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Der treue Zionswächter · 1849-05-11 · 19 (11.5.1849) · page 8

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
19 (11.5.1849)
Date
1849-05-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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»Zs ISS HZ. Wenden wir uns aber von den frommen Heimgegangenen zu den frommen Lebenden, die der liebe Gott noch recht lange erhalten wolle. — Hier zu Merzentheim traf ich den dasigen ehrwürdigen greisen Rabbiner, Herr Salomon Wassermann, ein Mann, der mit gründlichen und ausgebreiteten talmudischen Kenntnissen ausgerüstet, auch Ln deutschen Arbeiten, und nicht ohne Glück, sich versuchte. (Wo ich nicht irre, geschieht seine Erwähnung in Zunzen's „Gottesdienstliche Vorträge."^ — Herr Wassermann, ein ehemaliger Zögling der Hochschule zu Fürth und ein Schüler des vor etwa 10 Jahren zu Ansbach verstorbenen, wegen seinen ungewöhnlichen grammatikalischen und mathematischen Kenntnissen, nicht weniger durch sein talmudisches Wissen berühmten Rabbiner, Moses Göchheimer, besitzt noch jetzt in seinem 70. Lebenjahre v"bö den'Scharfsinn und die Lebhaftigkeit des Geistes, die die bessern o'-nw zu Fürth so vorteilhaft auszeichncten. Convcrsirt man mit ihm über irgend einen Ln mv'-m einschlagenden Gegenstand, so wird er so lebhaft und es folgt Einwnrf auf Einwurf und Beweis auf Beweis, daß wie von geheimer Macht dazu getrieben, in die Apotheke des Vatikans, um zur Eitz zu ermahnen. Er nahm die halbgefüllte Phiole in die Hand, ob zufällig oder absichtlich vom Arzte zerbrochen, wird nicht gesagt — es mußte also die Arznei noch einmal gemacht werden, der Arzt Meb zugegen, bis die Ingredienzien aus den verschiedenen Flaschen und Boiten zusammengesetzt und die Arznei gefertigt war, die er alsdann mit sich nahm und dem leidenden Kirchcnfürst brachte. Aber er nabm auch die zerbrochene Phiole nebst dem Nest der Arznei, welche sich noch darin befand, mit sich, nahm auf feinem Zimmer die Untersuchung vor, und siche — die Arznei war vergiftet worden. Der fromme Arzt, der seine schnelle Ahndung mit Recht als eine Art von Offenbarung hielt, die sein und vielleicht daS Unglück.vieler seiner Glaubensgenossen verhindertefei« crie in Folge diesen Tag alljährlich durch Fasten und hielt immer an den darauf folgenden Tag eine Art von 2'iv durch man glauben sollte, er fei erst gestern von der rnv gekommen. Weitere persönliche Merkwürdigkeiten hiesiger Gemeinde sind der Rentier Rabbi Jehuda 2ssri, ein;7pö wie sie zu allen Zeiten zur größesten Seltenheiten gehörten, und der ganz dem Studium der heiligen Wissenschaften lebt. Ferner Rabbi Seligmann Fechenbach, ein Metzer von Profession, von welcher Profession er sich auch sehr anständig ernährt. Er ist einer der scharfsinnigsten Köpfe, die mir je vorgekommen; ein Pp!, ersten Ranges, besitzt' er auch so viele höhere Handels- und Finanzwissenschaften. die es ihm möglich machten, einen siegreichen Kampf mit dem Ober - Steuerrath von Mohl — gegenwärtig bei der Nationalversammlung in Frankfurt — zu bestehen. Der Fall war dieser: Als vor zwei Jahren bei den Landständen über Errichtung einer Bank und über Creirung von Papiergeld verhandelt wurde, trat Herr Ober-Steuerrath Mohl als Gegner dieses Projektes auf, und ließ im Schwäbische» Merkur sehr lange und wahrscheinlich auch sehr gelehrte Aufsätze deshalb erscheinen. Herr Fechenbach trat ihm aber entgegen und zeigte, daß die Voraussetzungen des Herrn Mohl auf Jrrthümer beruhen, und daß dennoch auch seine Folgerungen falsch seien.— Gewiß ein Kampf eigner Art, wenn ein Man» aus dem Schlachthause heraustretet, die Schürze adlegt, an den Schreibtisch sich setzt, und in aller Eile einen Aufsatz für den Merkur schreibt, welcher Aufsatz sogleich der Post übergeben werden muß, damit der Eindruck, den die gelehrten Thesen eines Ober-Stcuerrarhs etwa ans die Mitglieder der Kammer gemacht haben durfte, alsogleich wieder verwischt werde, und dieses Manöver ein zeitlang fortsetzt, denn der Herr Mohl ließ es an Supliken nicht fehlen. Ist der Kampf eigner Art, so ist der Sieg, den ein Handwerksmann einem Ober-Steuerrath gegenüber in Finanz-Sachen erringt, vielleicht ein unerhörter. — (Schluß folgt.) Briefwechsel. L. in B. Ich sehe Lerne entgegen. — B. in P. Die dortigen Verhältnisse hindern jede Verbindung. — Sin T. ES war zu wenig. --- D» in A. Nächstens. — Verlag: Lehmkuhl'sche Buchhandlung in Mona. Druck: Gebrüder Bonn in Mona.

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