Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 19 (4.11.1845)
- Date
- 1845-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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156 manche Schwankende auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht worden. Somit wird jene Versammlung nicht sowol durch die, die sie besucht, als vielmehr durch jene, die sie nicht besucht, erst wahrhaft ausgezeichnet werden. Aus dem Ries. Die Untersuchung des Herrschafrsgerichts Oettingen in Sachen des Weinreisenden Werner aus Dektelbach, wegen Entführuug eines Mädchens auf öffentlicher Straße, ist jetzt soweit beendigt, daß die Acren dem Appellalionsgerichr überschickr worden sind. Eine Verbindung mit dem zu Thalmessingen verübten Kinderraube, dessen ein dortiger Jude fälschlich bczüchtigt war, hat sich nicht herausgestellt. Auf Freilassung des Angeschuldigten hat sich das Gericht, trotz angebotener CaülionS-Leistung nicht einlassen wollen. Bayern. Einem bekannten jüdischen Blatte ist nichrS recht, was hier zu Lande geschieht. Eine wahre Fundgrube für dasselbe war es daher, als vor einigen Monaten ein BreireS und Langes darüber mitgetheilt wurde, wie cS den Juden verboten war, in der Synagoge für die glückliche Niederkunft der verehrten Kronprinzessin zu deren. Wir hielten es damals der Mühe nicht werkh jene Nachricht zu berichtigen. Jetzt indeß finden wir umrcrseirs mitzutheilen uns veranlaßt, wie bei Gelegenheit des für ganz Bayern so frohen Ereignisses, der Geburt eines Thronerben öffentliche Dankgebete von Seiten der Juden überall angestimmt worden, auch sich diese freudige Stimmung in ehrfurchrvolien Addressen sich kundgegeben. Beide Beweise der Anhänglichkeit und Liebe zu dem erhabenen Herrscherhaus^ sind von Sr. Majestät dem Könige huldreich ausgenommen worden. Statistisches. Die Juden in Evnstantinopel. Ein gelehrter Reisender, kürzlich von Eonstantinopel zurückgckchrr, woselbst er mehr als ein Jahr verweilte, gibt folgende Beschreibung von dem Zustande der Juden daselbst. Ihre Anzahl betragt gegen 30,000, und in moralischer Beziehung nehmen sie unbedingt eine höhere Stelle ein, als alle andern Bewohner der Türkei. Streng crthodor, und in jeder Beziehung, nach dem Landesgesetz; ihrem Oberrabb. untergeben, haben sie nichts verloren von der Macht der heiligen Selbstüberwachung und den tugendhaften Gewohnheiten, welche unverändert Hand in Hand gehen mit der Unterdrückung und dem Tröste, hergcleiket von der Religion. Alle jene Laster einer erborgten Civilisation, welche sich bei der muhamedanischen Bevölkerung finden, sind bei ihnen unbekannt. Aber von der andern Seite haben siee bcnfalls verloren die Vorlheilc, durch Bildung herbeigeführt, und sind daher in tiefen Verfall gerathen, wo es sich um Erziehung und Bildung handelt. Solche Unwissenheit, solche Armuch, findet sich selten noch einmal bei der jüdischen Bevölkerung einer andern mohamedanischen Stadt. Daher sind sie auch in der Erziehung stille gestanden, zu einer Zeit, wo alles um sie her sich vom Neuen regenerirr. Früher, als Griechen, Armenier und Türken ebenfalls unwissend waren, bediente sich die diplomatische, wie die Handelswelt ihrer als Dollmelscher, Makler, Agenten, da sie noch etwas von der Liebe zu den Wissenschaften, die ihre Vorfahren mit aus Spanien gebracht, inne gehabt hatten. . Die Dienste der Juden waren gleich gesucht bei der hohen Pforte, als in den Pallästen der Pascha's und in den Bureaur der fremden Gesandten. Doch jetzt, seitdem Griechen und Armenier, selbst die trägen Türken sich europäische Sprache und Sitten angeeignet haben, sind ihre Dienste überflüssig geworden. Dadurch entfernt von jeder Gemeinschaft mit den Franken, und den höheren Gassen im Allgemeinen, ist ihr Handel im Verfall gerarhen, so daß jetzt alle Schrecken der bittersten Armurh vorherrschen, wo früher Ueberfluss, ja Luxus war. Die wenigen reichen Juden, die gefunden werden, sind Europäer, welche unter dem Schuhe ihrer resp. Gcsandschafr leben, und daher frei sind von den Bedrückungen der türkischen Behörden. . (V. o. I.) Briefwechsel. Herr Obcrrabbiner. Unterscheiden Sic gefälligst zwischen Arbeiten mit wissenschaftlicher Tendenz und rein literarischen Produkten. Gelange wir noch kein eigenes Literatur - Blatt besitzen, muffen wir von diesen abstrahrren, während iene uns stets willkommen sein sollen. * H. K. in F. Vom l. Januar 18l6 an. übernimmt die Thurn- und Taxische Ober - Post. Direktion im Bereiche ihrer Poitcn. das Debit des «Wächters-. Wenden Sie sich daher, wegen Ihres Gesuches an die dortige Post.