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Jüdische Presse · 1920-11-05 · 17/33 (5.11.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
17/33 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JUDISCHE PRESSE Nr, 17/33 weil wir unsere Thora ungestört halten wollen. So haben wir z. B. unsere gesonderten Kultusgemeinden und sonstige Institutionen nur deshalb zu fordern, damit wir unsere Thora halten können — in diesem Sinne benützen wir sie auch. So wollen wir auch zu unserem heiligen Lande gelangen, nicht aus Ehrgeiz oder nationalem Stolz, sondern weil es unsere Thora von uns fordert und weil wir nur dort unsere Thora vollständig halten können. Unsere Thoragrößen, welche einzig unsere berechtigten Führer sind, wissen, wie unerforschlich tiefsinnig sie ist und daß nur eine im Geiste unserer heiligen Thora liegende Politik für uns, sei es im heiligen Lande, sei es in der Diaspora, heilbringend ist. Nur eine solche Politik, die in unserer heiligen Thora gipfelt, kann für uns, für alle unsere Nachbarstaaten nützlich sein. Wir haben daher die Aufgabe, Uschmarton wassissem nur unsere heilige Thora bewahren und pflegen. Ki hi chechmasschem uwinasschem le-ene hoamim. Darin gipfelt unsere tiefe Politik, daß alle politischen Fragen als Forderung und Frucht der Gesetze geltend gemacht werden. Weomru rak am Ghochom usw . . . Dann werden alle die über alles hochstehende Politik anerkennen, da wir nur durch unsere heilige Thora zu aller Freiheit, zu unserem Rechte und zu unserem heiligen Lande gelangen können." Herr Dr. Rappaport, nür um nicht gestehen zu müssen, daß die Arbeit der Aguda vielleicht doch nicht nur negativ war, sieht, nicht, daß die Aguda in Polen einige große Waisenhäuser errichtet hat, in Wien eine große Anzahl von Talmud Thoras erhält und beispielsweise jetzt in Baden ein Waisenhaus zu errichten im Begriffe ist. Daß die Aguda in Wien und auswärts den Flüchlingen seit Beginn des Krieges stets mit Rat und Tat zur Seite stand und um die Soldaten im Felde große Sorge hatte, daß der Aguda-Kreis im Verein mit der Adas Jisroel bis heute 600 Palästina-Flüchtlinge erhalten und schließlich heinibefördert hat." , Herr Oberrabbiner Dr. Reich bemühte sich in einer kurzen Ansprache, die etwas gereizt gewordene Stimmung zu besänftigen und schlug vor, die Konstituierung der Agudagruppe für eine nächste Versammlung zu vertagen, an der hoffentlich die gesamte Badener Judenschaft teilnehmen können werde. Nachdem noch der Obmann der Wiener Agudas-Jisroel dem Kultusvorstande für die Ueberlassung des Sitzungsaales und den Badener Freunden für ihre Bemühungen dankte, wurde die Versammlung geschlossen, deren Verlauf sehr viel zur Aufklärung der Ansichten und zur Propagierung der Agndas-Jisroel beigetragen hat. Uerlautbarungü« orthodoxen Zentralkomitees der Jlgudas Scftlom* Etttunl Jisroel wn Polen. In den letzten zwei Wochen wurden eine Reihe von Beratungen abgehalten, mit dem Zwecke, die Aguda-Tätigkeit zu erneuern und auszubauen. An diesen Beratungen haben die Gesinnungsgenossen vom Zentralkomitee, die in Warschau wohnen, eine große Zahl von Gesinnungsgenossen, die in der Provinz leben, und eine große Anzahl der Angesehensten der vom Rate der Gedole Hatora teilgenommen. In diesen Beratungen wurde folgendes beschlossen: 1. Bis zur nächsten Konferenz, welche eine neue Verwaltung wählen wird, soll man ein provisorisches Präsidium und ein Exekutivkomitee