Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 12 (21.3.1848)
- Date
- 1848-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2625941-2626200-2626213--1337-2628961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»ZH 92 sagt, ging ich in das besagte Zimmer, schloß es ab. ließ aber den Schlüssel stecken, damit Niemand durch das Schlüsselloch luge- Jetzt begab ich mich auf die W'tzentdeckungSreisc; hauthierte fleißig am Schädel, würde sicherlich das so Heißersehl,ee Organ gefunden haben wenn meine liebe Frau mir nickt einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Casus war folgender: Wie bei uns Schullehrern gar V'elcS nicht ist, wie es sein sollte, so ist euch die Thüre des verhangnißvollen Zimmers nickt reckt gefügt, hat vielmehr in ihrer Wirre, einen Spalt durch welchen eine Fcderspul ganz gedacht, sonst würde ich ihn vermittelst meines abgelegten Schulrockcs verdeckt haben. Da ich nun zu lange in dem schon oft crmcldetcn Zimmer geblieben, da wurde meine besorgte Ehefrau etwas beunruhiget, und da sie, wie alle Eva'e-Töchker, von der Neugierde nicht ganz völlig befreiet ist, so blickte sie durch den verzweifelten Spalt, und sah ganz deutlich, wie ich mir den Kopf zerarbeitcte. Darob erschrak sie gar schrecklich, weil sie in ihrem getreuen Herzen fürchtete, ich möchte nicht ganz bei Tröste sein. Sie rief dader mit beängstigter Stimme r „um des Himmels willen! was machst du? Willst du dein bischen Verstand vollends verlieren?" Ich. bei meiner erschreckhafken Natur, besonders einer Frauenstimme gegenüber, ließ von meinen Versuchen ab. Doch hakte ich noch den Muth zu erwiedern: „Nicht verlieren, sondern finden Darauf erwiedene sie lachend: „Du wirst deinen Schulbuben auch ohne Witz das Ein-Ma?-Eins einrricktern können." Aber ich nahm das Wort, sagend: »-Schatz, das verstehst Du nicht! Siehe, ich möchte darum mir etwas Witz aus dem Kopf hcrauSpreffen, damit ich auch solche schnurrige Aufsätze, wie Herr .... dem Israeliten und wie der Hrrr^ dem Orient zusckickt, dem ehrlichen Ziouswächter übermachen könnte". Meine um sich eine Schleife auf der Haube zurecht zu stecken, weil sie einen Ausgang zu macken hatte, sagte leichthin : „Wacke du nur über deinen Verstand!" DaS war ein Witz, wenigsten« so gut als einer der besten des Orients: Da ich aber bei meinem Ehegespvns, trotz seinegesunden Verstände«, des WitzeS nicht gewärtiger bin, und es auch damit sonsten nicht behaftet ist, so backte ich in meinem Sinn, daß eS wahrend des Knüpfen« der Schleift, vielleicht das Witz, organ berührt haben dürfte, rhar deshalb einen herzhaftigen Griff nach derselben Stelle an meinem eigne» Kopf. Der Witz kam mir aber doch nicht. Aus dieser Begebenheit sehen Sie, verehrter Herr Dr. daß ich es an nichts habe fehlen lassen, also ich habe das Meinige gekhan, thun Sie jetzt das Ihrige, und sehen Sie sich nach einem witzigen Correspondentcn um; bestellen Sie die Art der W'tze; bestimmen Sie, welche No. eines andern Blattes mit Humor und wegwerfend behandelt werden soll; machen Sie es ganz also, wie die Redaktion eines andern Blattes es macht. Und seien Sie versichert, die literarischen Taglöhner Sie es wünschen und bestellen. „Fürs Geld geigen wir" ist auch das Losungswort dieser Zndustriemänner. Za, eS stehet zu erwarten, daß eben die fleißigen Arbeiter, die des Lohnes wegen, den „Z.-W." in einem andern Blatt herabreißen, dieses hinwiederum der bessern Bezahlung wegen, die Sie bekanntlich bieten können, im ,,Z - W." bekritteln und widerlegen. Darauf kommend, fällt mir eine wundersame Historie bei, die sich zugetragen in der weltberühmten Handelsstadt Frankfurt, an dem Flusse Main gelegen, zur Zeit, als man schrieb 1821 oder 1822. Von hier aus wurden nämlich verschiedene Artikel von einem judenfemdlichen Juden an den Herausgeber des „Anzeigers der Tcutschen," zur Veröffentlichung durch daS besagte Blatt gesandt. Diese Artikel waren sämmrlich sehr giftigen Inhalts gegen die Juden. — Hätte der leibhaftige — Israelit oder der *Srern des Orients selbst die Zeit — kurz nach dem Hepptumult, und die Ausdrücke in diesen Artikeln (die da von Nichts als von dem Reichrhum, von dem ungerechten Einfluß, von dem Trug und der List der Juden, und von ihrer Gefährlichkeit für das deutsche Volk sprachen) gewählt, sie Härten nicht boshafter, nicht aufreizender gegen die Juden sein können. Diese Aussätze wurden alle mit dem Namen eines in Frankfurt lebenden christlichen Gelehrten, der sich um keinerlei politische Händel kümmerte, auch den Juden nicht gram war, unterzeichnet. Zn einem Frankfurter Blatt wurden aber alle diese Artikel von einem daselbst lebenden Juden, unter Nennung seine« Namen-, widerlegt. Es geschah aber eine- Tage-, daß der Anzeiger der „Teutschen" solch einen heftigen Artikel gegen dir