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Der treue Zionswächter · 1849-02-16 · 7 (16.2.1849) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
7 (16.2.1849)
Date
1849-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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»W S3 M» Schleswig-Holstein. Elmshorn, 11. Fe-r. Sie sind gewiß unwillig über uns, daß wir so lange nichts von uns hören ließen. Worüber jedoch konnte man bisher Bericht erstatten? Die Politik und immer die Politik absorbirte jedes Interesse und thnt es noch, indem Aller Augen wieder auf verschiedene Staaten Europa's gerichtet sind und sehnsüchtig erschauen, wie die Verhältnisse derselben sich entwickeln, welchen Verlauf sie nehmen, wie sie sich gestalten und vielleicht konjolidirten. Wir selbst können uns auch noch kein Urtheil bilden bei dieser Verwirrung aller Zustande. Da treten denn in einer so verworrenen Zeit die religiösen Interessen ganz in den Hintergrund, das religiöse Leben wickelt sich so maschinenmäßig ad, und ein Tag gleicht in dieser Rücksicht völlig dem andern. Die Zeichen eines höheren religiösen Lebens verschwinden; keine Spur von Begeisterung für eine religiöse Idee ist vorhanden. Wenn ich Ihnen nun heute berichte, so berichte ich ebenfalls nur von politischen Dingen. Gestern wurden in unsrer Synagoge .die Grundrechte des deutschen Volkes" publicirt. Wer sollte sich nicht freuen, wenn ein Gesetz sich darüber ausspricht, daß durch das religiöse Bckenntniß der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt ist. Auch uns belebte das hehre Gefühl der Freude, als wir schon früher davon Ken'.ttniß erlangt hatten. In unserem Lande ist um so weniger eine Reaktion zu befurchten, da auch das Staatsgrnndgesctz die Grundrechte anerkannt, und dieses, selbst ans den freiesten Grundlagen basier Aber im deutschen Varcrlande siebt es in Rücksicht der Geltung der Grundrechte noch sehr bedenklich aus. Wenn auch noch so viel geschrieben ist, so kann ein Staats-oder Volksstreich das Ganze wieder in den Abgrund stürzen, und wir Israeliten werden wieder mit unserer staatsbürgerlichen Freiheit so weit sein, als im Anfang des eben verlaufenen Jahres! »Frohlocke nicht, denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte, , Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte. Den Samen legen wir in ihre Hände, ob Gluck, ob Unglück anfgeht, lehrt das Ende!" — In der hiesigen Garnison, welche im Okt. v. I. hieher verlegt wurde, befinden sich mehrere Israeliten. In diesem Jahre war.es zuerst, daß Iöraeliten unter das schlesw.-holst. Militair traten. Freudig ergreifen sie die Waffen, um sich dem Dienste des Vaterlandes zu weihen, welches man ihnen einst abgesprochen hatte. Auch der hiesige Bürgervercin zählt mehrere Israeliten zu seinen Mitgliedern. In Folge des Gesetzes, welches die Freizügigkeit gestattet, haben schon im nördlicheUxHolstein, wie es heißt, mehrere Familien ihre Wohnplätze verändert und stehen noch mehrere Veränderungen hierin bevor. Manche Gemüther hat schon Furcht bewegt, daß früher oder später eine Auflösung dieser oder jener Gemeinde stattfinden könnte, und haben sich ja bereits auch in Preußen nnd Oestreich Stimmen in dieser Beziehung kund gegeben. Wir theilcn jene Furcht und Besorgniß nicht, weil Jeder, als zn einer Konfession gehörig, auch einer gewissen Gemeinde angehörcn muß, also auch deren Rechte zu beanspruchen und deren Pflichten nnd Lasten;n vollziehen und;n tragen bat. Vielleicht werden wir später auf diesen Punkt znrückkommen. Oldenburg. Wir hatten heute in hiesiger Stadt, virlleicbr in hiesiger Gegend, den ersten Fall, daß eine gemu-.l.le Ehe zwischen Juden und Ebeisten abgeschlossen worden ist. Der Bräutigam war Ebrist, die Branr Israelitin. Der Landeoradbüier B. Wechsler vollzog die Trauung. Zwar konnte es noch sehr zweisel! a;r sein, - o'o tz. 20 der Grundrechte schon als rechtskräftig angesehen werden kann, rüdem noch keine Eivilbchörde zum Abschlüsse der Zivilehe da in, allein durch zuvor eingeboUL Erlaubnis; Leo Groß- Herzogs wurde dieses Hinderniß beseitigt. Auch in Leipzig wurde kürzlich die erste Mischehe von einem jüdischen (>!«?.') Gele laten eiiigesegiicr. Ein Wiener Flüchtling Gritzner beiralbere eine Jüdin, Pauline Marr aus Karlsruhe, und der Orientalist Fürst trauele sie. — Eine traurige Ebre wabrlich für den Oldenburgischen LaiideSrabbiiier und den Orientalisten und Redakteur zn Leipzig, die Priorität fnr sich in Anspruch nehmen Daß eS nach een jetzt geltenden Rechtsbestrmmnngen dahin kommen mußte, wer balle cS bezweifeln dürfen; daß es Rabbiner und Geistliche geben wurde, die bei solchen Mischehen die Trauring vollziehen, wem sollte dies noch in Erstaunen vcr-

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