Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 19 (9.5.1848)
- Date
- 1848-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jener göttlichen Allweisheit sind, deren Wirken wir häufig nicht begreifen, niedre destowcniger aber für ersprießlich und gut zu halten verpflichtet sind. Wollen wir indcß uns bemühen, um Fingerzeig für jene bewegte Thatsache aus dem wirren Labyrinthe von Hypothesen, Mutkmaßungcn und Erscheinungen herauszufinden, so möchte er zunächst darin zu finden sein, daß die Verkünder der Religion, welche berufen waren. die Wissenschaft dem Iudenthum zu befreunden , mit ihrem Wissen dann eigene Schätze zu eröffnen und wieder zu verbreiten, und dennoch so wenig und oft so verderblich in diesem Berufe wirken, daß diese zunächst ihrer Aufgabe ganz und gar nicht gewachsen waren. Jünglinge, deren Geisicsgaben ihre Eltern veranlaßte, sie für die wieder liedgewonucncn Wissenschaften dem christlichen Jünglinge so vielerlei Aussichten offen sind. Wenn dieser seinem innern Triebe bei der Wahl eines Berufes folgen kann, so muß jener, will er nicht Arzr werden, oder ganz den Wissenschaften entsagen, dem innern Drange Schweigen gebieten. Deshalb finden wir manche Nabbinate mit jungen Männern besetzt, die vielleicht nie einen Beruf für dieses so heilige Amt gefühlt haben. Vordem, als noch jeder Befähigte aus Liebe zur Religion und aus Bcdürfniß, sich über dieselbe zu belehren. nach ihrer Erkenntniß strebte, und aus heiligen Quellen mir Lust und Eifer schöpfte, da harren die Gemeinden die Wahl, sich aus Vielen den würdigsten Mann des Wissens, der zugleich für den heiligen Beruf begeistert war, herauszusuchen — und die Reihen wurden von jungen Anstrebcndcn immer wieder ergänzt. — Zn neuerer Zeit aber ist eS anders geworden. Zn den Schulen wird mehr auf das bürgerliche Leben als auf Kcnntmß der Neligionsquellen Rücksicht genommen, die Jünglinge, die sich mir Muße und heiligem Ernste mir unserer Literarur beschäftigen, sind selten, und man mußte ohne große Wahl zugreifen. Haben wir diese Ucbelstände als nothwendige erfüllt cs uns nunmehr mir Vertrauen, daß auch diese Krisis für das Zudenrhum sichtbar sich ihrem glücklichen Ausgang zunciget. haben sich in ihrer Ungeduld übereilt, und sich zu früh als feindlich gezeigt. Man hat ihre Ansicht erkannt, und weiß sich vor ihnen zu bewahren, ja sie selbst halassen. Während dessen haben aber die Achänger deS orthodoxen Zudenthums die Anforderung der Zeir an dasselbe erkannt, sie haben mir richtigem Blicke in den Dämmen gegen die Wissenschaft schon längst die Schleusen eröffnet, und ihre Strömung vorsichtig eingelassen als ruh'ge Gewässer, an deren Ufern ihre sorgsam gehegten Pflanzungen, diese in sich organisch aufnehmen und duftiger ausdlühen können, sie hielten jene Gewässer nur ab, wo sie über Alles herbrausen und niederreißen konnten. Die orthodoxen Rabbiner haben schon lange die Wissenschaften bei ihren Schülern befördert, sie bequemten sich besonders an UmversitätSörkern mir ihren Vorträgen nach der Zeit, welche die Studien ihren Schübeachreken. Und so ist es denn mir Gvtres Hülfe gelungen , daß das orthodoxe Judenthum schon viele tüchtige Männer der Wissenschaft in seinen Reihen heiliger Liebe aus seinen ewigen Quellen des Heils schöpfen, und deren religiöses Gefühl so lebendig ist, wie cs Noch chur in Zsrael. Das belehrende Worr im Wohllaut unserer Muttersprache wird immer mehr von wirklich heiligen Lippen gehört, cs wird in Wahrheit, was es immer Glauben entspringt. Nur dann wird es in das Herz eindringen, zur frommen Thar dauernd anregen und nicht blos erbauen, d. h. auf Augenblicke den Geist oder das Gemürh der Zuhörer angenehm auf seinen Schwingen heben und senken, ohne daß es bleibenden Eindruckzurück läßt.