Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 18 (5.5.1846)
- Date
- 1846-05-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2625941-2626092-2626111--0432-2627958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dieser Methode befreundete Lehrer sicherlich meine Erfahrung kheilen, daß cm Kind von mittelmäßigen Anlagen nach zurückgelegrem fünften bis sechsten Schuljahre eine ziemliche Bibelbekanntschaft, eine seinem Alrer entsprechende hebr. Sprachkennrniß, schöne Religionsgrundsätze, ja sogar eine solche Vorbereitung auf das Talmudsiudium erlangt haben wird^, daß es in den ersten Monaten seiner dann beginnenden talmudischen Laufbahn — wenn eS auch auf dieser mir Umsicht geleitet wird — größere Fortschritte macht und den Talmud begriffsmäßiger auffaßr, als ein anderes, nicht so vorbereitetes Kind nach Zähren langer Quälerei. Dieses ist nun, nach meinem Dafürhalten, das einzige Mittel, der in unserm Volke so sehr zunehmenden Unwissenheit in Neligionssachen zu steuern; dies, meines Dedünkens, die einzige Art, wie der Talmudkenntniß eine sichere Basis gegeben, und sowohl einer falschen theologischen Gelehrsamkeit, als vorzüglich auch dem blinden Nachäffen reformistischer Bewegungen begegnet werden kann. Will man nun nach dem Zeitgeschmäcke der Jugend auch noch einen Unterricht in systematisch zusammengestellten Religionsgrundsätzen errheilen — der freilich ein anderer sein müßte, als der jetzt meistens cingeinhrre — so wird er nichts als eine Rekapitulation des bereits Erlernten sein und mir Leichtigkeit cmgcüdt werden können, ohne die edle, auf ^"551 und könnte man sich endlich allenfalls noch gefallen lassen, das an und für sich durchaus unjüdische Schauspiel einer Religions-Prüfung auf Verlangen auch bei uns aufzufühlen. Ein gottesdienstlicher (kirchlicher) Akt kann sie bei Israeliten nie werden. Das israelitische Kind wird als solches geboren, erlangt mit den Zähren (der Knabe mir dem zurückgelegren dreizehnten, das Mädchen mit dem zwölften Lebensjahre) die religiöse Mündigkeit stillschweigend; weder ein Bekenntnis', noch ein Gelöbniß ist daher statthaft. Das Auskramen der Pflichten kann ebenfalls nicht Zweck dieser Handlung sein, wenn der jüdische Maßstab angelegt werden soll, wonach, dem Grundsätze gemäß .ivft '122 '.">»1 entweder aller praktisch geltenden jüdischen Pflichten Erwähnung geschehen müßte, oder gar keiner Als tzorresdienstlichev Akt müßte er aury bei Knaben an keinem andern Tage, als an dem der 122 1?, und bei Mädchen nur an dem auf das zwölfte Lebensjahr folgenden vorgenommen werden. Geltung kann derselbe somit nur als Schulakt erlangen und nur insofern, als das nun zu entlassende Schulkind eine öffentliche und feierliche Prüfung über das in der Schule Erlernte. was sich natürlich nur auf eine Rekapitulation der aus der Bibel geschöpften Grundsätze und Prinzipien der Religion beschränken kann, ablegk. So viel für jetzt in Bezug auf jede einzelne jüdische Schule. Noch bleibt aber die Erörterung der Frage übrig: wie kann ernstes Bibel- und Talmudstudium allgemein verbreitet werden? Hiervon, so Gott will, ein anderes Mal. Schilderung -es berühmten Ober rabb. S. W. Schreiber zu Preßburg. (Fortsetzung.) Sein ganzes Leben ist in regelmäßige Perioden, welche seinen Studien den richtigen Lauf bestimmen, eingerheilr. Nur sind diese Perioden nicht bloß auf Stunden, sondern auch auf Tage und Wochen hinausberechnet, welche unaufhaltsam, wie die innen, Näder eines Uhrwerks, immer forrrollen. Zeder Tag wird mir einer andern, ihm zugeeigneren Arbeit ausgefüllr, sowie auch fromme Thacni und Tugenden ihn krönen müssen. Zm Anfang der Woche z. D. befaßt sich der Rabbi mir den Trakraren seiner in der Schiersiube zu haltenden Vorlesungen; die lehren Tage der Woche beschäftigen ihn wieder mir verschiedenrlicven Korrespondenzen tl^'Vlll auch werden die eigenen erfundenen Zdeen der Wochenvorlesungen, das ^I2'">n nämlich, ausgezeichnet, und keine Arbeit braucht die andere zu verdrängen. Heute wird Das, morgen wieder was Anderes gelernt; heute denkt der hochw. Rabbi über seine Talmud-Studien nach, morgen wirft er seine Argusblicke wieder auf religiöse, ihm von allen Seiten zukommende Nachrichten hin, rechtfertigt Dies, widerlegt Jenes, räumt da Lasterhaftes aus dem Wege, zieht dort andererseits die Tugend ans Licht, je nachdem die durchdringende Weisheit dieses excellen-