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Der treue Zionswächter · 1846-04-28 · 17 (28.4.1846) · page 12

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
17 (28.4.1846)
Date
1846-04-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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E 148 derselben nach wie vor ihre hohe Geneigtheit ange- Leiben läßt. Da es mir hier ebensowenig um die Veröffentlichung charakterloser Insinuationenals um Aufzählung einzelner beifälliger Urtheile der höhern Behörden zu thun ist, sondern ich Ihnen bloß ein Bild einer jüdischen Anstalt entwerfen will, die dem Ideale sich wenigstens so viel als möglich nähert, so will ich Ihnen bloß als unum pro rmitt!8 noch eine Beschreibung der Feier, welche in derselben am Listen März und 4ten Avril stattfand, mittheilen. Mit diesem Semester nämlich hat unsere Schule das 50ste Jahr ihres Bestehens beendet, und da dieselbe, wie oben gezeigt, Grund hat, nüt ihren Leistungen zufrieden zu sein, so wurde von dm Herren Administratoren und Lehrern einstimmig beschlossen, diesen wichtigen Moment in ihrer Geschichte durch eine zwar prunklose, aber desto würdigere Feier zu firiren. Da nun eine Schule keine ehrenvollere Feier, als eine öffentliche Prüfung begehen kann, so wurde eine solche, wie sie schon seit vielen Jahren periodisch abgehalten wird, der Feierlichkeit zu Grunde gelegt. Das Examen theilte sich ganz wie in früherer Weise in eine Prüfung in den jüdischen Wissenschaften, wozu der Nachmittag des Listen März (2—5) bestimmt war, undineine gleiche für die übrigen Unterrichtsgegcnftände, die am Iten April, Morgens 8—12 und Nachmittags 2—6 statthatten. Was die erstere betrifft, so wurde in allen Lehrgegenständen vom Buchstabiren bis zum gereiften Talmudstudium einzeln geprüft. Es beehrten diese Prüfung mit ihrem Besuche der Herr Rabb.- Assessor Mathias Levian, die übrigen Herren Administratoren und sonstige Gemeindemitglieder, denen es nicht gleichgültig ist, ob? und wie? unsere Zöglinge mit unser n Wissenschaften bekannt gemacht würden, und währte dasselbe länger, als im Programme angezeigt war, weil Jeder mit großem Vergnügen bei den Leistungen der einzelnen Schülerklassen länger verweilte, als es eigentlich die Occonomie der Zeit erlaubte. Die Anwesenden, denen sämmtlich ein Urtheil in diesen Fachern zuzugestehn ist, äußerten sich sehr günstig über die Leistungen der Schüler, und es gereichte einem jeden zur großen Freude - mit welchem Wetteifer hier diese Gegenstände betrieben wurden, deren Erlernung in den gewöhnlichen ZeitgeLstsschulen' für problematisch. wenn nicht gar für unsinnig gehalten wird. Ganz besonders bewährte ssch ein rühmlicher Eifer indem Talmudstudium, zu welchem zugezogen zu werden in hiesiger Schule nach der Versicherung des Herrn Oberlehrers Jeder zur großen Ehre schätzt. Wegen dieser Verspätung konnte das im Programme aNgekündigte Eramen in hebräischer Grammatik und P1L2 an diesem Tage nichl abgehalten werden. , Ermüdet von den vielen Vorbereitungen zur Prüfung und von der Abhaltung derselben (es handelte sich hier nicht um ein verabredetes Frage- und Antwortspiel, sondern um ein lebendiges Eindringen in die behandelte Talmudstelle, wozu Fragen und Erklärungen aus ganz andern Stellen zu Erläuterungen herbeigezogen wurden) wollte der Herr Oberlehrer sich eben der Ruhe und der Erholung zum folgenden Tage überlassen, als er Abends 9 Uhr durch einen Männerchor der vom Schullokale, seiner Wohnung gegenüber, her erschallte, überrascht wurde. Ungewiß, ob dieses der Feier des Tages gelte, trat er in ihre Mitte,« und siehe, der Herr Direktor des hiesigen Seminars- Herr Or. Steinberg, der unsrer Anstalt ganz vorzüglich gewogen ist, hatte mir 25 Seminaristen dies Zeichen seiner Anerkennung gewählt. Wie hoch eine solche zu schätzen ist. weiß ein Jeder, der mit den Ausschließungssystemen so vieler christlicher Anstalten einigermaßen bekannt ist. Des Oberlehrers Freude und Rührung war natürlich grenzenlos, er sprach auch kurze, aber sehr herzliche Worte des innigsten Dankes, und drückte seine Freude darüber aus, daß wir in einem Lande leben, wo der Unterschied des Glaubens keine Schranke des geselligen und wissenschaftlichen Verkehrs bilde, und behielt sich noch eine öffentliche Danksagung vor, die auch im hiesigen Jntelligenzblatte von den Administratoren und Lehrern in würdiger Weise abgestattet wurde. Lassen Sie mich hier noch eines an sich unbedeutenden Umstandes erwähnen. Während nämlich dieser herrliche Jubelgesang ausgeführt wurde, füllten sich alle Fenster jenes Nebengäßchens mit Lichtern und Lampen, so daß diese plötzliche Erleuchtung nach vorhergegangener tiefen Finsterniß einen wahrhaft rührenden Anblick gewährte. Am folgenden Morgen in aller Frühe, als der Herr Oberlehrer noch mit

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