Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 23 (2.12.1845)
- Date
- 1845-12-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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188 weiteren und Höheren Sinne adelt, nämlich, daß fast pon jeher Männer in ihrer Mitte walteten, welche sich die Errichtung und Vervollkommnung von WohlthätigkeitSanstalten angelegen sein ließen. Die ältere Zeit hat in dieser Hinsicht schöne Denkmale ihres gemeinnützigen Wirkens aufzuweisen, und erlaube ich mir nur die vorzüglichsten zu nennen, und zwar aus den Ursachen, weil unsere hiesige Einwohnerschaft den Fremden eben so sehr, als den Einheimischen Theil daran gönnt, und weil sie schon mehrfach vielen andern Gemeinden als Muster zur Nachahmung dienen mögen. 1) Da- Spital. Dieses Gebäude ist mit allem für ein Krankenhaus nötkigem Zubehör versehen, und har sehr schöne Helle Krankenzimmer. Wir haben dieses Spiral schon öfter besucht, und stets mir der größten Freude die Ordnung und Reinlichkeit der Zimmer und Betten, und die treffliche Verpflegung und Abwartung der Kranken bewundert. Wir dürfen hier nicht stillschweigend übergehen einen Mann, dem die Heilung der im genannten Spirale sich befindenden Kranken übergeben ward, wir meinen Herrn Samuel Hescherhofer, ein Mann, aller Ehren werth, der mit Energie seinem wichtigen Berufe vorsteht, und unter dessen Leitung schon viele gefährliche Kranke ihre Reconvalescenz gefunden, sehr bekannt durch das von ihm erschienene Werk unter dem Titel: „Ueber die theoretische und praktische Beziehung zwischen Religion und Medicin." 2) Erachten wir einer Erwähnung würdig, den durch seine besondere Wohlrhärigkeit sich auszeicknenden „Frauenverein", der es sich zur Aufgabe gestellt, durch monatliche Beiträge, verschämten Hausarmen, denen bei aller Anstrengung die Erhaltung schwer wird. Hülfe zu reichen, arme Wöchnerinnen und weibliche Kranke durch Geld und Verabreichung von zuträglichen Speisen zu unterstützen. 3) Der „Armenverein" zur Vertheilung an fremde Arme, und zur Verhütung der Bettelei in den Häusern und Straßen. 4) Hiesige israelitische Bethausbeamte, die ihrer Amrsleistung entledigt werden, erfreuen sich einer besonder,, Hülfe, und verdiente Männer, welche ihr Leben der Erbauung oder Belehrung der Gemeinde widmeten, werden der Sorge enthoben, ihre Hinterbleibenden dem Mangel preisgegeben zu sehen. Ein sehr edles Beispiel gab unsre resp. Gemeinde, als unser ehrwürdiger Rabbiner das Zeitliche zu segnen Musen ward. Als er noch auf der Erde lag, versammelte sich tiefbetrübr unsere Gemeinde, und versorgte die Hinterbliebene Wittwe und ihre vier Waisen so ehrenvoll, so daß selbe gar oft mit den Worten Jobs sprechen: „Es möge der Segen der Unglücklichen über sie kommen; denn sie erfreuen das Herz der Wittwen und Waisen". 5) Der Deerdigungsverein thut wohl an Lebenden und Tobten. Bei Beerdigungen herrscht sehr lobenswerther Anstand und Ordnung. Der Friedhof der hiesigen Israeliten hat in neuerer Zeit eine beträchtliche Erweiterung und Verschönerung erlangt. Die Leichensteine werden so viel als rhunlich in ordentliche Reihen eingetheilr, der Friedhof selbst mit Bäumen bepflanzt, so wie auch zu den gottesdienstlichen Functionen ein Leichenhaus angebracht ist, ebenso auch eine sehr ordentliche Wächterwohnung. 6) Wurde hier eine neue Synagoge — an Pracht in Europa keiner nachstehend — mit großen Opfern erbaut, und steht von außen fertig da. So wollen wir denn mir Gottes Hülfe dem glücklichen Forrschreiten, und der Beendigung des Baues entgegensehen, und erwarten, daß die neue Synagoge eine würdige Ausübung des Gottesdienstes bringen möge, entsprechend der strengen Neligiösttär, die in unlerer Gemeinde obwaltet. 7) Ist die hiesige Einwohnerschaft sehr eingedenk des Spruches: „Wenn du den Hungrigen brickst dein Drod, wenn du den Unglücklichen und Armen Israelitische Studircnde haben in den achtbaren Häusern Wandelrisch, und wird noch auf sonstige Weise Srudirenden, die sich einem wissenschaftlichen Berufe widmen, das Ehrgefühl geschont und ihnen die Demüthignng des SclbstcoUecrirens erspart. Jener ewig waltende Fluck der menschlichen Gesellschaft, daß der daß derselbe nie oder nur sehr selten nach seinem innern Werkhe, sondern größtcntheils nur nach seinem Stande in der Gesellschaft beurtheilt und geschätzt wird, giebc sich hier durchaus nicht kund, und werden arme Studirende sehr beehrt.— (Beschluß folgt.) Hierbei eine Beilage.