Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 30 (28.7.1848)
- Date
- 1848-07-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sitz und Stnmue haben, dann, weil die Smaneipation aus den Grundrechten der Deutschen so klar resultirt, daß es dringende Erörterung der Frage kaum nöthig erschernt. Mag eine oder die andere Regierung sich noch sträuben, mag unsere liebenswürdige Republik am Längsten das alte Zopfregiment beibehalten, solcher Widerstand ist jetzt gänzlich bedeutungslos, da vor der Entscheidung der Nationalversammlung alle entgegenstehende Einzelbeschlüsse schwinden, wie Wachs vor dem Feuer, wie Schnee vor der Sonne, und somit wären denn die jüdisch politischen Fragen bereits entschieden. Die bisherige Gemeindeverfassung, der meisten israelitischen Gemeinden betreffend, so wollen wir den Tag dreifach segnen, der sie, in ihrer bisherigen Gestalt gänzlich über den Haufen wirft. Ausgeburten, größtentheils hocharistokratischen Treibens, eigends geschaffen, um auf Kosten einer bornirten Geldaristokratie, jeden Funken von Repräsentationen im Sckooße der Gemeinde zu unterdrücken, haben sie sich gänzlich überlebt, sehen wir sie um so weniger mit Bedauern scheiden, als sie nicht nur den Verfall der Religion aufzuhalten nicht im Stande waren, vielmehr durch ihr Bestehen selbigen mächtig gefördert. Mag jene hochadelige, in religiösen Dingen durchaus indifferente Gesellschaft fernerhin sich ihre eigenen Gemeinden bilden, wir sehen sie gerne von uns scheiden; unsere wohlhabende, unsere Volksklasse, sie bilden hinreichend Kern zu neuen Gemeinden, in denen Selbständigkeit, Oeffentlichkeit und Vertretung keine leeren Schatten seien, die sonder Zweifel mehr dazu beitragen werden, die Religion unter sich zu erhalten, als es bei den bisherigen Verfassungen der Fall war. Die jüdischen socialen Verhältnisse endlich betreffend, so ist Gerechtigkeit eine der höchsten Errungenschaften der Neuzeit, Gerechtigkeit in ihrer höchsten, praktischen Bedeutung, Gleichberechtigung Aller, wenn auch in wesentlichen Momenten, wie z. B. in religiöser Beziehung von einander Getrennten. Wir werden nach wie vor eine eigne religiöse Besonderheit bilden, werden diesen Besonderheiten gemäß leben und leben müssen, ohne darum auf die Anerkennung, auf die Achtung der allgemeinen Gesellschaft Verzicht leisten, ohne uns bei allen nicht jene religiöse Besonderheit berührenden Fragen von den allgemeinen Bestrebungen trennen, lossageu zu müssen. — Geht nun aus den bisher Gesagten auch zur Genüge hervor, wie die nächste Entwicklung der jüdischen Verhältnisse nach ihren verschiedenen Richtungen hin, bereits scharf und sicher ausgeprägt ist, so resultirt daraus auch zugleich unsere Handlungsweise für die Gegenwart. Wir wollen es der deutschen Reichsversammlung sagen, daß wir nach wie vor eine religiöse Besönderheit, ja, eine religiöse Rationalität bilden, uns nichts destoweniger aber, dem allgemeinen deutschen Vaterlande, in allen, nicht speciell religiösen Fragen, auf's Innigste, viel inniger als bisher, wo wir nur als Stiefkinder behandelt wurden, anschließen! Allein wozu das? Ist unsere religiöse Nationalität etwa bedrohet, irgendwie in Frage gestellt? Läßt sich im Gegentheil nicht mit Sicherheit annchmen, daß selbige jetzt sich bei Weitem ungehinderter entwickeln könne, als bisher? Unsere Anhänglichkeit am Vaterlande! Wer bezweifelt sie, wer darf es wagen, nur als gleichgültig, indifferent gegen das glückliche Geschick des Vaterlandes uns hinzustellen, während wir selbst dem unglücklichen treue, liebende Kinder waren? Nein, wir müssen uns entschieden gegen alle derartige Kundgebung aussprechen, sie ist unnöthig, würde nur schaden. Keine Deputation, keine Addresse, unsere religiöse Nationaltät ist ein inregrirender Theil der allgemeinen Gewissensfreiheit, wir fordern für die Gegenwart nichts weiter als ungestörtes Verharren bei unserer Religion, die Zukunft ist Sache unserer Hoffnung, aber nicht unseres Thuns, — sie wird uns werden, ist es bereits, deshalb bleiben wir ruhig, — 127) r'v. Rheinhessen. Der Wormser Reform-Verein hat dieser Tage sein Manifest erlassen; es ist durchaus der Wieverhall der bekannten Badnischen. Die Zahl der Tbeilnehmer ist natürlich sehr geringe, doch wäre es kaum von irgend einem Einflüsse, wenn sie auch das Zehnfache ihrer jetzigen Stärke erreiche. Die Reformer werden natürlich eigene Reform-Gemeinden überall begründen, was uns aber nur lieb sein kann, als wir nun einmal jeden Einflusses ihrerseits gesichert, andrerseits bei vorkommcnden Fällen zn demselben Mittels in unserm Interesse schreiten können.