Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 4 (25.1.1848)
- Date
- 1848-01-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»« « «e» Wahrlich, der menschliche Verstand muß dieser Thorhelt spotten. So wie auch die Liebe zur Wahrheit^ die Israels Herz stets entzündet, und dessen Eifer bei jedem Hinderniß nur vermehrt, nickt minder auch daS in Israel stets vorherrschende, sittliche Gefühl es weiß, wie eS die Lüge, die sich in daS Gewand deS Eifers für die Wahrheit gehüllt, weiß es auck, wie es die Sophistik, die in den Versammlungen die letzte Hülle der Schaam abzestreift har, weiß eS endlich, wie es diese Kmffe zu nehmen har. Genau untersuchen, sagten wir, wollen wir den neuen Namen. Ist es möglich, fragen wir vor allem, daß dem Zudenthum das Prädicat „heuriges" beigelegr werden kann? Der Prophet Amos spielte vielleicht schon darauf an. indem er sagte: 'ui '7 Li' '0, 0, über diese, die diesen Tag Gottes wünschen, was bringt dieser Tag? waS ein Elches Heute? frage ich — nichts als Finsterniß — und kein Licht — ist des Propheten Antwort. Das ist also daS eintägige, das heurige Zudenthum? Etwa dasjenige, welches rH'w unanständig findet? Jenes, welches iric tw'pn dem Zeitgeiste nicht gemäß findet? und den bc 721c, woran so viele herzerhebende, dem Juden überaus kostbare Erinnerungen geknüpft sind, mit einem Blechpfeifchcn vertauschen? oder jenes, welches das Reinigungsgesctz der Frauen, welches abgerechnet, daß es sich dabei um einen O72 handelt, es auch in Sanitätsin sittlicher Hinsicht ein Gesetz einzig in seiner Art ist, abgesckaffr wissen will? Oder jenes, welches Sabbath auf einem anderen bequemeren Tag verlegen will, zugleich;'cÜ7 v"» entweihen und v"» gänzlich verwerfen? Diese buntscheckige Thorheir also ist eö vielleicht, die man als das „Heurige Iudcnthum" darstellen will? OGott! diese Ephimere, diese Eintagemühe, die seit heute entstanden, und morgen von einem andern verdrängt zu werben bestimmt ist, soll das alrchrwürdige, seit Jahrrauseuden bestehende Zudenthum verdrängen? Unbekümmert, daß eine Zeit kommen kann, wo man jammernd nur verlorne Freude, und mir trostlosem, starrem Blicke das entschwundene holde Glück verfolge« wird, und eS dann, aber zu spät, erkennen und würdigen wird. Sagt es selbst, ihr Anhänger am heutigen Iudemhum, wenn ihr anders nicht Tharfachen leugnen wollt, ist es nicht so? — Daß, wenn Israel am Anker der gläubigen Hoffnung gelehnt, und die Religion zur Führerin, dahin segelte, da nur konnte eS kühn allen Orkanen des Schicksals trotz bieten. Wie kannst du es daher, du unreife Frucht, du heutige- Zudenthum, wogen, Männer, die auf den Gefilden der Ewigkeit dienen, zu entehren? Wie erkühnst du dich, gegen den Talmud, ja selbst gegen die Tora aufzutreten? Jedoch, ihr Vertreter deS heutigen Iudenthums, ihr Ammen jener Mißgeburt, euch — euch — will ich rechtfertigen; eS gehet euch so, wie einer bekannten Schriftstellerin. Ihre eigene Worte die sie an ihren Bruder, schrieb sind folgende : „Meine Seele ist eine leidenschaftliche Tänzerin. sie springt herum nach einer inneren Tanzmusik, die ich nur höre und die andern nicht. Alle schreien, ich soll ruhig werdcn und du auck, aber vor Tanzlust hört meine Seele nicht auf euch, und wenn der Tanz aus wäre, dann wäre es aus mit mir." O, wie wahr! wie treffend! wirklich! wahrhaftig! so wäre eS auch— mit Aufhören dieses Schwindels, mit Aufhören dieses Tanzes, würden auch solche Männer, denen Religion und talmudische Kenntnisse fehlen, aufhären Rabbiner zu sein. Al,o um eurer Subsistenz willen, müßt ihr forttanzen, und da der Ehrgeiz auch mit im Spiel ist, so ist euch das Zurückkehren noch unmöglicher, denn, wen der Ehrgeitz einmal umfaßte, den läßt er nimmer los. er reißt ihn mit sich fort, er muß ihm folgen über Dornenpfade durch Sturm und Wetter. Solltet ihr aber in eurem übermäßigen Eigendünkel vielleicht glauben, daß die Glurhworte, die aus eurem Munde strömen, eine magnetische Kraft sei, wodurch ihr Herzen bezaubern und stehlen wollt, so sagen wir ruck, Israel ist nicht daS Eisen, das sie anziehr, sie stößt eS vielmehr ab, ja, das wahre Zudenthum und ihr, sind zwei feindliche Naturen, ersteres offen und frei, ihr tückisch und versteckt. Israel will wahres Zudenthum, ihr aber wollt nur heutige Juden scheinen; Israel will alles wahrhaft sein, ihr alles nnr scheinen. UebcrdieS will jeder Einzelne von euch als oberster Regulator des Glaubens und deS Gottesdienst erscheinen. Der gesunde und nüchterne Sin« Israels siehe es aber ein, daß daS heutige Schein-Zudenrhum, daß die von euch geheuchelten Gefühle, nur die Geburten aufwallender Launen sind, und daß ihr nur aus Eitelkeit, leichtgläubige Herzen bezaubern und stehlen wollt. Israel erkennt es, daß eure vorgebliche Liebe, nur Tand, euer vorgeblicher Eifer, nur Eitelkeit, euer vorgebliches Streben nach Verbesserung, nnr Eigennutz und Selbstsucht ist. — Wir sehen uns daher veranlaßt, eS offen uud frei auszusprechen, daß daS heutige Zudenthum einer bloßen Maske gleich, nur dazu dienen