlichsten Verleumdungen gegen Juden, wobei er sich nach altem Muster auf den Talmud bezieht. Das Rabbinat von Jerusalem hatte sich daher an die Staatsanwaltschaft gewandt, welche die nötigen Schritte unternahm, Begründung der Bambusrohr-Industrie in Palästina. In Haifa traf aus Batum der kaukasische Fabrikant Machlis ein, der eine Schiffsladung Bambusrohr mit sich führte. Machlis beabsichtigt, in Haifa die Fabrikation von Bambusrohrmöbeln zu betreiben. Geeignete Arbeiter haben sich unter den neuen Einwandern bereits gefunden. Nach Feststellung von Professor Warburg ist Palästina für den Anbau geeignet. Die Fabrikation soll sich auf Möbel, wie auch auf Stöcke, Griffe, kunstgewerbliche Gegenstände, Kinderspielzeug usw. erstrecken. Auch die Errichtung von Häusern aus Bambusrohr kommt in Betracht. EMIGRATIONSWESEN. Das Wandersturm-Problem. Der „Israelit" schreibt: „Der Bericht eines in Liverpool bestehenden Durchwanderer-Komitees, dessen Vertreter die belgischen und holländischen Häfen besucht haben, lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf die unhaltbaren Zustände, die sich infolge der überstürzten Auswanderung, insbesondere aus Polen, entwickeln. Diejenigen insbesondere, die in Amerika oder in Kanada nicht zur Einwanderung zugelassen werden, geraten auch dann, wenn sie im glücklichen Falle von der Unmöglichkeit ihrer Landung in Amerika bereits in europäischen Häfen Kenntnis erlangen, in eine verzweifelte Lage. In Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam sieht man sich außerstande, aus eigenen Mitteln alle diese Menschen wochen- und monatelang ausreichend zu ernähren. Eine Rückkehr nach der Heimat ist in vielen Fällen nicht mehr möglich. Die Unglücklichen schweben also gleichsam in der Luft und wissen nicht, wo sie ihr Haupt niederlegen sollen. Die Hauptursache des Uebelstandes ist der Mangel ausreichender Information an Ort und Stelle, das heißt in Polen selbst. Es handelt sich zumeist um Leute, die immerhin über einige Geldmittel verfügen und die, wenn man sie rechtzeitig über die Aussichtsslosigkeit der Auswanderung unterrichtet hätte, mit Hilfe dieser Geldmittel eher imstande gewesen wären, eine kümmerliche wirtschaftliche Existenz zu fristen, als jetzt, da sie den letzten Sparpfennig den Eisenbahnen und Dampfergesellschaften, wenn nicht unterwegs noch gewerbsmäßigen Ausbeutern und Schwindlern ausliefern. Es wäre dringend zu wünschen, daß die von der Einigrationszentrale der Agudas Jisroel vor längerer Zeit ausgearbeiteten Pläne, die sich auf das Vorhandensein einer ausgebreiteten Landesorganisation in Polen stützten, mit Hilfe dieser letzteren endlich zur Ausführung gebracht würden. Laut einer Verordnung Samuels ist dasEmigrationsdeparternent in Palästina einzig und allein autorisiert, Pässe auszustellen oder zu visieren. Hyamson, der während des Krieges Leiter der jüd. Abteilung im Foreign Office war, ist in Palästina eingetroffen, um im Emigrationsamte tätig zu sein. Ein Emigrantenheim. Endlich wurde auch in Warschau, etwas spät, ein Heim für Emigranten eröffnet. Damit wird eine Schmach von der größten Gemeinde Europas abgewendet, mit deren Gastfreundschaft es in letzter Zeit nicht mehr am besten bestellt war. Freilich muß man den hiesigen Juden zugute halten, daß bei dem gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen aus allen Seiten das Gefühl etwas abstumpften und die Opferkraft etwas erlahmen mußte. Umso nötiger aber war die Schaffung eines Heimes, das die private Wohltätigkeit entlastet und indem die Emigranten bis zu ihrer Weiterfahrt oder ihrer Ansässigmachung in der Stadt, Unterkunft, Rat und Hilfe finden. Das Emigrantenheim ist auf der Elektoralstraße eröffnet und auf das zweckmäßigste eingerichtet. eingesendet. Löbliche Redaktion! Wir lasen in Ihrem geschätzten Blatte die Mitteilung einer „Eröffnung der jüdischen Bibliothek in Budapest0. Wir müssen aber der Wahrheit die Ehre geben und bemerken, daß davon eigentlich keine Rede ist. Es wäre wohl die höchste Zeit, daß auch Budapest, als eine der größten Gemeinden der Welt nebst Krakau und Lemberg, ihre öffentliche jüdische Bibliothek haben soll. Tatsache ist ja, daß die Bibliotheken des Rabbiner Dr. S. Kohn und Professor Bacher zu diesem Zwecke erworben wurden und die Gemeinde hat ja auch schon ein Kommunique versendet, daß die Bibliothek eröffnet sei, aber das ist auch alles. Wir warten jeden Dienstag und Donnerstag von 3 Uhr ab vergebens vor der Bibliothek (denn sie ist nur an zwei Nachmittagen geöffnet) und es ist unseren Anstrengungen bisher noch nicht gelungen, die Bibliothek zu sehen. Budapest, Feber 1921. Hochachtungsvoll Einige Wißbegierige.

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