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Jüdische Presse · 1920-12-31 · 25/41 (31.12.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
25/41 (31.12.1920)
Date
1920-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. t Redaktion and Administration: Wien, It., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Tnrnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschiaß: Ffff Artikel Montag, für Nachrichten Dienstag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich nnd Ungarn d.-ö. K160- —, Tschechoslowakei Kc. 60«Deutschland Mk. 60-—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar. Einzelnummer d.-ö. K 3 —, Kc. 1*20. Inseraten - Preis: Ganze Seite K 3000'—, hai « Seito K 150Ö--, viertel Seite K 800--, ach Seite K 400--, sechzehntel Seite K 260«-. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 25/41 | Wien-Bratislava, 31. Dezember 1920 ♦«'Bin roß o 'maöDjnö " rrpa I 6. Jahrg >> Eine Grundfrage der iiidtfcben Politik; Prophezeien ist ein übe^Ding, zwar so übel nicht, wie man allgemein annimmt, denn in dem wunderbaren Buch Sefer Peliah von R'Avigdor Kro s. A. findet sich die einzigartige Erklärung, in dem Satz: «prophetische Begabung wäre heutzutage nur den „Schotim" gegeben", bedeute Schotim die Idealisten, die von der ganzen Welt verlacht wurden, weil ihr Blick von dem Hasten nach irdischen Gütern abgekehrt sei. Trotzdem möchten wir ganz nüchtern die Dinge betrachten; allerdings ist auch das vielleicht ei» übel Ding. Allein es muß gewagt werden, trotz der Gefahr verkannt zu werden. Spätere Geschlechter, die dem Geschehen von heute objektiv gegenüberstehen, sollen wissen, daß es in diesem Tohuwabohu unserer Tage auch eine Stimme gab, die zu warnen, an die furchtbare Verantwortlichkeit zu erinnern versuchte. Gewiß sind in den jüngsten Tagen manche Staatengebilde in ihrem innersten Kern erschüttert worden. Gewiß sind manche Staatengebilde entstanden, welche noch nicht völlig erstarkt sind und in vielen Beziehungen der Hilfe von außen bedürfen. Jedoch ergibt es sich aus der Psyche dieser kranken, alten oder noch schwachen jungen Staaten, daß sie gerade in bezug auf die Einmischung fremder Mächte besonders empfindlich sind. Und wenn sie auch oft unter dem Druck widriger Verhältnisse diese Empfindungen zurückstellen müssen, so bilden letztere doch einen veräußerlichen Bestandteil ihres geschichtlichen Inventars, das früher oder später zur Realisation gelangt. Das muß man sich in aller Klarheit und Deutlich- „kejk^fe^^ licher Stelle als Einzelperson oder als Organisation in jüdischen Dingen arbeitet. Man muß wissen, welche Summe von Haß aufgespeichert wird, wenn Juden irgend eines Staates sich nach außen um Hilfe wenden, ja selbst dann, wenn Juden eines * In seiner anspruchslosen Weise hat der Verfasser hier groÄe Worte gelassen ausgesprochen, die wir aber unserseits einer größeren Aufmerksamkeit empfehlen. Dieser Leitartikel ist ideht nur für dieseßxttiatitt der leitende« soridefn stich -'<3etf Leitgedanke der Gestaltung unseres Verhältnisses zu unserer Umwelt. , ' Die Red. anderen Landes bei irgend einer Stelle protestieren gegen die Behandlung der Juden» in irgend einem Staatengebilde. Dem gegenüber muß ein Satz als Grundlage aufgestellt werden: Was die