Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 2 (11.1.1848)
- Date
- 1848-01-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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16 der gLtü.Nameburch dich, Israelin, überall geliebt und geehrt werde, auf daß die Menschheit, ohne Unterschied des Glaubens die beseligende, allbeglückende Kraft der Religion Anerkenne, die durch Uebereinstimmung LeS Lebens mit der Lehre so reiche Dlüthr der Tpgend und Moral mannigfach enkfalte> daS ist der Sinn, dadie Bedeutung jenes Gebotes, llnd deshalb darf ich es nicht unterlassen, den Lesern d. Bl. eine Begebenheit mirzurheilen, eine einfache, alltägliche, aber vor vielen Andern ihres Gleichen dadurch ausgezeichnet, daß der Stempel des ircr, ci?'p in hehrer, unverlöschlicher Schrift ihr durch und durch aufgedrückt ist. Heute war ich nämlich Augeuzeuge einer Trauung, wie deren ähnliche mir noch nie vorgekommen. Einer der ersten und angesehensten christl. Bürger dieser Stadt, Inhaber einer bedeutenden Fabrik — ich ver» schweige den Namen, auS Furcht, der Bescheidenheit des Biedermannes zu nahe zu treten — übt nicht nur reiche Wvhlchätigkeir ohne Unterschied des Glaubens, sondern halt vorzüglich auch darauf, daß seine israelir. Fabrikarbeiter ihre Sabbarh» und Festrage pünktlich feiern. ohne ihnen je einen Lohn« Abzug dafür zu zu machen. Der Senior dieser israelir. Arbeiter ber findet sich bereits seit 38 Jahren in demselben Dienste, und hatte es durch Treue und Fleiß dahin gebracht, daß er bereits seit 20 Jahren Werkmeister dieser bedeutenden Fabrik ist. Am heutigen Tage verhcirakhere gedachter Werkmeister seine älteste Tochter einem jungen Arbeiter derselben Fabrik. Da der edle Fabrikherr mit seiner Familie der Trauung beiwohnte, so benutzte der Herr Oberrabbiner Ettlinger wohlweislich diese Gelegenheit durch eine passende Wendung in seiner Traurcde, dem biedern Menschenfreunde öffentlich seine und sei,rer Glaubensgenossen tiefempfundene Hochachtung zu bezeugen. Seine Worte waren, so weit selbige nnS noch vorschweben — wir haben sie aber so tief als möglich uns eingeprägt — ungefähr folgende: Sie edler Mann! haben es erkannt, daß Nächstenliebe keine besonderen religiösen Grenzen kenne, daß sie das schöne Band sei, welches alle Verehrer des einzi- Einzigen umschlingen muß. So wie für Ihren Glam ben bilden auch für den Meinigen das Gesetz der Nächstenliebe den Hauptinhalt, und als einst ein Heide daS Zudrnthum, auf einem Fuße stehend, kennen len nen wollte, belehrte ihn ein weiser Rabbi: Was Du nicht willst. Das dir geschehe, das rhue auch einem Andern nicht. DaS ist das Grundgesetz .deS Juden» thums, alles Uebrige nur nähere Ausführung dieses Satzes. Aber Sie haben es, .edler Menschenfreund! auch richtig erkannt, daß eben dieses Gesetz der Nächstenliebe es gebiete, auch den, der nicht Ihres Glaubens ist, in seiner religiösen Ueberzeugung zu schützen, so wie daß Redlichkeit und Beruftrreue ihre wahre Bürgschaft vor Allem in der Erfüllung der Pflichten gegen Gott und sein heiliges Gesetz finden. Darum halten Sie darauf, daß die, welche Ihr Brod geniei ßen, zur Verehrung ihres tzimmelsvarers Ruhe- und Festtage getreulich feiern, ja bringen edelmürhig dafür sogar eigene Geldopfer dar. Anerkennung und Dank Ihnen im Namen der Menschheit, die Sie in Ihrem Wirkungskreise ehren! Dank Ihnen im Namen der Religion, welche ich in meiner Gemeinde zu vertreten, die Ehre habe. Möge durch himmlischen Schutz es Ihnen vergönnt sein, noch lauge ihr segensreiches Wirken fvrtzusetzen :c. Der Angesprochene, überrascht, sein stilles Wohlthun hier öffentlich in zahlreicher Versammlung aussprechen zu hören, war tief gerührt, und Thränen rollten non seinen Wangen herab, so wie die herzlich aus tiefem Gemüth gesprochenen Worte des verehrten Redners, mir und vielen der Anwesenden Thränen enrlockrcn. Uns Allen ward aber auf's Neue die Ueberzeugung befestigt, daß nicht Ausgeben, vielmehr Festhalten um Glauben für den Israeliten das ivür, digsie und zugleich sicherste Mittel sei, sich die Achtung wahrhaft gebildeter Lhristeu zu erwerben, nud so, im schönsten Sinne des Wor-reS selbst <ine sociale Vereinigung zu fördern. Briefwechsel. .'m, Sollten Sie die Bitte im Briefwechsel No. 52 v. Ig. übersehen Haben? — E. H. in P. P. C. U. DieAnklage gegen den Nabdinen ist zu hart, als daß wir selbige ohne weitere Belege der OeFentlichkeit übergeben dürfen, und fordern »vir zuvörderst nähere Begründung und die bereits früher als conckiüo sine gua non geforderte Garantie für Zhre eigene Person. — B. in H. Hätten wir im Entferntesten ahnen können, daß in jenem Gebetbuche v'-'-lv:, modernisirt sei, wir würden es natürlich nicht angezeigt haben; der Widerruf ist hiedurch von selbst ausgesprochen. Verlag: Heroldsche Buchhandlung iu Hamburg. Druck: Gebrüder -B^v n in Altona.