wählen, welche die Aguda-Tätigkeit leiten soll. Als Vorsitzender wurde gewählt der Gerer Raw, zu Vize-Vorsitzenden die Oberrabiner von Radsin und Sokolov, zu Vorstandsmitglieder die Rabbiner von Ostrowie, Warka und Grojci. Außerdem können von diesem Komitee neue Mitglieder kooptiert werden. Ins Exekutivkomitee wurden Abraham Wallierstein, Eiijahu Kirschbraun, Berl Solberg, Jakob Trokenheim, Mendel Kaminer, Meschulem Kaminer, Schachne Awrach und als Kandidaten H. Iizchak Maier Elbinger und H. Mechel Eiijahu Rosenstrauch, als Kassier Maier Joel Schwarzstein, Mendel Priwes und Chaim Bialer gewählt. 2. Der Mitgliedsbeitrag ist jährlich auf 20 Mark festgelegt worden. Die einzelnen Gruppen sind berechtigt, außer diesen Beiträgen noch nach dem Verhältnis der Ausgaben Zuschläge zu machen. 3. Die Ausführung der Beschlüsse des Rabbinischen Rates sowie der bereits begonnenen Arbeit, und einen Rat der Gedola Hatora zu wählen nach den Beschlüssen des Zentralkomitees vom 14. und 15. Tamus 5680. 4. Eine Delegation nach Erez-Jisroel zusammenstellen. Die Delegation soll bestehen aus Rabbonim, Gedola Hatora, Kaufleuten, Gutsbesitzer, Fabrikanten und Fachleute, die an Ort und Stelle die Möglichkeiten, suchen, wie man fromme Juden in Erez Jisroel ansiedeln könne, die al pi hatora und messoras owos leben. Bei der Rückkehr wird die Delegation einen Bericht über die Lage in Erez-Jisroel abgeben. 5. Es soll ein Palästina-Bureau errichtet werden, welches alle nötigen Informationen über die Lage von Erez-Jisroel sammeln soll, und denen, die nach dem heiligen Lande fahren wollen, die nötigen Weisungen erteilt. Hochzeitsfeier. Am 20. Oktober hat in Preßburg das Hochzeitsfest Adler (Körösteny) — Beer (Wien) unter Anwesenheit zahlreicher Gäste stattgefunden. Von den Festreden, mit welchen dieser Tag besonders geschmückt war, verdient besonders der gelungene Vortrag seiner Ehrw. Herrn Oberrabbiner Äron Katz, Nyitra, hervorgehoben zu werden. Dieser Anlaß ergab eine Spendensammlung für die Aguda von K 420, wie auch namhafte Beträge für verschiedene Wohltätigkeitsinstitute. Spendet für die 3ugendpppe! JIn die Jlguda-mädcbenariippe. Von Rabbiner Dr. Pinchas K o h n. Auch in euren jungen Seelen gährt es, auch aus euren Augen leuchtet die Ahnung, daß eine neue Welt sich aufbaut, auch auf eure Lippen drängt sich die Frage, was ihr tun könnt, tun sollt, tun dürft, um in diese neue Welt einen Schimmer des Glückes zu werfen. Ach, da gäbe es eine kurze treffende Antwort, aber die wage ich kaum zu geben, weil ich mich fürchte, von euch und all euren Genossinnen auf dem Erdenrunde verkannt zu werden und das würde mich schmerzen im Interesse der Sache. Sonst also, wenn ich diese bleiche Furcht nicht hätte, würde ich den ganzen Zauber der Glückesfülle der alten Welt unserer Großmutter zeichnen und sagen, daß es an euch liegt, eine Renaissance dieses Weltenglückes zu schaffen. Aber ich schweige--- Statt dessen, die ganz nüchterne Betrachtung, was die Mädchengruppen an sich und für andere zu leisten haben. Was sie lernen sollen: Nun, in des Weibes Leben war von je die Kunst des Betens; jeder Augenblick ihres Daseins ,war von einer Techinna begleitet. Hanna, eine Frau in bangen Sorgen zuerst, im jubelnden Glück sodann war es, die das Beten zu einer Kunst erhob, zu einer Lebenskunst, zum Mittelpunkt der Persönlichkeit. Darum haben die Mädchengruppen zuerst das Beten zu lernen; die ganze Welt des