Juden eines Landes zur Erhaltung ihrer Existenz und ihrer inderReligionbedingtefi Eigenart bedürfen, haben sie in ihrem Lande von ihrem Lande zu verlangen und zu erreichen. Nur darin allein liegt die Garantie für eine gesunde Entwicklung. Dem gegenüber klingt die schwere Frage: Soll man wirklich mit verschränkten Armen zusehen, wie unsere Glaubensgenossen nach Tausenden ■■ gemordet und gepeinigt, vertrieben und ausgewiesen werden? Daraufgäbe es zunächst zu erwidern, daß man keineswegs ein Mittel anwenden darf, welches die Situation noch verschlimmere. Man vergleiche nur die Gedankengänge, welche nach Max Nordau in diesen Blättern Nummer 21/37 wiedergegeben worden sind. Was in aller Welt haben denn all die famosen Mihoritätenschutzbestimmungen genützt? Nichts, gar nichts, verbittert haben sie und falsche Hoffnungen erweckt. Ja, wenn es so etwas gäbe, wie ein Weltgewissen! Dann würden ohne jedes Zutun die großen Mächte und die kleinen Staaten mit der unbeschränkten Herrschaft der Gewalt und Gewalttat aufräumen. Aber noch ist dieses Weltgewissen nicht erwacht. Sonst hätte der Völkerbund doch letzten Endes irgend etwas unternehmen müssen, um die Einwanderungsbeschränkungen in den großen Siegerstaaten zu mildern. Daran hat kein Mensch gedacht, auch daran nicht, den Völkerbund und das Weltgewissen in dieser Hinsicht anzurufen. Und deshalb wiederholen wir. Es gibt keinen anderen Weg, als daß sich die Juden des jeweiligen Landes mit den politischen und geset^ebenden Fakt^reji, jhre^ig.ejaej3u lläödes auseiriäh^ Haben das Vertrauen, daß derartige Verhandlungen, mit Takt aufgenommen1 und unter Ausschaltung aller verbitternden Momente durchgeführt, zum erwünschten Ziele führen. P. K. Das Condoiter lti<t$$eitmeetiitd der flgudas Jisroel. In demselben Saale, in der mächtigen Great Assembly Hall, in welcher von 6 */2 Jahren, wenige Tage vor Ausbruch des Weltkrieges, am* 27. Juli 1920. den Londoner jüdischen Massen zum erstenmal den Bestrebungen der Agudas JisroelrBewegi Kenntnis gegeben würde, fand am IS. Dezeml abermals ein Massenmeeting von gewaltigen Dim sionen statt, das zu einem wichtigen Markstein der Geschichte der Agudas Jisroel und damit orthodoxen Judentums geworden ist. Der Saal war weit überfüllt. Mehr als 8000 Männer und Frauen wurden in den Saal gelassen, und eine unübersehbare Menge wurde Platzmangels halber zurückgewiesen. Das äußere Bild einer solchen Massenversammlung, in der — in London zum erstenmal — die Teilnehmer nach Geschlechtern geschieden, und sämtliche Männer bedeckten Hauptes saßen, machte schon an sich einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Es schien, als ob die gesamte jüdische Einwohnerschaft zahlreicher polnischer und russischer Städte in Gemeinschaft mit ihren westeuropäischen Brüdern sich in diese Halle eingefunden hatte zu einer weit in die große Welt hinaüsschallendeli Kundgebung für G-tt und sein Gesetz, für die ungeschmälerte Souveränität des .G-tteswillens in seinem VoJke und in seinem Lande. Wenige Minüten nach 8 Uhr abends betreten unter Führung des Chalrmäns Sir Stuart Samuels — Bruder des High Gomrtiissiohers Sir tierbert Samuel — die Londoner und auswärtigen Ehrengäste den Saal und nehmen unter stürmischen Kundgebungen der Menge auf der Estrade