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Jüdische Presse · 1921-02-11 · 5 (11.2.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
5 (11.2.1921)
Date
1921-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Seite 35 Jahrzenten täglich zweimal, abends und morgens zurücklegte, um seine Andacht zu verrichten. Vor der Halie der Schiffschul nahm von ihm Obmannstellvertreter der Adaß Jisroel, Herr Dr. Isidor Reiniger, warm empfurfdenen Abschied, wo er den Dank .seiner Mitarbeiter vor den Hallen, die Phillip Back täglich morgens als erster betrat und zum letztenmal passierte, zum Ausdruck brachte. Moritz Leitner s. A. Sonntag, den 30. Jänner, ist in Baden bei Wien Herr Morilz Leitner, Ehrenpräses und Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde und Chewra Kadischa. 70 Jahre alt. verschieden. Der Verewigte kam als junger Kaufmann im Jahre 1863 aus Rechnilz in Westungarn nach Baden, errichtete dort im Jahre 1871 eine Wechselstube, erwarb sich durch sein konziliantes, zuweilen allzu selbstloses Gebaren eine zahlreiche Klientel und gelangte zu großem persönlichen Ansehen. Er war ein Mann -von beweglichem Geiste, mit glücklichem Humor begabt und mit einem allzeit •.rüiigem Herzen. Diese glücklichen Eigenschatten erwarben ihm die Sympathien seiner Mitbürger und all derer, welche mit ihm je in Berührung traten. Sein Ansehen und seine Geistesgabeu befähigten ihn zur Führung und so erwählten ihn; die vor vierzig Jahren sich zur hingen kleinen Gemeinde zusammengeschlossenen ^Glaubensgenossen zu ihrem Präses. Er führte die Gemeinde mit kurzen Unterbrechungen mehr als vierzig Jahre. Seine Toleranz-und Liebenswürdigkeit verschafften ihm die freudige Mitarbeit einer Reihe anderer angesehener Glaubensgenossen und so war es ihm möglich, die junge Gemeinde in kurzer Zeit'aus bedrängten finanziellen Verhältnissen herauszuführen und zum Aufblühen zu bringen. In seine Amtszeit fällt die Berufung des hochgeachteten ehrwürdigen Oberrabbiners Herrn Wilhelm Reich, der nun. schon vierzig Jahre in der Gemeinde mit unbeschränkter Autorität waltet: ferner die Errichtung der großen, schönen Zeremonienhalle des dortigeu jüdischen Friedhofes, die Ausschmückung des Gotteshauses und die Errichtung von Wohlfahrtsiustitutionen, für deren finanzielle Dotiorung er, dem Zuge seines grundgütigen Herzens folgend,'bei seinen Glaubensgenossen und besonders bei den Kurgästen des Kurortes Baden unermüdlich warb. Die Gemeinde, im treuen Gedenken seiner durch 1 mehr als vierzig Jahren hingebungsvoll geleisteten Dienste, ernannte ihn nach seinem Rücktritte zum Ehrenpräses nachdem ihn schon frühere Ehrungen zum Ehrenmitgliede der Gemeinde, der Chewra Kadischa und zum Ehrenpräsidenten, der Letzteren gemacht hatten. Im Jahre 1918 ernannte ihn die Stadtgemeinde Baden zu ihrem Bürger. Als er am 15. November vorigen Jahres mit seiner Galtin Julie geb. Schicha das Fest der goldenen Hochzeil feierte, erwies ihm die Kultusgememde besondere Ehrungen und errichtete aus diesem Anlasse eine Wohltätigkeitsstiftüng, die den Namen Moritz und Julie Leitner trägt. Er hinterläßt eine Witwe Frau Julie Leitner, Ehrenpräsidentin des Israelitischen grauenwohltätigkeitsvereines, eine (einsinnige, gebildete Dame, die sich an allen Wohltätigkeitsaktionen mit gütigem Herzen und hilfsbereiter Hand beteiligt, ihr zur Seite stehen die Kindel- und Schwiegerkinder Artur Leitner, Vorstand der Filiale Wien Rennwcg' der Bank- und Wechselstubenaktiengeseltschaft Merkur, Frau Melanie verehelichte Groß, Frau Marianne verehelichte Dr. Pollatschek. In ihrem Schmerze möge ihnen die allgemeine Anteilnahme reichen Trost bieten. ' Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den