Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1846-04-14 · 15 (14.4.1846) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
15 (14.4.1846)
Date
1846-04-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2625941-2626092-2626108--0396-2627919
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von der des Aaron und Moses überflügelt, welche für gar nichts geachtet sein wollten. Aber eben diese allgemeine Anerkennung ihres hohen Werthes als schönster Sittenschmuck hat der Demuth die Gefahr ihrer Verfälschung bereitet. Der Hochmütige, der nach Achtung und Hochschätzung sagt, er möchte doch auch diesen schätzbaren Tngendschmuck vor den Augen seiner Mitmenschen nicht entbehren; er möchte doch, wie mit allem Kostbaren, auch mit Demuth glänzen, und sucht sie darum äußerlich zu heucheln, während dabei Stolz sein Inneres beherrscht. Schwer wird cs aber darum auch Dem, welcher Demuth wahrhaft sucht, sie überall an sich s lbst in ihrer wahren Gestalt zu erkennen; und oft muß für Demuth gelten, was doch nur mit Demuthsfarbe bemalter Hochmuth ist. Nur ein Mittel der Probe giebt es, welches diese untrüglich kennbar macht; wenn sie nämlich antreibt, alles Hohe, Glänzende und Geräuschvolle zu fliehen, um sich dem Niedern, Matten und Stillen anzuschlicßen. Der unter Miriaden Engelschaaren thront, war im nieder» Dorngesträuche nnserm großen Lehrer einst zuerst erschienen, den Werth der Demuth ihm zu lehren. *) Der Hocherhabene, der alle Himmel überragt, hatte auf den Niedriger» der Berge sich herabgelassen, als er sich auf Erden offenbart, zu zeigen, daß Niederes er dem Höhen: vorziehe, daß, wie er solches später durch Prophetenmund verkündet, im demüthigen, niedergehaltenen Gemüthe er throne. **) Israel sollte darum auch, nach des Allgütigen Absicht, nicht die Sonne, die nach der Sprache des Psalmisten „stolz, wie ein Held nach errungenem Sieg, ihre Bahn durchläuft," mit glänzendem Lichtschimmer das geräuschvolle Leben beleuchtend, zum Zeitmesser seiner Jahre haben; nicht dem größeren, sondern dem kleineren Himmelslichte sollte es sich zuwenden. Der stille Mond, mit matterem Lichte das Aethermeer durchschimmernd, sollte durch seinen Lauf für Israel die Monate und nach denselben die Jahre bestimmen, datnit es sich an Demuth gewöhne. Glanz und Größe zu fliehen, und dem Kleinern und Niedriger» sich anzuschließen. Das Mondleuchten, nicht ge- .'2 'S 721 7>1VL> (* L71X i'QW 'ÄS 22-2 2'21222 O'171 s112l7I 712- (** 'X21N2N — '22 achtet in den von Lampen- und Kerzenschimmer strahlenden Gemächern der Begüterten, als willkommener Wohlthäter aber begrüßt Ln dunkler, ärmlicher Hütte, sollte dem Israeliten Vorbild sein, den Armen als freundlicher Wohlthäter, das Dunkel seines Unglücks nach Kräften erleuchtend, in seiner ärmlichen Hütte aufzusuchen. Der Mond, der, während Alles ringsum in den Armen des Schlafes ruht, allein am Schmerzenslager des Leidenden wacht, und seine tröstenden Blicke auf den Schlaflosen richtet, erinnere den Israeliten, stets Tröster der Leidenden und Unglücklichen zu sein. Dem Monde ähnlich, welcher dem einsam umherirrenden Wanderer seinen nächtlichen Pfad erleuchtet, damit er »aus gefährlicher Einöde den gebahnten Weg zur Heimat finde, soll auch der Israelit getreuer Wegweiser dem verirrten Erdenpilger sein, welcher bei seiner nächtlichen Lebenswanderung auf der gefährlichen Steppe der Sünde sich verloren, auf daß er wieder nach der rechten Bahn einlenke, die zur himmlischen Heimat führt. So möge denn der Mond Israels Zeiten regeln, damit es in dessen Bild Demuth erkenne, in dessen Bild Anregung finde, Freund dem Armen, Tröster dem Leidenden, Wegweiser dem verirrten Lebenswanderer zu sein. (Fortsetzung folgt.) Der Eid re Von Joachim Pollak, Rabbiner zu Trebirsch. (Fortsetzung.) Die zweite Eidesformel, welche in der h. S. öfterer als die erste vorkömmt, scheint auch mehr im Leben im Gebrauche gewesen zu sein. Sie hat auch mit der Zeit, wie aus den geschichtlichen Büchern der h. S. zur Genüge ersichtlich ist, in der Umgangssprache eine Abänderung erlitten, und zwar der Art, daß man den früher bkos dem Zuhörer hinzu zu denken überlassenen Nachsatz, in einen nur unbestimmt abgefaßten Vordersatz umwandelte, und die Eidesformel erhielt demnach folgende Abfassung: '121 pj'Oi' 7121 '7, Ä TiLP' N2- So thue mir der Ewige und fahre so fort, wenn u. s. w." (Siehe Ruth 1, 17 u. I.B. Sam. 23, 22) Zwar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.