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Der treue Zionswächter · 1847-04-06 · 14 (6.4.1847) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
14 (6.4.1847)
Date
1847-04-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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leugnen rst, daß auch manche dieser Nelkgionsfeinde nicht unbedeutende Aggregate philosophischer Wissenschaft sich aneignet* **)), und dadurch in dem unbegrenzten Gebiete der Vernunft, worin sich jeder nach individuellem Begehr bewegen kann, so weit verirrt haben, daß sie den Weg zur Religion nicht mehr finden, ja auch nicht mehr suchen, weil sie endlich die Wildniß für ihre Wohnung, den Wahn für Wahrheit, ihre Ansicht für Religion und ihre Wollust für Seligkeit halten und ausgeben. Wer dann der wahren Religion huldigt, gilt als Thor in ihren Augen, und der Tugendhafte als Schwächling.»*) Beim Mangel an eifrigen Religionsstudien c"c4 kann die moderne Philosophie ebensowenig als bei den Griechen des Alrerrhume, denen die Offenbarung nicht zugänglich und in keiner Weise bekannt war, zur rich» rigen Erkennkniß. zum Göttlichen und Heiligen sich erschwingen. Das aber wäre irriger Wahn, wenn man religiöse Wissenschaft und Denkweise mit philosophischer C pecularion und allgemeiner Weltweisheic unvereinbar glaubt; denn je tiefer das Eindringen in das Wesen und die Geheimnisse der Narur, je näher zur Wahrheit die Forschung führt, desto mehr bestärkt sie die religiöse peberzeugung, daher sollte man unter denlenigen Candidaten, weiche sich in religiöser Gesinnungs- und rabbinisch wissenschaftlicher Tüchtigkeit auszeichnen,. dem den Vorzug einräumcn, welcher zugleich auch in andern Docrrinen der vortrefflichste ist. Ebenso mag man be« der Anstellung eines Nabbinen auch die körperlichen (mens Sana m corpore ssno) technischen und allgemein scientivischen Vorzüge einer besonderen Berücksichtigung werrh achsen; man mag auf die äußere würdevolle Haltung, auf ein einnehmendes gutes Organ, auf glückliche Anlagen des Verstandes und Gedächtnisses, auf eine schnelle Faffungs- und UrtheiiSkraft und eine lebensvolle Phantasie Bedacht nehmen, man mag gründliche und umfassende Kenntnisse in der Totalbildung, Menschen- und Weltkenntnis einen Würde mit Anmurh, Ernst mit Freundlichkeit verbindenden Charakter, eine sichere Gewandtheit in der rhe¬ *) An einem entarteten Gelehrten findet der alte Spruch passende Anwendung: corruxtio opttmi pensimL. **) Der Kaiser Caligula erklärte auf die bittliche Vorstellung des Alcrandriners Philo auf ähnliche Weise, daß die Juden, indem sie ihn als Gott, wofür er gehalten sein wollte, nicht anerkennen, eher darum als ungläubig zu nennen wären. torischen, catechetkschen und epegesischen Kunst, eine vortheilhafte und allseitig erregende Gabe zum Lehren, Ueberzeugen, Rühren und Bewegen vom Rabbinen fordern, — aber welchen Werrh hätten all diese Fähigkeiten ohne ein frommes Gefühl, Herz und Gemürb, ohne den festesten Glauben an den Ewigen, an seine unendliche Macht, an die Göttlichkeit der heiligen Offenbarung, an die Unverletzlichkeit aller ihrer Bestimmungen, an die Wahrheit aller prophetischen Verheißungen, an die Verantwortlichkeit des Menschen über all sein Thun und an die göttliche Vergeltung in diesem und dem künftigen Leben? Was nützen alle dessen Bestrebungen ohne den ernsten, über alle irdischen Interessen sich erschwingenden, frommen Eifer für die heil. Religion und ihre Verbreitung zur strengsten Beachr rung aller schriftlich und traditionell aus ihr fließenden Lehren und Pflichten und in der innigsten Angelegenheit für die Auftechkhaltung derselben in Wort und That bei dem Volke? Was will, was kann der Rabbiner mir aller profanen Wissenschaftlichkeit für die Religion und Nation Förderliches wirken, wenn ihm gründliche Gelehrsamkeit und sichere Gewandtheit in den hei!. Schriften der 021cm v'pOv mit ihren Commcntaren mangelt, wenn er nicht versteht, durchgängig den einfachen vcv, den norhwendigen Zusammenhang, die richtige Folgerung, die der rrkc entsprechende Stelle, den gehörigen Vergleichungspunct den Beweis :c. aus dem Talmud zu finden, die ow'c in den wo Lsi-w» 4c herzuleiten, anzuwenden und endlich aus allen die einzig richtige Entscheidung hervorgehen zu lassen?*) Offenbar müssen demgemäß ungeheuchelre strenge Neligiösirär und ausgcbreitete talmudische Kenntnisse in der Wahl des Nabbinen die bestimmenden Momente und Motive sein. Wer diese im höchsten Maaße besitze dem gebührt unrer der Zahl der Candidaten. welche stubirr oder nicht studirr haben, auszeichnende Anerkennung und volles Vertrauen. Dieser vor Allen ist würdig, baß ihn die Gemeinde entweder von einem unbedeutenden zu einem beträchtlicheren Wilkungskreise, wo er durch Worr und Beispiel Größeres zu leisten vermag, selbst aus fremdem Lande berufe, oder daß sie ihn aus dem stillen Privatleben, wohin er sich in frommer Scheu vor dem Joche schwerer Verantwortlichkeit und aus Liebe zu dem hochverdienstlichen?w4n

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