l. Februaiv unter großer Beteiligung statt. Die Kultusgemeinde Wien entsandte Herrn Dr. Adler, diejenige von Wiener-Neustadl den Vorstehersstellvertreter Herrn Aron Weiß, für die Stadtgenieinde Baden kam Herr Vizebürgermeister Brusatti, von des Beziikshauptmannschäft Herr Rechnungsrat Freiwillig. Die Kinder der Religionsschulen und viele andere Abordnungen gaben dem Verewigten das letzte Geleite zu dem von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe. Oberrabbiner Reich hielt eine tiefempfundene Trauerrede, ebenso der Freund und langjährige verdienstvolle Mitarbeiter in der Gemeindestube Herr Anton Schneider. Einen besonders herzlichen Nachruf und Danksagung widmete dem Toten Herr Dr. Samuel Rappaport namens seiner engeren Landsleute. Die uralten rituellen Gesänge, vom Oberkahtor Kreutstein und Chor weihevoll, ergreifend und tröstend vorgetragen, -geleiteten den Toten zur ewigen Ruhe. Rem. Die „Blätter", Organ der Aguda-Jugendgruppe, erscheinen im Interesse der besseren Verbreitung nicht mehr in Sonderheften, sondern als Beilage des „Israelit". Damit werden die.Bestrebungen und Tätigkeiten der Jugendgruppe nicht nur eine größere Publizität erlangen, sondern wird auch eine rationellere Ausnutzung der vorhandenen Kräfte erzielt. Die letzte Nummer des „Israelit" weist bereits die gutredigierte Beilage der „Blätter" auf. Die Cüocbc. Die Sidra „Ctruma". Nochmals erheben wir unsere Stimme um Jerusalem willen und wollen mit der beharrlichen Kontinuität, wie es unsere Ahnen seit zweitausend Jahren taten, jeden Anlaß ergreifen, um in den Herzen unserer Brüder das unauslöschliche Altarfeuer der Liebe zu Erez Israel wach zu erhalten. Der Schwur, den unsere Vorfahren an Babels Strömen abgelegt haben, und welchen ihre frommen Nachfahren au jeder Tafel wiederholt haben, wir wollen ihn erneuern, das Wort zur Tal entwickeln, die latente Kraft der Begeisterung iu fruchtbare Energie umwerten. „Wenn ich dein nicht -gedenke. .. . und ich nicht Jerusalem setzen wollte an die Spitze meiner Freuden . . Fusere frommen Väter, die uns den Weg des Lebens wiesen, sie haben kein sattfrohes Tischgebet zum Himmel gesendet, ohne zuerst den Schwur von „al nah.aratBa.wel" geflüstert zu haben. Sie haben kein Heim bezogen, ohne das düstere Mcmento des Sedier le-churban über die Türe zu setzen: der Gedanke-an das wüste Erez Israel, er war ihnen ernster Mahner im Glücke und Unterfolio, auf welcher ihr persönliches Leid verblaßte, unterging „zwischen den Trauernden um Zion und Jerusalem". In allen Gebeten, die uns von der Wiege zur Schule, zum Trauhimmel, zur Vaterspflichl, zum Grabe und als Kadisch drüber hinaus begleiten, haben sie die Bürgschaft der unvergänglichen Liebe zu Erez hakedoscha. niedergelegt, als täglichen, stündlichen Zuruf an unser Gewissen, all unsere Pflicht, an unsere Tat! „Die ihr des ..Ewigen gedenkt, schweigt nicht vor Ihm, und gebt euch selbst keine Ruhe, bis festbegründet ist sein Heiligtum." her Weg zur großzügigen Betätigung im echten Geiste der Thora ist, euch geebnet. „Keren Erez Israel" heißt der Altar, den nun die großen Rabbiner allei Länder errichten halfen, auf welchen Ihr tägliche Opfer bringen sollet, als Ausdruck der Wahrhaftigkeit eures täglichen Gebetes, das sehnsüchtig dem Sonnenaufgang entgegen langt. ^Sage den Kindern Israels, daß sie für mich die Hebe entnehmen sollen" We-jikchu. Nehmen — und nicht schenken. Sie sollen sich bewußt sein, daß sie die Beschenkten sind, wenn sie für schnödes Geld die große Mizwa der Teruma erstehen. Denn Teruma ist kein Almosen, Teruma ist „Erhebungfür denjenigen, der sie leistet. Sie erhebt Jakob, den um Erwerb ringenden?u Israel, den um Thora kämpfenden, sie adelt sein Melocho, sein Merischenwerkzur Awoda, dem G-ttesdienst. „Und das soll die Hefte sein, dieihr von ihnen nehmen'dürft." .,Gold". von dem, der Gold spendet, „Silber" von dem Geringeren und das „Kupfer" des Armen sei gleich hochgeachtet dem Golde des Reichen! „Und wer geistige Mittel zum „Lichte", zum „Wohlgeruche" und zum „Glänze" bringen kann, alle bilden den Kreis der Bauenden am Mischkan, sie alle mögen das Heiligtum'schaffen, in welchem Er wohne . .