Innenlebens, die Gesamtheit der jüdischen Erinnerungen und Hoffnungen, die volle Tiefe der jüdischen Lebensauffassung, die volle Blüte dessen, was wahre jüdische Kultur ist, dies alles hat seine Heimstätte gefunden in unserem Gebetbuche. Darum ruhet nicht, bis ihr jedes Wort dieses Buches versteht, erfaßt und die kühnen Zusammenhänge gelernt habt, welche dieses Buch zwischen Himmel und Erde webt, mit denen es Jahrtausende verbindet und in die Ewigkeirhinüberspinnt. Und wenn ihr die Gebete des Alltags, die Hymnen des Sabbat zu eurem geistigen Eigentum gestaltet habt, lernet zu weinen in der Kinoth, zu zagen in den Selichoth, zu jubeln im Machsor. Und wenn die Mädchen wirklich etwas vollendetes Abgeschlossenes auf dem Gebiete des Wissens sich aneignen wollen, ohne Prätension, wird sich ihnen in dieser Welt eine solche Fülle von Beziehungen zu den Quellen unseres religiösen Wissens und Wolleris ergeben, daß etwas Großes euch sich daraus ergibt. Und dann, womöglich zu den Füßen eurer Mütter, leset die Sidra der Woche und wisset, daß der IVWl zu euch' spricht. Ist euch nicht alles bei einfacher Lektüre verständlich geworden, dann fraget, und kundige Führer werden euch gerne Antwort geben. Vielleicht lernt ihr auch die krausen Zeichen, in denen der Zeeno Ureeno gedruckt ist, dann leset ihn und ihr werdet vieles, vieles wissen, werdet bei euren Zusammenkünften euch einander erzählend und berichtend ergänzen. Unendlich bedeutsam ist, daß ihr einander kennen lernt. Jede Gruppe muß eine Gemeinschaft werden, in der jeder das Bestreben hat, den andern zu fördern. Uebet Wahrheit gegen einander, doch nein, das ist zunächst zu viel, lehret einander die Wahrheit zu ertragen. Das muß dann die Grundlage bilden zur wahren Freundschaft, die nicht sich lösen darf, wenn irgend eine in das Leben hinaustritt. Suchet einander. Ihr werdet finden, daß jeder von euch der Allmächtige irgend einen Vorzug gegeben hat, an Geist oder Gemüt, Blick oder Tat. Diese Vorzüge müssen neidlos anerkannt und in gemeinsamer Arbeit zur Vollendung geführt werden; das ist höchster Sinn jeder Gemeinschaft auf Erden. Schweres Werk, aber wenn ihr den Agudahgedanken in seiner reinen Selbstlosigkeit erfaßt habt, wird es gelingen. Vergesset nicht: zur Persönli« hkt it wird man dann, wenn man alles, was das Leben an Fragen und Antworten an uns heranbringt, auf einen Punkt bezieht, alles was aus uns strömt an Wollen oder Tat, an Bejahung oder Verneinung, aus diesem einen Punkt sich löst. Und Agudas Jisroel zeigt euch als diesen einen Punkt die Souveränität des in der heiligen Thora niedergelegten Willens der Ewigkeit. Aus diesem einen Punkt ergibt sich auch ein weiteres Tätigkeitsgebiet. Nicht alle Not auf Erden läßt sich lindern, aber viel Leid kann durch die gewaltige Kraft der Liebe behoben werden. Leidende zu suchen und ihnen zu helfen, ist vornehmste Pflicht. Ob das Leid sieb äußert in kranker Seele, die ihres Glaubens Pfad verlassen, ob Schmerz und Entbehrung den Körper durchwühlen, ob Enttäuschung und Kränkung das Gemüt verbittern, alles kann gemildert werden. Nur vergeßt nicht, daß alles Leid zunächst dadurch vermindert wird, wenn zu dem Leidenden ein Wort der Liebe spricht. Ihr könnt so viel darin leisten, wenn ihr in eurem Wollen, in eurem Fühlen die sozialen Unterschiede überwindet. Dann wird eure Tat segensreich an Zweifelnden und Kranken, an Bekümmerten und Hoffnungslosen. Aber vergesset nicht, daß