Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 12 (16.9.1845)
- Date
- 1845-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Jahrgang. D 0 r 12«. Organ zur Wahrung der Interessen Do. En och, orthodoxen Iudenthnms Herold'sche Buchhandlung Von diei'em Blatte erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, auf em Zahr ist ö Ct. (2 Thlr. pr., 3Fl. 30lr.)^ Man abonnirt Hamburg, den 16. September 1815. Lntzalt. Tendenz, 3iichtung, Gesinnung und Geist der zweiten R.-V. von S. M. Schiller. Zeitungsnachrichten aus: Bapern, Unter Franken, Breisach, dem Oder-Rhein, dem Niedcr-Nhein, Papa. Schließt sich der moderne Rabbinismus dem Staate wirklich mehr an re. (Beschluß.) Wir wollen nicht prahlen, nicht lärmschlagen mit Thaten, die nach den Grundsätzen unsers Judenthums nur Pflicht und Schuldigkeit waren, nicht in kleinlichen Selbsthudeleien über uns selbst ausbrechen, da wir gern und bereitwillig thaten; da wir mit nnserm Patriotismus nichts weiter, als die Befehle des Talmuds erfüllten — aber fragen möchten wir: Leisteten' wir damals dem modernen oder dem orthodoren Rabbinismus Gehorsam? Hatte der moderne Rabbinismus damals schon sein patriotenreiches (!) Asyl aufgeschlagen? Hatten wir 1811, 12 und 13 schon jene modernen sogenannten Rabbiner - Versammlungen, die in der unschuldigen Bitte um Wiederherstellung des jüdischen Reiches, mit ihren patriotenreichen Nasen Mangel an Patriotismus wittern wollen? — Ach, der moderne Rabbinismus erlaubt sich ja manches, er behauptet gar vieles, was mit der Wahrheit in arger Collision geräth, und fast muß ich erwarten, daß er diese Fragen mit seinem süßen, unschuldigen „Ja" beantworten werde. Doch, möchte ich darauf entgegnen, ist das glorreiche Bestehen des modernen Rabbinismus wirklich schon so alt, mit welchem Rechte hielte er sein Wirken als modern, als zeitgemäß? Keine Mode hat sich so lange erhalten, folglich wäre auch er schon längst nicht mehr anwendbar, schon längst veraltet. — Denken wir uns tiefer in die Basis der Bitte um Wiederherstellung des jüdischen Reiches hinein, so werden wir finden, daß diese Bitte, so zu sagen, das Symbol eines körperlichen Messias ausdrücken soll, wie wir ja auch zugleich auf einen geistigen-Messias, auf eine geistige Erlösung hoffen. Durch den Messias soll uns das höchste Maaß höherer, geistiger Freuden geboten werden, so wie uns das jüdische Reich einst, hinsichts unserer religiösen Ansichten, die herrlichsten Erdenfreuden reichte. Doch — hegen wir auch Hoffnungen, fernere Wünsche für die Zukunft — darf deshalb die Gegenwart spurlos an uns vorübergehen? Kann uns jene Bitte mehr als ein frommer Wunsch sein, da die Mittel zu dessen Erfüllung noch im Schvoße der Vorsehung schlummern, die der heilige Schleier der Zukunft deckt? Kann also dieser Wunsch für die Zukunft, den wir blindlings, im heiligen Vertrauen, vor dem Throne des Allvaters niederlegen, auf die heiligsten Interessen der Gegenwart, auf die Liebe zum Vaterlande nachtheilig einwirken?