Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 20 (18.5.1849)
- Date
- 1849-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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D e r des orthodoxen Jndenthnnrs. Redaeteur: vr. Enoch, Director und Oberlehrer zu Altona.'' 5. Jahrgang, is. Mat isis. I Altona. I SO. Von diesem Blatte erscheint wöchentlich einmal, Freitags, ein Bogen. Das Abonnement auf ein Zahr ist' LA Et. (2 Tblr. pr.. 3F1. 31>Xr.) Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern, soliden Buchhandlungen und Zeitungs.Erpeditionen. Inhalt Leitende Artikel- Ueber Toleranz. Von A. 's— Die Volksschule. Ueber die. Fortbildung des Volksschullehrers. H. j Von T- — Assav und Tirza. — Zeitungsnächrichten aus: London. Hamburg, Berlin, dem Würtembergischen:. — Ankündigung.--Briefwechsel.— Ueber Toleranz. Von A. Der Schöpfer hat es in der Narur so weislich und gütig eingerichtet, daß der Mensch die Bürde, welche bas Schicksal entweder durch Tyrannei oder durch unsichtbare Hand auf ihn legt, nicht so harr fühlt, «als der Freie oder Befreite auf die Überstander nen Leiden zurückblickend, findet. Man staunt oft, wie der Duldende sich hat unter seiner Last hervorr winden und wieder aufrkchten können. Obgleich aber Jedermann wol weiß und fühlt, wie schwer das Joch fremder Fesseln zu tragen, und wie unwürdig es für den Einen sei, den Andern in Noch und Unterdrückung schmachten zu sehen, wenn er vermögend ist, dieselben zu lösen, so finden sich doch immer Wenige, die, wenn sie auch die Macht hatten, zur Befreiung bereitwillig die Hand böten. Die meisten Menschen fühlen sich von Mitleid tief bewegt, sie beben und weinen, wenn ihnen eine Erzählung den unschuldig Leidenden, den Helden in der Tugend am - Rande deS Verderbens schreitend vorführt; aber wären sie denn bereit, ihn mir einiger Aufopferung zu retten, wenn sie vermochten? Oder fehlt es vielleicht in um fern Tagen an Gelegenheit, Noch und Elend zu lindern und der Unschuld den Sieg erringen zu helfen? -- Warum konnte man bis zum jüngst-n Umschwung, welchen die Vorsehung den Dingen gab, die ngmen« losen Qualen deS jüdischen Volkes, die eS bei seinem arglosen'Wandel geAen andere Nationen nie vevfchulr . dete> und doch - muchig ausharrend duldete, stillfthwei» gend mitansehen? - Nar weil man feine Glieder nicht als ' Mitbürger, fünbetn als Geduldete betrachtete. Ganz treffend sagt Wieland ln seiner Abhandlung über den Gebrauch der Vernunft in Glaubenssachen XVII.: „Ich kann nicht umhin, da die Folge meiner Gedanken mich auf diesen Punkt gebracht har, einen herzlichen Ekel vor dem Mißbrauche, der in unfern Tagen mit dem Worte Duldung und Toleranz, und — was noch ärger ist, — mit der Sache selbst gei trieben wird, ein wenig Luft zu machen. Was nennt man dulden? Menschen werden doch wohl, so lange kein anderes Verhältnis und kein anderer Name sie von den Pflichten der Menschheit loszählen kann, einander auf dem Erdboden dulden wollen? Wer darf sich unterstehen, das Gegentheil zu lehren, wenn gleich in der Ausübung das Gegentheil leider alle Tage zum Vorscheine kommt. — Ist es aber nicht