Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 12 (21.3.1848)
- Date
- 1848-03-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»W HS Betreff der bayerischen Israeliten, außer der in der Proklamation geschehenen Zusage, von Sr. Mag. dem Könige, durch einen der Volksversammlung zugcsandten Adjutanten das Versprechen der uiü>edingten Gleichstellung gemacht worden." Aus Hem Riesgau. Des einfältigen Schulmeisters, offenherzigenProvisors schreiben an den Hrn. W. in der Provinz Posen. Mein Herr! Daß die großherzoglich posener Juden nichts lesen, was nicht in einem guten Styl geschrieben ist, macht ihrem Geschmack und ihrer Bildung Ehre. Aber sagen Sie mir doch, bester Herr W., warum Sie das erst jetzt veröffentlichen? Will denn das Verhängniß, daß die Posener immer zn spät kommen läßt, gar nicht weichen? Warum haben Sie daö nicht vor einem Jahre gesagt, als man von Berlin aus so oft hören mußte, die Poscner stünden ihren deutschen Glattbensgeuosseu in Bildung weit nach? Warum sagten Sie das nicht, als man in so vielen deutschen Blätteru las, daß so vie:e in der Prov. Posen, wären, die da wähnten, Ncligiousverrätherei fei Bildung? Da wäre cs an dem Platze gewesen, zu beweisen, daß Sie gebildeter sind, als alle Juden deutscher Zunge, die den Z. - W. lesen, ohne von seinem schlechten Styl Migraine oder Indigestion zn bekommen, was bei Ihnen, dem Posener, allerdings der Fall ist. Und da »der Styl der Mensch ist", so hätten Sie den schlagendsten Beweis gegen den Verdacht geringer Bildung geliefert und hätten jene Calamität nach Gebühr beschämt. Ab r es ist leider das spruchwörtlich gewordene Verbängniß »die Posener kommen überall zu spät", das Sie verhindert hat, zur rechten Zeit zn sprechen. Gefreut hat es mich, zn erfahren, daß Sie, Herr W., gewöhnlich frühe noch zu Hause geben; bin aber der Ansicht, Sie dürften, wenn Sic nichts Besseres zu bringen wissen, gar zn Hanse bleiben. Der Umstand, daß bei Ihnen im Großhzgth. Posen die Einfältigen hinter den Ofen sich verkriechen, macht es mir begreiflich, warum man daselbst so umfangreiche, hervorspringcndc Stubenöfen har. Hier in Süddeutschland braucht anch der Einfältige nicht zu kriechen, geschweige denn sich verkriechen, und nur die rnhmrednerischen und händelsüchtig«» Individuen, so wie die, welche sich auf brutale Weise in fremde Angelegenheiten mischen, werden in keiner gute« Gesellschaft geduldet. Mein Schulmeister hat nur Einen Lehrer biographirt, aber ich bin überzeugt, und jeder verständige Mensch wird es mit mir sein, daß ein junger Mann, der vermöge seiner durch und durch klassischen Bildung, vermöge seiner ansgebreiteten Kenntnisse wohl im Stande wäre, in andern Räumen,.als in Schnlzimmern einen ehrenvollen Platz würdig anszufüllen, und doch aber aus Liebe zu der Jugend cs vorziehet, der Erziehung einer Heranwachsenden Generation sich widmet, oder — mit Ihren Worten zu reden — ein Jünger Pestalozzi's zn sein, jedenfalls solch' eine beachtnngswerthe Persönlichkeit ist, als dir zugereist kommenden Herz- oder ohrenzcrrcißenden Predikanten, die in einer Synagoge oder bei einer Ehcbra im Poscnschen Vorträge halten, mit welchen wir in den verschiedenen jüd. Blättern von Zeit zu Zeit behelliget werden. Ungeachtet mein Schulmeister nicht halb so cinfältig istals er selbst von sich wähnt, was nur der Hauptgegensatz zwischen ihm nnd Ihnen zn sein scheint, so lst er doch kein Meister im Enträthscln der 'cbi, mrd weiß daher mit Ihrem Wnicht znrechtzukommen. Er fiel zwar (Ihres Haffes gegen die Orthdorie wegen) auf einen seit Jahren vielgenannten Namen: W —s, allein ich führte ihm die Worte des Schiller'jchen Jäger zu Gemnthe; die da lauten: Sich nicht in dem Aufsatz zeü». Und so verfiel er ans noch mehrere bekannte Namen, die aber alle nicht passen wollten, was mich veranlaßte, ihm meine Meinung zn sagen. Die bestehet darin: Sie sind eben meinem Schulmeister ein unbekanntes »Weh", dem ich jedoch wünsche: leben Eie wohl, nach dem Wunsche des offenherzigen Provisors. Hamburg. 'r-T'J i'v2 2'2 Riesser ist seit heute nicht mehr unserer Gemeinde. Selbst ausgetreten oder zur Eingabe seiner Dimrsston veranlaßt, bleibt uns ganz gleich; kurz Meinen ausführlicheren Bericht nächstens. S.