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Der treue Zionswächter · 1846-03-31 · 13 (31.3.1846) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
13 (31.3.1846)
Date
1846-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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166 Sie ist der kräftigste Hebel im geselligen Leben. Ehre ist das Ziel, nach welchem die Menschheit von Jugend an bis zur höchsten Stufe des Greisenalters cisrigst strebt. Verlangen nach Ehre spornt den Kaufmann zur vermehrten Thätigkeit. Verlangen nach Ehre leitet den Krieger auf seiner Heldenbahn. Verlangen nach Ehre führt Pinsel und Meißel in des Künstlers Hand. Selbst den Wcisheitjüngcr zieht häufig nicht Liebe zur Wissenschaft, vielmehr Durst nach Ehre nach der Weisheitsquelle hin, und in die tiefen Schachten der Kenntnisse hinab. Wenn Ucberdruß auf allen Genüssen des Lebens folgt, so ist es Ehre allein, deren der Erdcnsohn fast nie überdrüssig wird, die er, je mehr er sie genießt, durch Gewohnheit daran gekettet, nur mit noch größerem Verlangen sucht. Da aber die Ehre die er von außen genießen will, nicht immer für ihn erreichbar ist, so sucht der Ehrsüchtige gewöhnlich bei sich selbst Ehre und Ruhm, und bestrebt sich, bei Mangel von wirklichen, in seinen eingebildeten Vorzügen, Befriedigung seiner Ehrsucht zu finden. Wo nur immer Selbsttäuschung möglich, dünkt ihm Niemand rühmenswcrthcr, Niemand ehrwürdiger, Niemand talentvoller, vernünftiger und kenntnißrcichcr, als er, und wird dadurch, ohne cs sich selbst bewußt zu sein, von den Lastern der Einbildung und des Hochmuths verstrickt. Lassen Sie uns daher, m. V., als Inhalt unscrs heutigen Vortrags eine Untersuchung über menschliche Vorzüge, auf welche man Ehre und Ruhm gründet, anstelle», und um solche nach Verdienst zu würdigen, in 4 Klassen abtheilcn. 1) In Vorzügen des Körpers, 2) in Vorzügen des Rangs, 3) in Vorzügen der Weisheit und 4) in Vorzügen der Tugend. » --- * So häufig im Leben auch die Vorzüge der ersten Klasse erhoben und geehrt werden, so sehr auch Vorzüge der Geburt, Vorzüge körperlicher Schönheit, Formen und Organe allgemeiner Ancrk.nnung und Achtung sich erfreuen, so sind es dennoch grade diese, die am wenigsten ihren Besitzer mit wahrem Ruhme krönen können. Auf Ehre und Ruhm, nach eigentlichem Begriffe, hat nur derjenige Anspruch, welcher durch eigenes Verdienst den Vorzug sich erwarb, welcher an ihm erhoben uud geehrt werden soll. Körperliche Vorzüge sind aber rein Geschenke Gottes, die ihren Besitzer daher noch vielweniger als jeder andre Vorzug mit Hochmut!) erfüllen dürfen; desto mehr aber mit Dankgegefühl gegen den allgütigen Geber, welcher ihn damit vor vielen seiner Mitmenschen ausgezeichnet. Weniger allgemein anerkannt zwar, doch würdiger, als die der ersten Klasse, sind die Vorzüge der zweiten. Die Vorzüge nämlich, welche nicht auf körperlichen Eigenschaften, sondern auf Rang, Ansehen, Reichthum und Herrschaft sich gründen. Sie sind höher zu achten, weil sie, wenn auch unter göttlichem Schutze, doch auch der eigenen Thätigkeit entkeimen. Sie erwerben ihrem Besitzer Anspruch auf unsere Anerkennung, weil sie da, wo sie nicht, wie bei unverbesserlichen Sündern, eine Abfindung für Lohn der Ewigkeit sind, als Merkmal göttlichen Wohlgefallens, als Zeichen eines gottseligen Wandels ihres Besitzers gelten können, der hier schon mit den Früchten belohnt wird, während der Stamm in der Ewigkeit wurzelt, und seine Blüthen für die unendliche Glückseligkeit treibt. „Gott macht arm, macht reich, erniedrigt und erhebt." „Sckaue nicht auf seine Gestalt und schlanke Größe," sprach der Herr zu Samuel, als dieser unter Isai's Söhnen den wohlgebildeten Aliab als den bezeichncten künftigen König Israels gefunden zu haben glaubte. „Schaue nicht auf seine Gestalt, ich halte diesen unwürdig; des Menschen Sehen ist Nichts. Der Mensch sieht bloß den äußern Schein; Gott allein schauet das Innere." Würdig von Gott befunden muß daher der Sterbliche sein, den er mit Rang und Herrschaft beglückte, so wie daraus unsre Weisen mit Recht die Vorschrift gefolgert, und sie dringend uns ans Herz gelegt, den Fürsten unsers jeweiligen Vaterlandes zn ehren, und von Gefühlen der Hochachtung stets gegen unsre Vorgesetzte Obrigkeit erfüllt zu sein. „Er wendet von Gerechten nie den Blick; nicht von Königen, die auf Thronen herrschen; er setzt sie ewig erhaben," sagt der weise Elia. Auch die Vorzüge der dritten Klasse, die Vorzüge der Weisheit nämlich, ungeachtet auch sie Geschenke sind, von der Allgüte des Himmelvaters verliehen, erwerben mit Recht die Ehre der Mitwelt ihrem Besitzer, weil nur die Mittel zur Weisheit, Geistesanlagen, Verstand, Eedächtniß und die

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