Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 24 (16.6.1846)
- Date
- 1846-06-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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schon manches genommen hat, sein Augenmerk darauf richten, wie so er dies vermochte, was ihm seine Vortheile ermöglichte, wodurch er dies und jenes schon erreichte, dann aber muß man dieses ihm zu entreißen suchen, muß ihm die Mittel, die ihm bis jetzt zu Statten gekommen, nehmen, und so sein ferneres Vordringen zu hindern suchen. Nun ist es aber unbezweifelt, daß den jüdisch-deutschen Reformatoren nichts so vielen Vorschub leistete, sie durch nichts so leichtes Spiel bei ihrem Unternehmen hatten, als durch den religiösen Jndifferentismus. Bei Juden, die von ihrem Glauben durchdrungen sind, für ihn Interesse und Gefühl haben, werden die eifrigsten und gewandtesten Neuerer, bei all ihren Bemühungen nur Wasser mit dem Siebe schöpfen. Dem der Glaube tief im Herzen wurzelt, der in ihm sein Heil, seine Seligkeit findet, wird diese seine Seligkeit, sein beglückendes Gottvertrauen, seine heiligen Hoffnungen nicht so leichten Kaufes für sinn- und geistlose, falsch schimmernde Phantasmen hingeben, wird sich seinen Gott, seine Lehre, seine Vergangenheit und Zukunft nicht durch epicuräische Sophismen wegvernünfteln lassen. Wer aber seinen angcbornen Glauben nur wie ein altes aus Gewohnheit liebgewonnenes Kleid trägt, ohne für ihn auch warmes Interesse zu empfinden, wer ihn höchstens mit Mund und Lippe, nicht aber mit Herz und innigem Gefühle bekennt, die Religion mit all ihren wohlthuenden und beseligenden Einflüssen demnach an ihm spurlos vorüberging, und sein Inneres leer und öde ließ, dieser ist eine leichte Prise für unsere Aufklärungshelden mit ihrem philosopbischcn Unglauben, da sie ihm für gar nichts, doch Etwas, wenn auch ganz Wesenloses bieten; er erhält doch ein schönes Spielwerk an dem sich lein Aug' und Ohr, wenn gleich nicht sein Herz weidet, es sagt ihm zu, sich in seinem liebgcwonnencm alten Kleide doch bequem und ungenirt nach Herzenslust bewegen zu können. Wol gab diesem der aufgeklärte Schneider, statt des altmodischen, knappen, durchaus genirenden, einest der jüngsten Mode entsprechenden Zuschnitt, auch wol gar neuen Unter- und Ueberzug; beweist ihm aber auf echt wissenschaftlichem Wege, daß es den-, noch das Alte sei, das sich zu dieser Metamorphose fortgebildet hat, er, der doch früher auch nur ein Wort ohne, Inhalt besaß, findet sich dadurch angezogen, daß er in seinem altneuerem Nocke gleich jedem Stutzer ostensiren kann Solche Subjccte fanden unsere Schöngeister nur zu viel vor, bei denen das Proselytenmachen ihnen wenig Mühe kostete. Wenn wir nun auch durch das Ausscheiden solcher Glieder wenig verlieren, gewinnen doch unsere Gegner durch deren Anwerbung, und zudem, wenn auch ein schon Neformirter schwerlich mehr auf rechter Bahn zu bringen ist, so ist es doch ein Leichteres, den nur noch Indifferenten Interesse für seinen Glauben, für's wahre Judenthum einzuflößen. Und dies scheint uns heilige Pflicht jedes Befähigten nach Kräften seinen Bruder im Glauben ru stärken, Sinn und Gefühl für ihn zu wecken. Am meisten ist aber dieses Obliegenheit der orthod- Nabb. Sie sollen ihre Gemeinden fleißig durch das Wort Gottes erbauen, auf ihre Gemüther einzuwirken suchen, die, nach Empfänglichkeit ihres jedesmaligem Auditoriums zu bestimmende geeigendste Einkleidung und äußere Anordnung ihres Vortrages wählen, wodurch dieser fleißig besucht, aufmerksam zugehört und tief beherzigt werden wird. Lernen wir von unseren Vorgängern den alten und die Einen begleiteten ihre moralischen Vorträge mit Esopischen die Andern mit Aristotelischen , noch Andere mit einem künstlichen Gewebe. Ihnen allen war es nicht um VL'Q zu thun, sondern um den inhaltenden moralischen Kern, richteten sich aber immer nach dem Geschmacke ihrer Zuhörer und mit dem, wofür sie diese am empfänglichsten wußten überzuckerten sie ihre Seelenarzneien um den Gaumen zu kizeln, und mit dem Angenehmen auch das Nützliche in deren Herz zu pflanzen. So wollen auch wir verfahren; so wie es Unsinn wäre, einem Franzosen eine ungarische oder einem Ungarn eine französische Predigt zu halten, so ist es auch ganz zweckwidrig einem, aus lauter Individuen der geringen Volksklasse, die kein recht deutsches Wort verstehen, bestehenden Auditorium, eine hochtrabende, mit unzähligen Kunstwörtern und hohen Phrasen durchflickte deutsche Predigt, wie auch umgekehrt einem hochgebildeten vom deutschen Elemente durchtränkten Auditorium einen Vortrag im niedrigsten verdorbensten Jargon zu