Platz. Da sieht man die ragenden Gestalten mancher Führer der Aguda aus den Ländern des Kontinents, zunächst die Rabbiner Meir Don Plotzky, Lifschitz, Zilbersteih, Lew und Lewin (Polen), Rabbiner Dr. M. Hi 1 d e sheimer, Jakob Rosenheim und Leö Wreschner (Deutschland), Sally Guggenheim(Schweiz), JQ|Lr^|&ti^ " £> p i r ä ^Belgien), Rabbinerl 1p hiot d r o ^i(affio.wB£ta), neben prominenten Persönlichkeit^ jüdischen' Lebens in JJriglaw4;•:tä&'ti^jBföer Dr..Jung, Feiber, .Rabbiflowitz, L^sirow i t z (London), H or o wHz-, (Leeds), S u l^npfa^n.s ky (Liverpool), ferner die Solizitoprö Isaak fy4n$a-u}mid Zeitliti, die Präsidenten vieler- Synagogen/ und Vereine,' die alle herbeigekommen sind, .um:'ihre Begeisterung ifür die organisatorische £inhe,it des jüdischen Volkes unter, dem Bainnev der Thor&Jtimdzutun. Viele gäben telegrapliisch. und schriftlich ihrer Sympathie .Ausdruck. Viel bemerkt:, wurden Dk Krise des amerikaimobttt lutUMums, : . . Von S. Bettelheim, l gew. President der Federation of Hungarian Jews in Ainerica. * ,'yj, (Schluß.) „Durch dich sollen erbaut werden die.RuineH der Welt." Jesaias, 58. Durch die Balfour'sche Deklaration verlor der amerikanjsch-jüdische Kongreß die Kontrolle der Angelegenheiten der Judenheit und Palästinas. Hatte sich der American Jewish Congress bisher bemüht, einep Teil der Erfüllung des Wilson'schen Programms der Abschaffung der Geheimdiplomatie und der Selbstbestimmung der Völker darzustellen, so nötigte ihn England die Palästiriasache von der Kontrolle des freien Kongresses dem Schalten und Walten des Balfour'schen Geheimkabinets auszuliefern. Schon früher hatte die englische Judenheit aus kriegspatriotischen Rücksichten sich einer ablehnenden Haltung gegenüber der Kongreßbewegung beflissen, da sich diese auch scharf gegen das zaristische Regime gewendet hat. Es ist auch seltsam genug, daß Weizmann und Sokolow sq wenig Anteil an dieser historischen Bewegung, die zumindest als Schrittmacher vor San Remo gewertet werden muß, genommen haben, und daß ' sich der amerikanische Kongreß so ohne Widerstand die Frucht zwei Jahre langer großer Organisationsarbeit von einer kleinen Gruppe selbstgekrönter Männer abnehmen ließ. Hat hier der amerikanische Patriotismus, der die Abmachung Wilsens mit der Entente nicht durchkreuzen wollte, über das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl den Sieg davongetragen, oder wurde Amerika auch in diesem Punkte durch vage Versprechungen getäuscht, genug,; der ameri-. kanisch-jüdische Kongreß, der nach nahezu vierjährigem Streben endlich im Herbst 1918 getagt hat, liel sich einfach von der englisch^jüdischen Geheimpolitik ins Schlepptau nehmen. Besonders verhängnisvoll trat diese Wendung in der Frage des jüdischen Minoritätsrechtesin Erscheinung. Max Nordau wies mit Recht auf die Verdächtigkeit des Umstandes hin, daß das assimilatorische Foreign comittee sich mit einem Male zum eifrigsten Verfechter des jüdischen Minoritätsrechtes gemacht hat, und fügt den Kommentar hinzu, daß die englische Assimilation; damit eine Abgrabung der zionistischen Strömung erzielen wollte. In der Tat aber hat das Foreign comittee nur beabsichtigt, dem osteuropäischen Judentum ein Surrogat, einen wertlosen -Ersatz- Zionismus aufzuhalsen, teils