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Der treue Zionswächter · 1849-08-24 · 34 (24.8.1849) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
34 (24.8.1849)
Date
1849-08-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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So weit der Bericht. Herr Dr., wir wollen nicht fragen, wie Sie neun Monate lang eS ruhig Zusehen konnten, daß viele Mitglieder Ihrer,Gemeinde sich „anarchischen Bestrebungen"Hingaben unddaß die Jugend derselben so lange ohne Religionsunterricht, ohne moralische Bildung heranwuchs, ohne daß Sie der betreffenden Behörde davon Anzeige machten? Wie. vertrug sich dieses mit Ihrem löblichen Amtseifcr? Zu sehr kennen wir Ihre Richtung und die Ihrer Anhänger. Im Herbste vorigen Jahres war die allgemeine Freiheit der Impuls der ganzen deutschen Nation, Gewissensfreiheit daS höchste Ziel, wonach ein jeder Deutsche strebte, da machten Sic gute Miene zum bösen Spiel, verbissen Ihren Ingrimm über den Verlust, welcher Ihnen durch die Trennung der Gemeinde entstand und schwiegen. Nicht crdreisteten Sic Sich damals, das „redliche Streben" einiger „Gemeinde-Mitglieder" als anarchisch zu bezeichnen. Jetzt aber, nachdem in vielen Gauen Deutschlands die Verhältnisse sich anders gestalten, faßten Sie Mnth, die redlich gesinnten Mitglieder Ihrer Gemeinde, welche sich nicht einen neuen von Ihnen, ohne alle Autorität, geschaffenen Gottes-, dienst aufdrängen lassen wollten, anzuklagen, das Verfahren derselben anarchisch zu benennen, und die Erziehung der Jugend, die die Altgläubigen ihren Kindern ertheilcn, für nnrcligiös und unmoralisch zu erklären. Herr Dr., die Hand aufs Herz, haben Sie die Wahrheit gesprochen? Oder war cs der Eigennutz, der Sie so sprechen ließ? Im Interesse der Religion durften Sie Sich nicht über den Aufenthalt eines fremden Mannes bei der Behörde beklagen. Sie hätten einfach das bloß Sachliche darstcllcn, und auf dessen Entfernung hinwirkeu sollen, nicht aber zugleich darauf dringen, daß dem Fremden der Aufenthalt verweigert werde. Hier haben Sie zu sehr gegen Sich gesprochen- Wie höchst schlecht cS aber mit Ihrer deutschen Gesinnung steht, das beweist Ihr ganzer Bericht. Abgesehen, daß Sie der Gewissens- und Glaubensfreiheit durch denselben entgegentreten, und somit sich auf den Standpunkt des Mittelalters stellen, wo das pfäffische Treiben das größte Unheil der Völker herbeiführte, wagen Sie es zu behaupten, daß die neueste Verfassung ohne Geltung sek. Wir unsrerseits wissen, daß das Herzogthnm Bernburg zur Zeit die deutschen Grundrechte publicirt hat, wir wissen ferner, daß dasselbe auch dem Dreikünigsbund bcigetretcn unv in Folge dessen den preußischen Entwurf anerkannt hat. Dieser letzte hat jetzt allgemeine Geltung für die betreffenden Mitglieder, und nach Abschnitt 4. Art. 5. § §. 145 — 145 desselben ist jedem Deutschen, ohne irgend eine eingeholte Genehmigung volle Glaubens- und Gewissensfreiheit bewilligt, und unbeschränkt sind die gemeinsamen religiösen Ausübungen. Was konnte Sie, Herr Dr., nun bestimmen, das Bestreben Ihrer Gemeindeglieder als dem Gesetze zuwider und mit dem verpönten Ausdruck anarchisch zu bezeichnen? Seit wann ist eine aus tief religiösem Bedürfnisse hervorgcgangene Handlung anarchisch zu nennen? Ihre Dissidenten handelten ganz nach dem Gesetze der neuesten Verfassung, und gleich diesen bestehen mehrere, sogar von der Regierung sanctionirten Gemeinden in vielen Orten Deutschlands. Werden Sic, Herr Dr., das Verfahren dieser Regierungen auch anarchisch nennen wollen? Doch dieses ist es nicht, was wir eigentlich mit Ihnen zu verhandeln haben, es sind dieses Alles Lokal- und Personenangclcgenheiten, und diese zu rcguliren, uberlassen wir den betreffenden.Personen. Was uns eigentlich bestimmte, gegen Sie aufzutretcn und Ihren Bericht einen vcrräthcrischen zu nennen, ist Ihre schamlose Behauptung: „Jener Gottesdienst ist seinem Inhalte nach dem Staatszwecke zuwider." Herr Dr., eine solche inhaltsschwere Beschuldigung müßte wenigstens begründet sein, sie ohne alle nähere Angabe auszusprechen, kann nur von einer von frecher Arroganz durchdrungenen Person geschehen. Was enthält der Gottesdienst der Altgläubigen, das dem Staatszwecke zuwider sei? Lange, lange haben wir nachgesinnt, und haben nichts derartiges ermitteln können. Sollte es das vvc r>l>'->p, die Anerkennung des einzigen, ewigen Gottes sein? Sollten eS die Psalmen sein, die überall bei jedem Cultus zur Basis dienen? Sollte es endlich die Sehnsucht nach der einstigen Erlösung Israels aus allen Enden der Erde, um dem Gesetze Gottes sich ganz hingcben zu können, sein? Halten Sie dies unschuldige Gebet als ein dem Staatszwecke zuwidriges? Herr Dr, als Rab-

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