-. Und über die Jahrtausende hallt es über alle prahlende Eintagsweisheiten hinweg: „So wie Ich es dir zeige, den ganzen Plan des Heiligtums und seiner Mittel. . . so werdet ihr tun. . . „Le'doros" für alle Zeiten!" fügte der große Meturgeman von Worms nach vieljahrtausendjähriger Erfahrung hinzu. Das sei den Himmelsstürmen der Gegenwart wieder einmal entgegengehalten, diesen Wahnwitzigen, die von drei Jahrtausenden der großen g-ttlichen Parabel, die wir jüdische Geschichte nennen, unbelehrt, wieder einmal ihre Zeit, als das Ende der Wirksamkeit des g-tllichen Willens betrachten wollten. Und nochmals offenbart sKch über das Tohuwabohu kämpfender Menschengeister .hinweg der ewige Schöpferwille: „Und so müßt ihr schaffen — ledoros." Statistik Eingesendet. Va jjsell'y e, 27. Janner 1921. Löbliche Reduktion der »Jüdischen PreBse". Wir ersuchen Sie höflichst, in Ihrem geschätzten Blatte eine Notiz aufzunehmen, welche für die Oeffentlichkeit von großer Wichtigkeit ist. Es wandert nämlich ein hoher, magerer Mann mit kurz geschnittenem sehwarzem Schnurrbarte herum, der sich für einen eben von der Gefangenschaft Heimgekehrten ausgibt, namens David Peßl aus Bazin bei Preßburg, und dieser verübt überall, wo er hinkommt und wo er nur kann, die gemeinsten Diebstähle. So hat er diese Woche hier in einem Hause, wo man ihm' aus Mitleid Nachtquartier gab, dem Eigentümer,, der selbst in geengten Verhältnissen lebt, in der Nacht den Wäschekasten erbrochen, viel Wäsche, weiße Ueberzüge, Gebetsmantel (Kittel), etwas Schmuck usw. gestohlen. — Durch Nachforschung erführen wir, daß er es auch an verschiedenen anderen Orten so getan hat. ~ Es ist daher notwendig, überall, wohin Ihr geschätztes Blatt und diese Notiz hingelangt, die Oeffentlichkeit auf diesen gefährlichen Mann aufmerksam zu machen. — Viel Dank demjenigen, welcher den hiesigen Verlustträger auf eine Spur führen kann, wo dieser Mann zu finden wäre. Mitteilungen bitten wir an den hieäigen Vorstand zu richten. Mit Hochachtung: Max Friedlich Vizeprases der orthodoxen israelitischen Gemeinde Vägsellye. Die Zahl der Jude». Einen interessanten Bericht über die Zahl der Juden seit Moses Zeiten bringt das Popolo Romano. Er entnimmt die ersten Zahlen dem Historiker Livius. Danach habe es zur Zeit Moses im 15. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung 2 7/io Millionen Israeliten gegeben. Während der Regierung des Königs David im 10. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sind sie auf 63/10 Millionen angewachsen. Sie ging'en dann ständig zurück, betrugen zur Zeit der Vulgata 5 Millionen, am Ende des 15. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung nur noch 1 ö/io Millionen. Von da an begann ein neuer Aufstieg. Ende des 18. Jahrhunderts, betrugen sie 2 V2 Millionen, im Jahre 1910 12-Vio Millionen und heute wird ihre Zahl auf annähernd 16 Millionen geschätzt. Ihre größte Vermehrung fand im 19. Jahrhundert statt. Die Zahlen von Moses bis David wurden dadurch gewonnen, daß man gemäß der Bibel die Zahl der Bevölkerung nach den waffenfähigen Männern berechnete. Die Zahl der getauften und der ^getöteten Juden ist sehr schwer festzustellen. Die' Zahl