Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 1 (4.1.1848)
- Date
- 1848-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»W s Hx» Vertheidigung umständlich erzähle «erden, verbrannt haben. harre ich eben verlassen, als man die Straßen breiter anqelegr und besser gebahnt fand, waS die Nähe der rvürrembergischen Gränze vermurhen ließ. — Zwei sehr anständig gekieidere junge Männer, anscheinend blos lustwandelnd, kamen des WegS. „Also, dabei bleibr's, der Rabbiner, der am nächsten Sabbarh bei unpredigen wird soll entscheiden, wer von unS beiden den pf» richtiger aufgefaßr hat!" waren die Nachklänge eines, wie auS den lebhaften Bewegungen der beiden Männer zu schließen war, mit vielem Eifer geführtem Gespräches, welchem meine wahrscheinlich unerwünschte Daherkunft ein Ende machte. Ich gestehe es gerne, daß es mir leid rhat, durch mich ein Gespräch über '^7 unterbrochen zu sehen, und Veranlassung geworden zu sein, daß das vz für den Augenblick aufgehört Halle. Diesen Männern nahe gekommen, fragte ich sie, wie dar, etwa eine halbe Meile von uns noch entfernte, am Fuße eines sanften Hügels so schön gelegene Dorf hieße, und welches Gebäude das sei, dessen stolzes Dach über alle andern Gebäude des Dorfes sich erhebe 7 — „Das ist Pflaumloch, das Gebäude ist die neue Synagoge," antworteten mir diese Leute mit sichtlichem Wohlgefallen, waS mich vermurhen ließ, daß sie selbst aus Pflaumloch seien. — Nachdem ich ihnen gedankt hatte bat ich um Entschuldigung, sie in ihrem Gespräche unterbrochen zu haben, und forderte sie auf. den Faden wieder aufzufassen, damit durch dafür nnd dawider der über allen Zweifel erhabene Sinn der, wie es schemr, dunklen Stelle, des oft räthselhaften '-rw pH erörtert werde, und cs einer AulvritätSentscheidung nicht bedürfe. — „Ach,^ sagte der etwas ältere der jungen Leute, „unser Streit dauert schon seit mehreren Stunden, ohne daß es mir gelingen will, meinen Freund zu veranlassen, zu einer einfachen Erklärung seine Ein« willtgung zu geben, weil sein unerschöpflicher Scharfsinn, überall nur diesem die Entscheidung Heimsteven will." - Der Jüngere, ein lebhafter, scharfsinniger Geist, dem aber das kalte, ruhige Zerlegen eines SazeS nach allen seinen Destandtheilen nicht zusagte, begann die Conversakion vom Neuen, der Andere verschanzte sich hinter einer gesunden Logik; und die Sache blieb auch jetzt unentschieden. Durch einige hingeworfene Bemerkungen von meiner Seite erfuhren die Leute, daß ich auch so ein Stück rabbiinscher Literat sei, nnd wollten mich mit in den Streit ziehen, was ich aber darum ablehnte, weil mir der Scharfsinn des Einen, und die sichere Logik deS Andern abgehr. — Indessen freuete eS mich aufrichtig, gleich beim Eintritt in das Königreich Würtemderg, solch eine Conversarion angehört zu haben. Zn Pst ,umloch angekommen, sah ich, daß so schön das Dorf auch aus der Ferne sich batstellr, es in Wirklichkeit doch noch schöner ist. Es wohnen hier zwtschen 60 — 70 wohlhabende sehr gebildete Familien. Herr Lehrer Löwenstem. ein Mann von allgemeiner Bildung, vorzüglicher Talmudist, und von edelm Karakrer, wirkt in der Schule zum Segen und influirr vortheilhaft auf die Gemeinde. Eine andere merkwürdige Persönlichkeit lernte »ch hier kennen, eS ist die des rüstigen und heitern Greises, Rabbi Ensle Mvsesstcin. Er harre in seiner frühen Jugend die Schule zu Fürth besucht; »pärer und bis vor etwa zwanzig Zähren Handel zerrieben, seitdem aber bloß dem heiligen Studium sich gewidmet. Er «st solch ein ausqezeichnerer pvö, daß er, «n / «rmctrr seiner ralmudiick.a jetzigen Zahrhilnderrs zur Seile gestellt werden kan». Dabei ist '/?-),?>, denn es ist so zu sagen P7-: h) ''M2. Er genießt aber auch von allen Einwvhnern des Octeö und der Umgegend einer wahrhaft parrea?- chalischen Verehrung, und man hört den Namen „Rabbi EnSle Pflaumloch," nie anders als mir dem Ausdruck: oder einer ander» ähnlichen Beifügung, aussprechen. Diese Hochachtung einem unabhängig in keinerlei amtlichen Verhältnissen lebendem Manne gegenüber, gereicht sicherlich beiden Tbeilen zu gleicher, hohen Ehre. Die hiesigen wohlhabenden Familien, Ellinger, Friedmann, Lebrecht, Pflaum und Nördlmgen, zählen nicht nur ordnungsmäßig, gebildete Kanfieure, Aerzre und Rechrsgelehrren, sondern auch tüchtige Talmndisien nnd gründliche Kenner der hebräischen Sprache in ihrer M.rre. Die Juden in Pfianmloch waren eS auch, die im Zahre 1796 einen Haufen Marodeurs, die auf eigene Faust hin das Dorf brandschatzen wollten, aus demselben vertrieben. (M. s. v. Pahl's schwäb. Ehronik.) Gleich oberhalb Pflaumloch endet die kreisförmige Ebene deS RieseS und verengt sich zu einem schmalen, anmurhigen Thal, an dessen rechten Seile die Srraße sich hinziehk.