Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 19 (12.5.1846)
- Date
- 1846-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 d erforderlich, so spricht ja das Judcnrhum lieblos allen Mitmenschen, welchen diese Pflichten nicht zur Obliegenheit geworden, den geistigen Werth ab, und schließt sie von der höhern Beseligung aus? Nicht doch! Keine Religion erkennt mehr den Menschenwerth im Andersgläubigen an als die israelitische. Jeden Erdbewohner, welcher nicht im Iudenrhume geboren, wenn er nur vom Götzendienste sich fern hält, und die moralischen Pflichten als göttlich geoffenbarte beobachtet, erkennt das Iudenthum der höhern Seligkeit theilhaftig. Nur von seinen eignen Söhnen und Töchtern fordert es die Erfüllung seiner sämmtlichen Verpflichtungen als unerläßlich, weil Israel dem Herrn ein „Priesterreich" sein soll- Hat ja auch der bürgerliche Staat verschiedene Stäyde, die, so verschiedenartig ihre Thätigkeiten auch sind, doch sämmtlich am Wohle des Staates bauen und ihn befestigen. Wie abweichend von einander sind nicht, um nur die drei Hauptstände zu nennen, die Aufgaben und Lebenseinrichtungen des Lehr-, Nähr- und Wehrstandes, und doch haben alle nur ein Ziel im Auge — das Gedeihen des Staates, dem sie dienen. Wie sollte eS daher befremden, daß auch die Begründung des großen Weitstaals, als dessen Oberhaupt der Schöpfer des Alls regiert, die Abtheilung verschiedener Stände mit ihren zu entwickelnden Thätigkeiten als nothwendig erheische? Wenn den Völkern der Erde die Ausbildung der Künste und Wissenschaften, die Veredlung der Natur und ihres Gebiets, und noch viele andere wichtige Beschäftigungen zu Hauptlebensaufgaben geworden, so ward es Israels Bestimmung, de» Priesterstand im großen Weltstaate zu bilden Unter Posaunenschall und Donnerstimmen ward es am Sinai zum Fahnenträger der Gotterkenntniß durch die Weltgeschichte geweiht. Dieser wichtige Beruf mußte aber nicht durch Lehre nur, sondern auch durch ein geweihtes, enthaltsames Leben bethätigt werden, so wie im Gottesstaate die eigentlichen Priester noch heiligendere Pflichten, als das übrige Israel, hatte; und so wie auch im bürgerlichen Staate der Priestcrstand über seine Lebenstbätigkeit eine höhere Weihe ausgießen, und sich zur Wahrung seines Ansehens zuweilen Genüsse versagen muß, welche für die übrigen Klassen der Gesellschaft nichts Entwürdigendes haben. Erfordert es nun auch die Pflicht der Erhaltung, so wie die der Dankbarkeit gegen den beschützenden bürgerlichen Staat, daß der Jsraelite mit in die Thätigkeiten eingrelfe , welche für dessen Gedeihen und Blüthe entfaltet werden, so darf er darüber doch nie seine Hauptlebensaufgabe aus dem Auge verlierendarf nie vergessen, daß er mehr, als die übrigen Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, berufen sei, die Erkenntniß des einzigen Gottes und seiner Vollkommenheiten durch Wort und' That, durch Lehre und Leben zu verbreiten. Diese hohe Aufgabe aber, und das Ziel ihrer Lösung, soll Israel im Bilde des Mondes und seiner Veränderungen erkennen. Ihm ähnlich , welcher zur Zeit seiner Erneuung, wo er zu leuchten beginnt, zwischen Sonne und Erde steht, seine erleuchtete Fläche der Sonne zugewendet, während Finsterniß die Erde deckt, so hatte 'Israel zu leuchten begonnen am Sinai, vollglänzend dem Herrn gegenüberstehend, als noch das Dunkel des Heidenthums die Völker umnachtet. Dem Monde ähnlich, welcher von der Sonnennähe aus seine Wanderung durch den Himmelsraum beginnt, immer mehr seine erleuchtete Fläche der Erde zukehrt, und dunkle Gegenden aus ihren nächtlichen Schatten hebt, so hatte auch Israel vom Sinai aus seine Völker erleuchtende Wanderung durch die Weltgeschichte begonnen, immer weiter die Gotterkenntniß tragend, immer mehr durch die empfangene Offenbarüngslehre die Finfterniß des Heidenthums verscheuchend, bis einst die Gotteslehre leuchtet von Pol zu Pol, wie der Vollmond über der Erde strahlt vom Abend bis zum Morgen. Dann aber ist auch Israels große Sendung vollführt, und der nächtliche Mond geht im rosenfarbenen Morgen unter. Des Herrn Majestät steigt dann als große Sonne der Welten auf; alle Erdbewohner erkennen die unendliche Quelle ihres Heils, erkennen den einig Einzigen, wie Israel ihn am Sinai zuerst erschauet, und alle Erdenqnaal versinkt iitt Äeere seliger Wonne. Wie viel noch bis dahin Monde wechseln, wie oft noch bis dahin der Mond das Aethermeer durchschwimmt, ist dem Allwissenden allein bekannt. So wenig aber die Natur ihren Schöpfer verleugnet, so wenig auch werden des Allmächtigen . Verheißungen für daS Heil seiner Erdenkinder unerfüllt verklingen. So wöge denn immerhin Israel seine Zeit nach dem Monde regeln, in dessen Bild Anregung