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Der treue Zionswächter · 1846-07-21 · 29 (21.7.1846) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
29 (21.7.1846)
Date
1846-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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des Wissens gelangen, wenn die, die es in dieselben einführen, die die leibhaften Repräsentanten desselben seien Men, selbst jeneS Wjssens bgar, nicht im Stande sind dem Hungrigen Nahrung, dem Durstigen Labung zu spenden? Wir klagen über Theilnahmlosigkeit, ja Feindseligkeit des Volkes gegen religiöse Verhältnisse überhaupt, bedenken aber nicht, daß hier abermals die Häupter, die Ersten des Volkes den gtoßtest Theil der Schuld in und durch sich selbst tragen. Bei ihnen entstand aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit; Gleichgültigkeit ging bald in offenen Haß und in Feindseligkeit über, und wir wollten noch die solcher Schuld zeihen, die für dieselben durchaus unzurechnungsfähig sind? Täuschen wir uns nicht: All unser Streben, alle unsere Bemühungen zur Weckung eines ernsten, religiösen Geistes, inmitten des Volkes werden so lange vergeblich sein, bis es unS gelungen, jenen Geist zuvörderst unter den Volkslchrern rege zu machen; das Volk kann nicht früher zum Talmud zurückkehren, bis es seine Rabbiner und Lehrer zu demselben zurückgekehrt sieht Dahin müßte fürs Erste aller Sinn gerichtet, darauf alle vorhandenen Mittel verwandt werden, um einen größeren Grad von talmudischem Wissen bei unser» Lehrern und Rabbinern hervorzurufen. Wie aber dies beginnen? Denn allerdings läßt es sich nicnr .verkennen, daß bei den bestehenden Verhältnissen der Jetztzeit, bei den mannigfachen Anforderungen, die überall vornehmlich an die Rabbiner gemacht werden, es diesen fast unmöglich geworden, denselben Auf- * wand an Kraft und Zeit dem jüdisch-religiösen Studium zu widmen, als es früher der Fall war, als Las wahre Interesse der Religion eS, abgesehen von dem positiven Religions-Gebote, noch heute erheischte. Wer kennet nicht die Unzahl unserer heutigen Rabdinen, wie sie Philosophen, Philologen, ^Archäologen, Pädagogen, Humanisten, Dichter,^ Schriftsteller, Ucbersetzer, Redner, Prediger, kurz Alles eher. Alles mehr sind, als eben jüdische Theologen, talmudische Rabbiner! Was man aber nicht ist, nicht sein kann, will man auch nicht sein;—das die wahre Erklärung Aller unserer bedauerlichen Zeitumstände. Dem muß, wollen wir ernstlich die uns überkommene Gottes-Religion erhalten, sie erhalten nicht im Sinne irgend einer modernen Fortschritts-Partei, sondern erhalten, wie etwas durchaus Göttliches erhalten werden muß, entschieden abgeholfen werden. Unsere Rabbinen mögen nach wie vor mit Hülfswissenschaften ausgerüstet sein, wie -sie die allgemeine Stellung eines heutigen Geistlichen durchaus erheischt, unsere Rabbinen mögen in so fern das dem Beamten nothwendige Wissen innc haben, als ihre Stellung zu den Behörden und der Regierung solches erfordert, aber vor Allen müssen sie Rabbinen, jüdische Theologen, Talmndisten sein. Ja wir sind es überzeugt, und hegen die feste Zuversicht, daß nicht nur im Interesse der Religion, sondern auch im Interesse der Gemeinden selbst wie des Staatrs, wahrhaft talmudisch gebildete Rabbinen als einziger und wahrer Rettungsanker in dieser wildbcwcgten, stürmischen Zeit anzusehen sind. Nielwisserei, vorzüglich oberflächliche, mit Schein und Eigendünkel gepaarte, sind die Quelle unsäglichen Zerwürfnisses und Haders im Privatwie im öffentlichen Leben, mit hiweggenommener Ursache wird die Folge von selbst fallen. Ist aber einmal der herrschenden Unwissenheit in diesen Kreisen gesteuert, dann darf man auch fest darauf rechnen, daß bald die wahre Kcnntniß und mit ihr Gottesfurcht und Gottesverehrung mit labender Kühle alle Herzen erquicken, und erfreuen, daß das Volk gerne in die Fußtapfcn seiner Lehrer und Führer trete», zu ihnen emporschaucn, ihnen nachwandeln, mit ihnen leben, glauben und fühlen wird. Die Orthodoxie hat es von jeher, getreu dem Gebote "12undzu ihrem Grundsätze gemacht, weniger durch viele und schöne weithin schallende Worte, als vielmehr durch ruhige aber ernste und männliche That zu wirken. So auch in diesem Falle. Während Andere sich versammelten, oder versammeln wollen, wahrend Aufrufe erlassen, Phrasen geschmiedet, große Vereinigungen auf dem Papiere angekündigt werden, hat die Orthodoxie geräuschlos gehandelt. Und somit sind wir denn im Stande anbei unfern verehrten gläubigen Mitbrüdern Hen frommen, treuen Gemeinden Israels, folgendes Statut eines neu zu begründenden Nabb. Seminars, im Interesse der Orthodxie vorzulegen, einer Anstalt, die vor Allem dahin wirken soll, talmudische Rabbinen, die allerdings auch zeitgemäße Prediger, geistliche Beamten sein sollen, hcranzubildcn. Es bedarf wol kaum der Erwähnung, daß hier nur zuvörderst die allgemeinsten Grnndzüge jenes Statuts gegeben werden können, dessen äußere.

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