Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 3 (19.1.1847)
- Date
- 1847-01-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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blutendem Herzen sehen wir gerade das Entgegengesetzte. Diese herrliche Synagoge steht ganz verödet und verwaist da. Von 1800 hier befindlichen israel. Seelen besuchen sie kaum 200, und selbst diese geringe Zahl besteht größtentheils aus Handwerkern und hier anwesenden Fremden; in Wochentagen kann nur mit Mühe zusammengebrachr werden. Aber weder Irreligiöfität noch Leichtsinn ist es, der sieben Achtel Theil der Gemeinde davon fern hält, ein bloßer Gewaltstreich ist es, der hier ausgeführt, den größten Theil der Gemeinde zur Waffe anspornte. Eine Minorität von 24 gegen eine Majorität von 500 hat den Religionsverwerfer aus Gr. Kanisa, Herrn Löv als Rabbiner hieher berufen, und als solchen faktisch angestellt. Wahrlich, ein unerhörtes Unternehmen. Wir sind treue Anhänger unsers hochherzigen, erhabenen und milden Herrscherhauses, wir sind beständige und redliche Anhänger unsers geliebten Vaterlandes, für dessen Sitten und Sprache, wir verehren seine hochherzigen Vertreter, die uns so viel Milde und Gerechtigkeit angedeihen lassen, wir schonen keine Kosten für die Erziehung unserer Jugend, wir treiben Handwerke, insoweit es nur die Landesgefetze gestatten, wir sind betriebsame Beförderer des Fabrikwesenö. der Künste und Wissenschaften, und kann man uns deshalb Ln keinen Anklagestand versetzen; aber daß wir einen Lehrer rnit schwachen rabbinischen Kenntnissen und ohne unsere Mitstimmung hieher berufen, als unfern Rabbinen anerkennen sollen, das kann und wird uns Jeder übel deuten. Diese heilige Stätte darf Löv nicht betreten , das hieße unsere Religion entweiht und verspottet. Wir benöthigen eines Mannes von tüch» tiger und gründlicher Gelehrsamkeit, den wir aber in Herrn Löv nicht erkennen. Seine hebr. Vorträge sind inhaltslos, ohne Grund und Boden, und gehen vft ins Lächerliche über, seine deutschen Vorträge sind in der Mehrzahl Predigten - Sammlungen entnommen, nur werden jedesmal einige abgeschmackte, mit dem Wesen des Vortragenden nicht übereinstimmenden Ermahnungen eingeschoben, welche nur das Interesse seiner eigenen Person, nicht aber das der Gemeinde erzielen. Während seiner sechsmonatlichen Amtsführung haben wir nur die Einweihungsrede in ungarischer Sprache gehört, während ihm doch abwechselnd deutsche und ungarische Vorträge monatlich in der Synagoge zu halten, zur Pflicht gemacht worden ist; aber selbst diese einzige ungarische Rede, (mit der sich Herr Löv so zu brüsten scheint) soll von seinem lange schon ihm unentbehrlich gewordenen Subjekte, Herr M. B., vom Deutschen übertragen und ftylisirt worden sein. Auch bei Gelegenheit seines Einzuges in Papa soll er einige ungarische Worte gesprochen haben, die aber dem Sinne der Begrüßungsrede zweier würdigen Ansprecher nicht im Mindesten nahe gekommen sein sollen. Was die Persönlichkeit des Herrn L. betrifft, werden wir nichts anderes als die Wahrheit berichten. Ein Mähre von Geburt, ist er hartherzig gegen Arme und Verlassene, schonungslos gegen Jeden, der ihm nicht hold ist, ein Egoist im wahren Sinne des Wortes. Sein steter Wunsch ist, daß Alles nur ihm allein huldige, Jeden, der dies nicht augenscheinlich befolgt, betrachtet er als seinen ärgsten Feind. Alle Heirathen sollen durch ihn zu Stande gebracht, alle innere Angelegenheiten der Familien, in die er sich ungerufen mit einer staunenswerthen Dreistigkeit einmengt, will er durch sich geschlichtet und gehandhabt wissen, um sich wo möglich bei diesen der Abhängigkeit, bei jenen der Verbindlichkeit gesichert zu sehen. Am meisten aber müssen wir seine grenzenlose Ostentationssucht hervorheben, die stets nur auf seinen zu erwerbenden Ruhm gegründet ist. (Beschluß folgt.) Briefwechsel. z .i Den ferneren Verlauf erbitte; doch stets gemäßigt- — 2e- Hätten Sie es mit Ihrem Namen Vertreten wollen! —; was der Einzelne nicht will, dazu kann sich auch eine Redaction nicht verstehen. — in W- Der B. Bericht und St. — i'-v denken Sie daran, daß auch wir nicht eigenmächtig handeln, und einen weitern Standpunkt einnehmen müssen. Itriäern Einverstanden bis auf nächstens und persönlich. Befolgen Sie S's Rath, doch es ist gänzlich unmöglich. — I. Min E- Diesmal war es in der Ordnung; also nächstens, und bald Ferneres. Verlag: Herol d'schc Buchhandlung in Hamburg. Druck: Gebrüder Bonn in Altona.