Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 26 (27.6.1848)
- Date
- 1848-06-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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einträchtl'guiig unserer Gewissensfreiheit zugeben. DaS mögen jene Herren reiflich bedenken, ehe sie ihren religiösen Indifferentismns zu unserm Schaden und Nachtheil geltend machen wollen. Und nun einige Specialien. In Fritzlar hat ein bekannter Färber Frank einen Aufruf in der »Neuen hessischen Zeitung" an die Juden ergehen lassen, worin er dieselben auffordert , dem Rabbinismus Valet zu sagen, wozu er vorzüglich 'o-w zu essen, und no zu sein, rechnet. Das nennt der arme Mann »vom Rabbi'nismus lossagen"! Der Aufruf hat natürlich auf dem Lande nicht den geringsten Anklang gefunden, und zumal, da er höchst unlogisch geschrieben, eine wahre Mißgeburt von Unverschämtheit und Unwissenheit ist, und werden die Folgen wahrscheinlich gerade vas Gcgcnthcil des Gewünschten bewirken. — Ein anderes, fast polsirliches Stückchen ist Folgendes: Lehrer Nosenhanscl, ein sogenannter Freigeist, welcher früher in Jesberg, später aber in Grebenstein Lehrer vmc und war, welche Stellen er noch bekleidete, ist bei den Ständen mit der Bitte eingekommen , »da er schon so viele Jahre Lehrer auf dem Lande sei, und die Händel dergenau kenne, wonach dieselben noch 10 Mal mehr Verfolgungen verdienten als in der That über sie hereingebrochen seien, ihn als „geheimen Polizciagenten" anzustellen, wodurch die Eriminalbekürde Gelegenheit hätte, das Treiben der 2"vr>' am Genauesten kennen zu lernen." Der Ausschuß der Stände trug nach Vorlesung dieser Eingabe an, da dieser Mensch entweder geisteskrank oder im höchsten Grade demoralisirt sein müsse, in beiden Fällen aber sich so wenig zum Lehrer und Iugenderzieher als zum Vorsänger eigne, diesen Gesuch der Staatsregierung zu übergeben, mit der Bitte, die sofortige Absetzung des Lehrers R. von seinen bisherigen Functionen, anzuordncn. Rotenburg an der Fulda. Die Verfolgungen , denen die Juden in unserer Provinz und im benachbarten Fuldaischen ausgesetzt waren, werden Sie größtentheils durch die öffentlichen Blätter bereits erfahren haben. Kaum hatten wir uns hier indeß ein Wenig von dem ersten Ueberfalle erholt, und der Hoffnung hingegeben, jetzt wenigstens »»belästigt bleiben zu dürfen, als am ozc »htm die früheren Scenen vom Neuen und zwar in weit bedeutenderer Gestalt sich wiederholten- Verfolgung. Mißhandlung, Plünderung und Verwüstung erreichte endlich einen so hohen Grad, daß endlich 300 Schützen hier einrücken mußten, wodurch die Ruhe wieder hergestellt, und Untersuchung auf 6 Eifrigste eingeleitet und betrieben wurde. Von unseren wie von Fuldaischen Nabbinen sind eigene Gebete ungeordnet worden, um den göttlichen Schutz für uns Verfolgte -,u erbitten, und haben viele l'wp außer bedeutenden Wehlthätigkeitsspcnden, es auf sich genommen, jeden r>"^ zu fasten und sonstige gottesdienstliche Werke im erhöhetem Maaße, als bisher, zu vollfuhren. Cassel. Sie haben w. H. N. in diesen Blättern mehrere Artikel gegen das Institut der Vorsteherämter gehabt, bezüglich der Schritte, die zuerst von Hanau aus, später durch das ganze Land gegen dieselben vorgenvmmen wurden. Stimmen wir nun auch damit gerne überein, daß dieses Institut in seiner jetzigen Gestalt allerdings unhaltbar, daß es jedenfalls bedeutenden Modifikationen und Verbesserungen unterworfen werden müsse, so können wir uns doch durchaus nicht für eine Aufheblzjig derselben erklären. Abgesehen davon, daß die Früchte ihrer Wirksamkeit nicht unbedeutend, das; der geregelte Gang der gottesdienstlichen und Schnlangelegenheit in unserm Lande einzig und allein den Bemühungen der V. - A. zuzuschrciben sind, würde zumal jetzt bei der baldigst zu erwartenden Trennung des Staates von der Kirche, sowie der Emancipation der Schule von der Kirche gewiß ein solcher Schritt eine förmliche Auflösung aller bisher so geordneten Verhältnisse herbeiführen. Schule und Lehrer, Rabbiner und Synagoge, sie suchen und finden ihren Mittelpunkt in den Vorsteherämtern, ohne selbige werden auch sie kaum in ihrem Bestände erhalten werden können. Deshalb — Reorganisation, völlige Umgestaltung dieser Behörden, Eonstituirung derselben nach durchaus freisinnigen Principien, zu einem wahrhaft repräsentativen Charakter, aber nicht Aufhebung, gewalsame Absetzung derselben.