der Juden in Budapest beträgt nach der Volkszählung vom 1. Jänner 1921 212.078, das heißt 22-9 Prozent. (Die Gesamtbevölkerung Budapest ist nicht mehr als 925.724). Die anderen Konfessionen rangieren folgendermaßen: 552.785 Katholiken, 90.709 Reformierte, 42.572 Evangelische, 9922 griechisch-katholische, 4769 Umtarier, 3853 griechisch-orientalische. Interessant ist das Fehlen der bisher so zahlreichen „Konfessionslosen". Man darf die Zahl der in den letzten Jahren getauften Juden auf 20-30.000 schätzen. Die jüdische Bevölkerung Rumäniens. Nach der kürzlich erschienenen amtlichen Statistik leben jetzt auf dem durch den Friedensvertrag vergrößerten Territorium Rumäniens zirka (iOO.000 Juden-und zwar in Beßarabien 267.000, in der Bukowina 102.000, in Siebenbürgen 64.074, im Banat 14.529, in der Kürüser Gegend 52.763 und in den Bezirken Marmaros und Szalmar Ü&390. Die Juden in Genf. Die letzte Volkszählung hat ergeben, daß die Zahl der Juden in Genf, die im Jahre 1888 nicht mehr als 701 betragen hat, nunmehr auf 2773 gestiegen ist. flguda-Jugendgroppe. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Wien. Finanzsektion. Die, ungeahnte Erweiterung des Wirkungskreises der verschiedenen Sektionen der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien hat die Finanzen der Jugendgruppe fast zur Gänze erschöpft. Zur Sanierung dieses unhaltbaren Zustandes befaßte sich, der Vorstand der Jugendgruppe in seiner letzten Sitzung mit> dem vom Finanzausschuß vorgelegten Antrag auf Einhebung eines Monatsbeitrages, der auf das Prinzip der Selbstbesteurung seitens der besser bemittelten Mitglieder beruht. Der Vorteil soll darin bestehen, daß' das Prinzip des jährlichen Mindestbeitrages von K 20-— beibehalten wird und trotzdem^ein halbwegs ausreichendes sicheres Budget - geschalten werden könne. Der Vorstand machte sich den den obwaltenden Umständen Rechnung tragenden Antrag zu eigen. Der eingeleitete Anfang ergab dank des besonderen Verständnisses der beteiligten Kreise einen vollen Erfolg. Es ergeht nun an alle v Gönner und Freunde der Jugendgruppe, die von einem der Vorstandsmitglieder darum angegangen werden, sich der Notwendigkeit der Sache nicht zu verschließen und nach besten Kräften unser Werk zu unterstützen. flgudas 3i$rocl mädebensruppe, Ulien, Vorigen Schabbos hatten wir seit der kurzen Anwesenheit des Herrn Rabbiners Dr. P. Kohn aus v Ansbach das dritte Mal Gelegenheit denselben in unserer Gruppe zu hören. Abgesehen von den inhaltsreichen Worten und tief religiösen jüdischem Fmpfimlen und Denken, abgesehen von den weihevollen; auf das jüdische Gemüt tief einwirkenden und eindringenden Schabbos-Stimmung, von dem richtigen J"Dt# JJiy den uns diese kurze Stunde bietet, bedeuten diese -Vorträge doch an und für sich eiiie besondere Auszeichnung für uns, einen Aufschwung für unsere Organisation. Wenn wir nun unserer Freude hiemit Ausdruck geben, können wir es nicht unterlassen, zugleich unseren innigsten Dank und unsere Verehrung auszusprechen, Speit denau$wei$. Apdft$ DisroelOtidcndgruppe. Wien, II., «Obere Donaustraße 69. 1. Jugendgruppe: Eingegangene Spenden im Beihause Adas-JisroelK 2488, Moritz Benau (Wien VI.) 50, Berthold Stroh 100, Alex. Stroh 50, Edwin Stroh 50, Herrn. Feldheim 100, Ignaz Brody 100, Moses Wunderman 20, Simon Schwager 10, Max Hertzka 50, Ludwig Lessinger 50, Abraham* Pinter 60, Oskar Hochmann 50, Max Keßler 50, David Teltsch 200, Max Fürst 10, Leop. Schischa 50, Viktor Löwenfeld 50, Nandor Nagel 100, Joel Aschkenasy 20, Abr. M. Aschkenasy 20, Moses Landau 24, Bernh. Kornblum 50, Nathan Feuerstein 200, Ernst Spitzer 50,

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