Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 18 (2.5.1848)
- Date
- 1848-05-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Liebe zu den Angehörigen kann die Liebe zu Anderen sehr wohl bestehen. Und ste soll cs. Aber hier erkennen wir schon die unendliche Schwierigkeit des Erziehens und Bildens. Das Kind soll Mutter, Vater und Geschwister über Alles aus Erden lieben, und es soll die Glieder anderer Fauligen nicht verschiedene oder entgegengesetzte Anforderungen machen. Diese und ähnliche Schwierigkeiten werden nur dadurch gelöset, daß das Kind, versteht sich, tern lernt, seines Gleichen, d. h. den Menschen als Menschen lieben, welche Liebe ihre tiefere Wurzel in der Liebe zu Gott har, welcher aller Menschen Scköpfer und Vater ohue irgend eine Ausnahme und in gleicher Weise ist. Ohne diese Liebe har keine andere, ohne sie har das Leben keines Menschen irgend einen Werth. Ohne allgemeine Menschenliebe ist jede einzelne Liebe zu Eltern, Geschwistern, Frau und Kind eine egoistische. Diese zu überwinden. oder vielmehr gar nicht aufkommen zu lassen, ist darum des Erziehers, der zur Vaterlandsliebe erziehen will, erste Ausgabe, ohne dadurch die Liebe zur Familie und zu engeren Kreisen schwachen zu wollen. Die allgemeine Menschenliebe ist nicht das letzte, äußerste Glied der Kette, sondern daS erste. Ohne sie gedeiht nimmermehr eine wahre Vaterlandsliebe, sondern dieselbe wird dann ein porenzirter Egoismus, führt zur Abschließung, wo nicht zum Haß gegen andere Nationen. Da man nun alles Höhere und Tiefere, kurz alles Wesenhafte nur in der Unmittelbarkeit, nicht durch Reflexionen, Redensarten. Predigten rc. lernt: so kommt es darauf an, daß das Kind in einer Umgebung lebe, in welcher es die Liebe zu den Menschen einakhmet- Wenn dagegen, ihm zuerst unbewußt, in seiner Umgebung die die damit verbundene Abneigung gegen Andere, z. D. die besondere Zuneigung zu den Gliedern eines bestimmten Standes (etwa zum Adel), einer bestimmten Confcssion u. dergl. herrscht, da ist die wahre Menschen- und die verklärte Vaterlandsliebe in der Wurzel vernichtet. Ein Prinz, der in Betreff der Menschenwürde seines Gleichen für etwas Absonderliches hält; ein Adeliger, welcher seinem Stande eine höhere sittliche Dignität beilegt; ein Bürgerlicher, welcher Nickr- Bürger für Pack und Gesindel erklärt; ein Christenkind, das auf Zudenkinder mir Verachtung hinabsirht; ein Protestant, der wegen des Mangels protestantisch gefärbter Gesinnung den Katholiken znrücksetzr; kurz Zeder, welcher einem Separatismus in dem Grade huldigt. daß er den Bckennern desselben als solchen unter Verachtung und Zurücksetzung der dieser besonder« Classe nicht Angehörenden, einen höheren, innern Werrh zuschreibt, ist für die wahre Menschen - und Vaterlandsliebe verdorben. Menschen - und Vaterlandsliebe müssen zusammen sein; jene muß diese verklären, sonst wird sie Beschränktheit. Die Vaterlandsliebe steht zwischen der Liebe zur engeren Hcimarh und zu der Menschheit. Jene ist eine instinkcmäßige, sie entsteht von selbst; diese entsteht nicht von selbst, sie ist eine Frucht wahrer Bildung. Man liebt die Heimath, nicht weil sie der beste Ort der Welt ist, sondern weil sie die Heimath ist. Auch wenn man die Vorzüge fremder Gegenden anerkennt. hört man dennoch nicht auf, die schlechtere Heimath zu lieben. Zn einer Wüste geboren und erzogen und nachher in eine paradiesische Gegend versetzt, spürt man dennoch eine Sehnsucht nach der Heimath- Sie ist dem Menschen eingeboren, und mit Recht spricht man daher, wie bei allem Ursprünglichen und Principienhafrcn, wie bei Allem, was die Narur geschaffen , von einer heiligen Heimathsliebe. Mit der Reife verklärt und erweitert sie sich zur Vaterlandsliebe , d. h. zur Liebe alles dessen, was den Genossen derselben Sprache angehörr. Dieselbe Sprache ist der sicherste Ausdruck derselben wesenhaften Eigenrhümlichkeit, Persönlichkeit, Originalität, kurz der Nationalität. Menschen derselben Muttersprache erkennen sich, wo sie sich auch auf der ganzen weiten Erde begegnen mögen, als Landsleute. Zn der Muttersprache liegt das Vaterland, die Heimath , die erlebte Zugendgeschichre, der ganze Znhal heiliger Erinnerungen und Gefühle. Definirer Zhr, wenn Zhr wollt, die Vaterlandsliebe, ich definire sie nicht. Ich bin zufrieden , wenn