jede gute Tat euch ins Bewußtsein kommen muß als Vollzug eines göttlichen Befehles. So erbauet mit Geist und Gemüt eine neue Welt; Agudas Jisroel weist euch den Weg zum wahren Glück. ____ 3e$cbiwo-jHKtion der flgudas 3i$rod-3ugenügrwppe, Wien, und de$ Uereines „Cifere* Bacfcurim", Oliem Ahreise der Jeschiwo - Kinder. Zu Beginn des laufenden Sman (Semester) haben sich aus Wien 65 Bachurim von der Agudas Jisroel-Jugendgruppe und dem Verein „Tiferes Bachurim" in die Jeschivos der Slowakei und Ungarn begeben. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wird dadurch die Bedeutung der „Jeschivvo-Aktion" voll würdigen können. Vor zwei Smanim haben wir sechs Bachurim, die Veranlagung und Lust, aber die infolge der Valutadifferenz bedeutend verringerte Möglichkeiten zum „Lernen" hatten, auf unsere Kosten in die Jeschiwos gebracht und ihnen dort ein Auskommen gesichert. Bald zeigte es sich aber, daß hier ein großes, wichtiges, bisher unbearbeitetes Feld vor uns lag, dessen Boden dem Judentum fruchtbringend gemacht werden müßte. Noch bei unserer ersten Hauptmitgliederversammlung zu Beginn des vorigen Sman konnte der Jeschiwo-Referent ein Programm entwickeln, das Beifall und Zustimmung, aber noch wenig Zutrauen fand. Wenn damals gesagt werden mußte, daß Viele, die ihre Kinder noch lernen lassen wollten, nicht die Möglichkeit dazu hätten, anderseits aber solche, die die Möglichkeit haben, ihrer obersten und ersten Pflicht, ihre Kinder dem Thoralernen zu widmen, nicht entsprechen, so kann heute mit um so größerer Befriedigung festgestellt werden, daß sich die meisten dieser Kinder als Bachurim in den slowakischen und ungarischen Jeschiwos befinden. Es mußte doppelte Arbeit geleistet werden. Der Lohn ist aber ein mehr als zufriedenstellender. Aus allen Orten, in denen unsere Bachurim untergebracht sind, kommen anerkennende Berichte über den Fleiß der „Wiener". Wenn auch ein schweres und großes Stück Arbeit hinter uns liegt, so sind wir uns dessen bewußt, daß noch viel und fest gearbeitet werden muß. Das Budget für das laufende Sman beträgt ungefähr K 250.000*— für die bloße Versorgung und ist noch nicht zur Hälfte aufgebracht. Es ergeht daher der dringende Appell an alle, die Interesse haben am Ghisek Hadath wehoemune rasch und reichlich zu spenden. Mädchen-Jugendgruppe Wien. Samstag abends fand die Neukonstituierung der Mädchen-Jugendgruppe statt. Den Vorsitz führte Fräulein Malvine Baumgarten. Nach einem Referat des Fräulein Helene Baumgarten fand die Neuwahl statt. Es wurde gewählt: Eva Stern, Präsidentin; Helene Baumgarten, Vizepräsidentin; Lola Schiff, Schriftführerin; Malvine Schiff, Kassierin; Hedy Hirschler, II. Kassierin. Jugend-Gruppe Szatmar. Am 3. Oktober fand die Generalversammlung der Aguda-Jugendgruppe in Szatmär statt. Der Bericht teilt mit, daß die Gruppe mehr als 120 Mitglieder zählt, aber in stetigem Wachsen begriffen ist. Die monatlichen Einnahmen betragen 700 Lei. Zum Präses wurde Herr Koloman Weiß gewählt. Mitteilungen der Agudas Jisroel-Jngendgruppe, Wien. Vorstandssitzimg: Samstag, 7 Uhr abends. Lokaldienst: Herr Siegfried Richter. V. J. A. Die Vereinigung Jüdischer Akademiker hält ihre erste Versammlung nach Semestereröffnung Sonntag, den 7. November um 8 Uhr abends, im Saale der Mensa, IL, Im Werd 13. Die P. T. Mitglieder werden auch auf diesem Wege eingeladen. Die Leitung.

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