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Der treue Zionswächter · 1849-05-25 · 21 (25.5.1849) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
21 (25.5.1849)
Date
1849-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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trauerte. Trotzdem, daß Ave sich versammelt hatten, ihn gleich nach seinem Hinscheiden (wie das Wort np», er starb, bezeichnet) zu beklagen und zu beweinen, haben sie später (nach dem Ausdruck np öbmci, er war gestorben) wieder eine Trauerfeier, und zwar jede Gemeinde in ihrer Stadt, veranstaltet. Uralr ist also der Gebrauch, eine doppelte öffentliche Feier um einen hohen Verblichenen zu halten. Wohl ist es erforderlich, daß wir bei der letzten Handlung, die wir mit der entseelten Hülle vornehmen, unserm Gefühle Worte verleihen, unserer stummen Empfindung einen Ausdruck verschaffen, damit wir die Größe des Verlustes uns noch mehr vergegenwärtigen, und die Größe des Schwarzes so erst kennen lernen. Zu sehr aber sind wir bei dem Wahrnehmen des Dahinscheidens einer hohen Person, wie bei der Kunde von einem traurigen Falle von dem augenblicklichen Gefühle übermannt, als daß wir die Stärke des plötzlichen Schlages erkennen sollten, wir empfinden tief, sehr tief den Schmerz, welchen uns die versetzte Wunde verursacht, die wahre Beschaffenheit desselben sind wir aber verhindert zu erkennen. Aufgabe der Todtenfeier am Grabe ist es deshalb, den Leidtragenden den ihnen gewordenen Verlust ganz vorzuführen, daß sie einsehen und erkennen, waS sie bisher in dem nun entseelten Wesen besaßen, was er ihnen war, und wie sie jetzt beraubt von allen diesen Schätzen sind. Eine ganz andere Aufgabe ist der Todtenfeier gestellt, die wir jetzt zum Andenken Ihres hochseligen Lehrers begehen. War es am Grabe unsre Pflicht, die Größe des Verlustes darzustellen, damit Ihr Ger fühl erregt, Ihre Empfindung wach gehalten werde, und Ihre Thränen reichlich^ dahin fließen; so ist jetzt Pflicht, die Größe des Verlustes um des Verlustes willen darzustellen. Bewußt muß eS uns werden, was der Dahingeschiedene unS war, wie er lebte und wirkte, was er geleistet und bewirkt hat, damit wir uns jetzt kraftvoll bemühen, diesen großen Verlust möglichst zu ersetzen. Wo könnte dieses aber besser geschehen, als an dem Orte, wo der Verblichene selbst so Herrliches leistete! Von dieser Statte aus offenbarte er Ihnen, verehrteste Zuhörer, die aus den tiefen Schachten des göttlichen Gesetzes entnommenen Lehren, an diesem heiligen Orte hörten Sie jahrelang seine großen und erhabenen Gedanken über Judenthum und jüdische Satzungen. Lassen Sie uns nun auch von dieser Stätte aus erwägen: 1.) Die Größe und die Verdienste deS hochseligen Lehrers, L.) Die Folgen des Verlustes und deren mögliche Abhülfe. I Moses starb, heißt es in der Schrift. Unsere Weisen bemerken hiezu: Moses lag unter den Fittigen der göttlichen Allgegenwart und die Engel sagten: „Die Gerechtigkeit Gottes hat er geübt und seine Rechte mit Israel." Gott aber fügte hinzu: „Wer tritt für mich auf gegen die Dösewichter, wer stellt sich für mich gegen Uebelkhäter." (Sora 13 ) . Ein zwiefaches Lob lassen unsere Weisen dem Knechte Gottes zu Theil werden. Wahrend die Engel dessen Thaten lobend erwähnen, wird von der Gottheit dessen Hinscheiden beklagt und der Verlust als unersetzlich bezeichnet. Um den wahren Sinn dieser Worte zu fassen, dient uns eine andere minder dunkele talmudische Bemerkung zu den Worten: es geht der Mensch hinein in sein ewiges Haus, und auf dem Markte halten einen Umzug die Klageleute. (Koheler 12) Die Galliläer sagten: Thue Dinge, die rühmlich vor der Bahre erwähnt wetden; die Judäer sagtten; Thue Dinges die rühmlich^nach der Bahre erwähnt werden (Sabbat 153.) Es wird hinzugefügt, daß nur die verschiedene Stellung der Klageleute die Verschiedenheit dieser Ermahnung verursachte; jedoch dürfte überhaupt diese doppelte Aufforderung für uns ein bedeutender Wink sein, wie wir handeln sollen, daß unser Leben ein gottgefälliges, und unser Scheiden einst ein ruhmgekröntes sei, so daß unser Nachruf ein musterhaftes Beispiel für die Zurückgebliebenen werde. Um dieses erhabene ruhmwürdige Ziel zu erreichen, ist es die Aufgabe des Erdenpilgers schon am. Beginne seiner Wanderjahre dasselbe zu erstreben, seine jugendliche Kraft ihm ganz zu weihen, und alle seine Lebensschritte darnach zu messen. Wer die Tugend sich als Lebensführerin erkoren bat, der darf auch muthig und kühn dem Ler bensende entgegenschauen; von einem solchen Manne dürfen wir mit jenem königlichen Propheten ausrufen: Deine Tugend ging dir voran, und die Herrlichkeit des Ewigen schließt deinen Zug. Zu dieser erhabenen Stufe können und sollen sich Alle emporklimmen. Nicht ist dieses das LooS einiger

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