um das ungeberdige ostjüdische Element, das zudem noch radikalsozialistische Gefahren birgt, daheim zu beschäftigen, dessen größere Stoßkraft und darum gefürchteten Wettbewerb von Palästina abzulenken und den alleinigen Einfluß der England bedingungslos ergebenen Zionisten zu sichern; teils aber, um durch ihr Protektorat über all diese jüdisch-nationalistischen Exposituren in allen Ländern ein Eisen mehr im Feuer zu haben. Das amerikanische Judentum, das damals noch dp Steckenpferd Wilsons vom heranbrechenden Zeitalter der self-determination ritt, fiel darauf hinein. So entsproß den Lenden des Kongresses endlich die Mißgeburt dieses Pseudo-Zionismus, der tatsächlich, die.großen latenten Kräfte der Liebe und Öpferfre'ude für Erez Israel in ihrer5 Entfaltung gehindert hat, die jüdische Gesellschaft Mitteleuropas gegen einander hetzte, den Schatz von Ghibat 'Zion in die schimmelige Kupfermünze von Parlaments-,; Stadtrat- und Gemeindewahlen auswechselt und ein' unmögliches Verhältnis mit den Wirtsvölkern' .ge-f schaffen '^hat, dessen fehlerhafte Konstruktion sich' in fortwährenden katastrophalen Explosio'nen der1 Volkswut äußert. .Aber die" Vergiftung des: Verhältnisses,der Juden zu ihrem Staate beschränkt sich nicht bloß auf jene Länder, deren ohnedies schweres JudenprobJem. noch mit dem' Rebufe des jüdischen Minoritätsrötfhtes kompliziert ^wird',> sondern zerstört trotz . aller * •Vereicherungrund . Proteste ,- dafs, Vertrauen des Staates zü den Juden, selbst in Landern, wo die Juden die restlose Zugehörigkeit zur Nation, in welcher sie leben, aufs Innigste beteuern. Das Schäudermär'chen vom »Rate der Weisen vpn Zion" ist nichts anderes als der Reflex dieses wirren Geschreies von dem gewaltigen diplomatischen Sieg bei San Remo und' den höifipsen lärmenden Prahlereien von Erfolgen (wegen diplomatischer Mätzchen, die keinen Negerstamm in Mittelafrika zu betören im Stande wären). Der 1. ZÜonistenkongreß, von welchem das Märchen von dem »Rate der Weisen von Ziön" behauptet, daß er das geheime, weltumspannende Organisationsnetz geschaffen hätte, in welchem sich die ganze nichtjüdische Welt verstricken solle, liegt schon beinahe " ein V^jjjeljahrhundert zurück. Dieses Märchen ist aper en|j etzt entstanden, in jenem' Momente, wo 'sich colpionistischd Leitung in vermessener Prahlerei'"als1,'Zentrale einer über den Erdball gespknnfefy,J Organisation ausgibt, deren Recht tind M&^ht sie1 in allen Ländern gegen die regierende Nationalität beföhen zu könnep vorgibt. Hat der' ebenso gewis'fc&inäfte als weise ,Herzl Von . seiner Schöpfung; dem' Bföngresse zuttV "'Feri'ster hinaus beteuert: ^Wir^o'Flen damit keinen interriati'Qnä'le'h- Yefrb ari'r] schaffen, sondern nur ern^inte^n'atifiDin'ale Bfsku s&i'o n1,* So Ver$t$i&t^lr*:de>*Elfrgfefe'^itter ebenso gewissenlosen' a'I^.-uni^ei»e% foetoenflei? Efoen ztt,' 'dem>'r>^itisecneW Wahrster ihrer OtiriöiacJft* das ^u wafc&i,1 wa£'lteiHeit zweiten TioikM so mä$htig*en Nätfofa fe&ife^&p'istitt liÄftome1 Natfoffafoäj&ninseln in Je1aenT>Dutzeüd?1-w'n*^^^m zu efaö!|^?en uridr die ofojtecßBs. von (ter^jd^frage: genug^rritterten Regierungen W neuen R^teßb». m 'ftt|fo. Wer .will, den ^mmer mißtrauischer - ^er^^n/'*

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