Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 13 (30.3.1849)
- Date
- 1849-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn Leidenschaften stürmen, muß er als Damm stehen, ihren schäumenden Fluchen zu trotzen, von der mit Ueppigkeit gewürzten Tafel nur das genießen, um sein Körperliches und seinen Geist zu erhalten; er muß reich an Tugenden, arm an Bedürfnissen sein, entfesselt jeder Leidenschaft; er muß den Lichtfreunden, und doch im Finstern den Thierischen zuraumeln, als Leuchte dienen. Wenn eine Schwelgerschaar um ihn taumelt, berauscht von Wollüsten, drohend ihn fort zu-filuchen, unerschüttert muß er bleiben, um einige vom Verderben zu retten; er muß die Fackel der Vernunft vorleuchten, sie erwachen vom Rausche der Sinnlichkeit. So du, mein Volk.' Kein Glück darf dich blenden! Und war deine Winzigkeit nicht kraftreicher, als der Glanz und die Größe mächtiger Völker, die bei ihrer großen Kraft vor ihren Augen dahin rauschten, und nur den Nan en zurückließcn; nur einige Ruinen ihrer stolzen Bauwerke und die Blürhen ihres Wissens sind Zeugen ihres Daseins. Wo ist das mächtige Nom, die Welkbezwingerin und ihre stolzen Genossinnen? und du Häuflein standest staunend, wie ans der Zeiten fluch abwechselnd sie dahin schwanden. Deine Winzigkeit ist Zeuge deiner Größe und Göttlichkeit. Das große, und trostreiche Wort Lottes, welches spricht: Bund mir ihnen, daß ich der Ewige ihr Gon stl, diesen werde ich nicht zerstören; und somit werde ich auch in Feindes Landen sie nicht verabscheuen, sic zu verwerfen oder sie zu zernichten." Diese Verheißung hatte sich immer bewährt, und wird sich bis zu Ende der Zeiten bewahrheiten! Glaubst du etwa, daß die getröstet, deine Tugend dient immer den Völkern zum Muster, deine Fehler waren Früchte der Unliebe und Folge des gottmißfälligen Druckes. Ein Muster, heiliges Vorbild der Völker warst du, und mnßt es bleiben! Dein Beruf, die Fackel der Nationen zu sein, bis endlich das große Licht allen Menschen aufgehen wird, und alle zum Tempel der Menschheit wallen werden, zur Verehrung des Einig- Einzigen, den Tand dieser Erde, den Wahn der Menschen, Gold, Ehrsucht und wie die vielfachen Nebel der Menschheit sich nennen. Alle diese deckt ewige Schmach, dann Schwert rafft der Tod dich aus der Menschheit Neih'n O, daß die heißersehnte, nie ausbleibende Vrrr heißunz bald herannahen möge! Daß die tödtlichen Werkzeuge, in Nahrungsgeräthe, die verkürzenden, in das Menschenleben verlängernde Werkzeuge sich umwandeln. Wie der große Prophet diese herrliche Zeit in der Anschauung Gottes aufgerollt sah, da sprach er die herrlichen Worte: „Sie umschmieden ihre Schwerter in Sensen, ihre Sperre in Sicheln. Volk gegen Volk zückt nicht das Schwert, und lernt nimmer kennen die Kriegskunst." Zesaia 2, 4. Jakob Ehrlich. Hannover. Harrrrover, den Z. März. Nachdem am 7. November v. I. die Bildungsaustalt für jüdische Lehrer unter Leitung des Oberlehrers Dr. Frensdorfs mit 7 Zöglingen eröffnet ist, soll nach dem Passahfesic d. I. eine neue Aufnahme von Zöglingen stättfinden. Diese müssen 15 Jahr alt sein, einen guten moralischen und religiösen Lebenswandel bescheinigen, die nölhigen Vorkenntnisse besitzen und Nachweisen, daß für ihre Wohnung und Unterhalt dahier auf angemessene Weise gesorgt sei. Der volle Eursns ist ein dreijähriger; die Unterrichtsgegcnsiände vorläufig die Bibel mit Eemmentaren, hebr. Grammatik, Mischna, biblische und jüdische Geschichte, Religion, deutsche Sprache, Pädagogik, Weltgeschichte, Geographie, Naturlchre, Schönschreiben, Rechnen und Gesang. Den Unterricht crtheilen der Landrabbincr Dr. Meyer, Oberlehrer Dr. Frensdorfs und mehrere Hülfslehrer. Das Schulgeld beträgt halbjährig sechs Thlr. Die Meldungen zur Aufnahme sind baldmöglichst bei Dem mitnnterzeichneten Landrabbiner Dr. M eyer einz»reichen, und haben sich die Aspiranten spätestens Montag den 16. April Hieselbst ein-