Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 24 (9.12.1845)
- Date
- 1845-12-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Bitte, ihm die Concefsion zur Herausgabe eiker Reform-Wochenschrift zu ertheilen, Allein man dsnkt! trotz vorgegebener einflußreicher Fürsprache, , rr-tz vollrönend ausposaunrer Privat-Audienzen, wurde das besuch entschieden abgeschlagen; gewiß ein sicherer Beweis, daß der Genossenschaft weiter nichts gestattet werden soll, als eben ein Berliner Privak-Gorkesdienst. Großherzogrhlim Hessen. Mainz. Neues von hier wüßte ich Ihnen eigentlich für diesmal nicht mitzulheilen, da gleichsam eine Zeit der Ruhe, des Waffenstillstandes zwischen den Parteien eingctreken ist. Doch etwas muß ich berichten , zwar nur vielleicht von sekundärem Interesse, Staats - Behörden religiöse Gesinnung und Gefühl überall schätzen und schützen. Vorige Woche starb hier ein estereichischsjüdischer Soldat, NamenS Mauerer, aus Galizien. Es ist dies der erste Vorfall dieser Bundeerruppen, seitdem selbige hier stehen, ungefähr seit 1817 , in hiesiger Stadt gestorben. Die Vorgesetzten des Regiments, besonders der Hauprmann, beder bemerkte, daß in dem ästereichlscken Leichen- Hause ein großes Crncifix an der Mauer behefrer sei. wodurch die jüdischen Gebete bei dem Todrcn nickt dieses, als das am Leichenwagen befindliche für die Ze«r der Beerdigung alsbald adnehmen; gewiß ein schönes ZeicheU der Pietät gegen den jüdischen Glauben. Bei der Beerdigung war, wie bei allen Militärpersonen, Musik, und das Officier Corps des Regiments begleitete die Leiche auf das Kurtürstcnrhum Hessen. Das Hauprmittel zur Befestigung des religiösen Sinnes bei der hcranre«fenden Jugend ist das Studium der heiligen Schrift und deren Commentare, besonders aber des Talmuds. Demzufolge ist es eines jeden Israeliten Pflicht, seine Kinder in genannten Fächern unterrichten zu lassen. Früher geschah dieses allenthalben an den schulen u. s. g. "12 L'. In letzteren wurden der schon erwachsenen Jugend die göttlichen Gebote nach 'Grundsätzen des Talmuds ein- Mrägt > damit sie wissen solltet- Wäs sie cilwahre Isratlike'tt zü Mulden haben, M das Ziel' ihres Daseins erreichen zu können. So lange nun diese bestanden, so lange stand auch das wahre Zudenrhum in seiner herrlichsten Blüthe. Seit einigen Jahrzehnten aber geriethen diese Anstalten immer mehr in Verfall und die Sucht nach Reform und nach Modernem har bei der Jugend leider schon Wurzel gefaßt. Mir verächtlichem Blicke schleudern manche Unwissende ihre spöttischen Wihblitze gegen den Talmud nnd diejenigen, die sich seinem Studium widmen. Mit Hohn und Beschimpfung suchen sie denjenigen zu überhäufen, der sich in frommer Ergebung mir den göttlichen Lehren beschäftigt, um so die Jugend von diesem Studium, dieser labenden Lebsnsguelle znrückzuschreeken. und Lehrer religiöser Gesinnung ihre möglichsten Kräfte anwenden, um diese Institute wieder ins Leben zu rufen und so in der Juqeüd den Funken zur eifrigen Bemühung des Talmud-Studiums anfachen. Wa« Jndifferentismus und Lauheit an den Grundpfeilern der Religion schwankend machten, das soll durch ernstes Bemühen in der heiligen Lehre wieder befestigt werden. „Es ist eine Zeit, für den Ewigen zu rhun, denn sie haben deine Lehre gebrochen." Schon in Altona nnd Würzburg ist der Nabbinen eifrigstes Bestreben, ihre talmudischen Lehren zu verbreiten, und wir wünschen ihrem segensreichen Wirken das herrlichste Gedeihe,-. Wir können hier nicht umhin, die ächtjüdischen Gesi> - nungen unserer Glaubensbrüder dieser beiden Städte hervorzuheben, welche nach Kräften die jungen Leine daselbst unterstützen, indem sie ihre Wohl- und Mildthätigkeit denselben erweisen, die sich auch bei jeder Gelegenheit unverkennbar zeigt. Auf solche Weise werden nun auch dem Unbemittelten zur Betreibt«! g seiner Studien Mittel geboren. Ohne Zweifel finden sich auch noch in mehreren Städten orthodoxe Israeliten, die eine solche Beförderung unseres Glaubens wünschen und auch gerne erbörig sind, alles Mögliche dazu beizutragen. Mögen daher noch mehrere Männer wahren Glaubens dem schönen Beispiele der Rabbine,, in Altona und Würzburg folgen, damit üvieder wahn- Neligiösitäc und Frömmigkeit am jüdischen Horizonte im glänzenden Schmucke strahle. U.