Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 43 (27.10.1848)
- Date
- 1848-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3-13 Majorität, wie dieses Mal hat sich noch nie herausgestellt, Land- und Stadtgemeinden wetteiferten in diesem Sinne. Es soll, kann und darf nun freilich dieses Resultat die siegreiche Partei nicht veranlassen, die unterliegende Minorität zu tyrannisiren. Ln ihrem Gewissen zu beschränken, was wir für uns stets fordern, und jetzt um so mehr, unbedingte Gewissensfreiheit, wir gewähren sie gerne, ohne Hinterhalt, in ihrer weitesten Ausdehnung, unfern Gegnern — davon kann natürlich die Rede nicht sein, und sollte von dieser Seite auf gänzliche Trennung hingewirkt werden, wir werden am Wenigsten solches zu hintertreiben versuchen. Nichtsdestoweniger freuet uns das Faktum innig, wir theilen es um so lieber mit, als wir überzeugt sind, daß eS nicht vereinzelt, daß es eine Verbindung mit vielen andern derartigen Erscheinungen ulld Wahrnehmungen darsteht, die auch in trüber, gewitterschwerer Zeit uns die feste Ueberzengnng verschafft, daß Israels Glaubcusschiff auch diese Sturme nberstchcn, daß es durch dieselben in den sichern Hafen des Glaubens und der Seligkeit ciulaufen wird. — Preußen Breslau. Wcr befinden uns hier noch immer in einer Art von Zwischenreiche, und die Frage über Bestellen und Nichtbestehen der Gemeinde ist immer noch nicht erledigt. Wir haben zwar manche unserer Institute, unter ihnen die-Wilhclmsschule, eingehen lassen, wir haben zwar unfern Eultus beschränkt, auch unser kostspieliges Ehor aufgelöst, wir haben zwar unsere Angestellten theilwcise gekündigt, auch Geiger gehört zu dieser Kategorie, und uchrd wie bisher Herr Rabbiner Tiktin künftig seinen Gehalt künftig nur durch Privatzeichnnngen beziehen — theilwcise ermäßigt; aber AllcS dieses vermag den endlichen Ausgang höchstens auszuschiebcn, aber nicht zu beseitigen. Breslau ist bereits nur dem Namen nach noch wird aber auch bald diesen abzulegen sich gcnöthigt sehen. Wenn es nun auch keinem Zweifel unterworfen, daß die Ereignisse der jüngsten Zeit, sowie ganz besonders die in Folge vorangegangener Handelscalamitatcn eingerissene Geschäflslosigkeit, ja fast gänzliche Verarmung früher als sehr bedeutend geltender Handlungshänser diesen Zustand zunächst herbeigeführt, so datiren doch dessen erste Entstehungsgründe schon seit mehreren Jahren her, und hört diese uralte Gemeinde Israel auf eine solche zu sein, so gab sonder Zweifel, G's unglückselige Berufung hierher den wichtigsten Impuls zur Erzeugung solchen Ausganges. Wir wollen über Früheres nicht weiter richten; hätte man uns damals, wo der Zankapfel des Eris noch nicht geworfen war, oder selbst später, als wir dringend dazu riethen, ohne Verzögerung, alsbald mit einem Schlage den gordischen Knoten zu zerhauen, gehört, cs stände um unsere Verhältnisse nicht so schlecht, als es in der That jetzt der Fall ist. Wir sprechen kaum vom Verfall des Enltns, so wie alle religiösen Institute, aber daß die Armenpflege so gesunken, daß, wenn die Privatwohlthätigkeit derselben nicht zur Hülfe gekommen, unsere Armen förmlich dem Hunger Preis gegeben sein würden, daß ist ein Resultat, wie cS trauriger kaum noch in irgend einer Gemeinde von solchem Umfange und solchen Kräften gefunden werden wird. Was Wunder daher, daß in der Generalversammlung, wo es um „EultnSverband" oder „Armencommissivn" bandelte, die lebhafteste Anklage in dieser Beziehung laut werden, und man sich trotzdem zu keinem Entschlüsse einigen konnte. Sie Auswanderung nach Amerika ist übrigens in letzter Zeit, von hier ans, besonders bedeutend gewesen, und junge Leute und Familienväter entschließen sich jetzt zu diesen letzten Nettungsanker, der ihnen Fristung des eigenen, sowie des Familienlebens gewahren sott. Am jüngsten 2"' erlebten wir in unserer großen Synagoge zum ersten Male eine fast zweistündige Pause, die der Erholung gewidmet sein sollte, welche freilich wie mir Augenzeugen versichern, mannigfach an voll besetzter Tafel gesucht wurde. Wir wollen nicht rechten, um so weniger, da jetzt eine allwaltende Vorsehung so laut und vornehmlich spricht. Freie Städte. Hamburg. Von Kummer erfüllt, von Schmerzen niedergebeugt, haben wir leider eine höchst traurige Kunde diesmal mitzuthcilen. Glücklich war der ->'22 21' vorübergegangen, die Angst, welche alle Gemüther wegen der hier stark herrschenden Eholera erregte, blicb unerfüllt, ja, gerade an diesem Tage war die Krankheit weniger stark