Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 24 (1.12.1854)
- Date
- 1854-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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D V g K N )ur Wahrung der Interessen -es orthodoxen Iudenthums. 10. Jatzrgsnz. 1. December 1851.! Altona. I '' 24. Einige Gebote der heil. Schrift und ihre Erklärung. Do» §r. Salomo» Cohn, Oberrabbincr zu Maastricht. (Fortsetzung.) 3. ..Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und werde ganz." Dies ist die Formel des Bundes, der Abraham und sein nachfolgendes Geschlecht mit Gott auf ewige Zeiten verknüpft. „Gott ist allmächtig!" und diese Welt ist seine Schöpfung, und diese Welt, die nur Sinnliches in sich schließet, die eine Körperwelt ist — sie wird beherrscht und geführt durch den ewigen Gottesgeist. Vergiß das nimmer Israel! auch deine Seele, die da ist ein unsterblicher Odem Gottes, soll beherrschen und führen, was körperlich ist an dir, nicht umgekehrt, werde nicht mir deiner-gEeutstammten Seele der Sklave der Sinnlichkeit, laß den Körper mit seinen Lüsten nicht Herr werden über dich, zeige dich stark und mächtig und du kannst siegen, wirst siegen, der allmächtige Gott hat ausgerüstet deinen Geist mit seiner Macht, daß das Irdische sich ihm unterwerfe. 4. „Wandle vor mir" ruft der Herr dir zu. Wird es ein Wandel in der Sünde sein können, der vor Gott sich zeigen darf? So du niemals vergissest, daß ein Göttliches in dir wohnt, daß das Göttliche für einen unendlich größeren Zeitraum dein Theil bleiben soll, als die Spanne Zeit, die dein Erdenleben umschließt; so du niemals vergissest, daß dein aus Gott genommener Anfang dich auch zu einem in Gott führenden Ende bringen soll, daß darum Alles, was zwischen Anfang und Ende liegt, diese göttliche Inschrift in sich tragen muß — dann, siehst du — dann wandelst du vor Gott, wird all dein Wirken von der göttlichen Nähe verklärt und geheiligt, bist du in das göttliche Sein gestellt und ragst auf Erden schon mit deinem Haupte in den Himmel hinein. 5. Darum Israelite, tönt der Mahnruf Gottes dir ins Herz: „werde ganz!" löse den sittlichen Widerspruch, der zwischen deinem Geiste und deiner Materie obwaltet, söhne diesen Zwiespalt deiner Doppelnatur aus, zwinge dein irdisches Theil in die Bahnen deines himmlischen, und was körperlich du wirkest, das laß durchweht sein vom Odem der göttlichen Seele, die in dir wohnet. - „Werde ganz." Folgst du der nieder», irdischen Sjnnlichkeit, rollt entfesselt der böse Trieb dir durch das Herz, hat die Sünde um deinen Nacken geschrrsiedet den eisernen Ring, und anstatt immer höher jden Berg des Herrn zu erklimmen, fällst du Lntmer tiefer zurück, sinkst, sinkst du zum Thiere, unter das Thier — wo, wo ist da der Mensch, der Israelite an dir? wo ist da deine Ganzheit, die Gott /von dir fordert? hat die Sünde nicht tausendfach durchbrochen dein Wesen, und eine weite, breite Kluft zwischen deinem göttlichen und irdischen Theil gezogen? — „Werde ganz!" das ist dein hoher Berufs Israelite. Dein leibliches Sein mußt du verklären im Lichte deiner ewigen Seele, dein Körper werde geweihet im Wirken nach göttlicher Vorschrift. 6. Sieh' darum befahl Gott dir, seMMundesssegcl auf dein Fleisch zu drücken. Konntest du Sohn des Staubes in einen Bund eingehen mit deinem Gott? Du konntest eS nur, weil dieser Staub geheiligtjward. Und so soll das Bundessiegel dich immerfort mahnen, daß du schon dein irdisch Theil, den Körper, deinem Gotte heiligst, daß du, wie mit der Seele Gott ungehörig, also auch mit dem Leibe. Mit der Bcschneidnng sprichst du es aus, daß du nicht in das irdische Leben, in die Sünde und in das was die Sinnlichkeit Erniedrigendes und Zerstörendes mit sich führt, dich verlieren willst, sondern daß du deinem göttlichen Ursprung gemäß wirken, schaffen, leben werdest, daß dein unsterblich Theil, die Seele, die Bahnen zeichnen werde deinem sterblichen Körper, die Bahnen, wo Religion und Tugend Zusammentreffen, um aus dem Erdensohn den Sohn des Himmels zu bilden. Israelite! in einem ewigen Bund mit Gott bist du getreten durch die Beschneidung, innig verknüpft ist dadurch worden dein Erdenlcben mit Gott; könptest du es entweihen, die Reinheit frevelntlich ihm rauben durch thierische