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Der treue Zionswächter · 1854-11-03 · 22 (3.11.1854) · page 1

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
10 (1854)
Issue
22 (3.11.1854)
Date
1854-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ zur Wahrung -er Interessen -es ortho-oren 2u-enthums. 16. Jahrgang. 3. November 1854. > Altona. I 2"> .12 22. Züdisck-pädagogischc Studien. 2» meinem Jüngsten, meldete ich Dir, daß ich Deinem Wunsche, demzufolge Du Aufklärung ver- , langtest über die Corruption der Zeitgenossen, woran ^uach meinem Dafürhalten die schlechte Erziehung und der mangelhafte Unterricht einen sehr bedeutenden Antheil hat, recht gerne nachzukommen gewilligt bin. Hierbei mußt du jedoch nicht denken, daß ich Dir, wenn auch vielleicht nur in Betreff des Confessionellen, eine vollständige Pädagogik oder Didaktik zu liefern, gesonnen bin, sondern ich will Dir nur innerhalb dieses reichen unübersehbaren Gebietes, einige Partien bezeichnen, einige Prin» cipien erläutern, auS denen sich die vielen übrigen leicht von selbst ergeben möchten. Nur durch eifrige Thatkraft und gewissenhaftes Wirken in dem Bereiche der Erziehung, Gewöhnung und Belehrung der Kleinen möchte noch ein günstiges Resultat in der Besserung unseres Geschlechts zu gewärtigen sein. Durch das Heranbilden unserer Jugend, der unschuldigen Kleinen zur ächten Neligiösität kann der Schaden geheilt, die Fehler berichtigt, die- Mängel ergänzt, die göttliche Religion wieder in ihre alten, unveräußerlichen Rechte eingesetztdie Verbreitung und Uebung der altehrwürdigen Bräuche und Sitten wieder hergestellt werden. Leicht empfänglich ist das kindliche Gemüth, den Belehrungen, die ihm von ächten Bekennern der mosaischen Religion gegeben werden, gerne Folge leistend, die Beispiele, die eS vor sich ausüben sichet willig und mit Freuden nachahmend. Dies ist's, was bis in's späte Alter ihm anhaftet. Der Erwachsene aber, dem die Gewohnheit zur Verachtung alles Religiösen zur andern Natur geworden, der im Sinnengenuß schon so befangen, dem irdischen Treiben, der Welt sich schon so sehr dingegeben hat, daß er nur mit größter Mühe demselben Widerstand zu leistenja sich schwerlich dem Gemeinen zu entreißen vermag, bei einem solchen wird es uns selten gelingen, durch Belehrungen, Warnungen, Beispiele u. s. w. etwas Ersprießliches zu leisten, ihm auf die Bahn des Besseren, der Tugend zurückzuführen, wenn nicht günstige Momente Mitwirken. Wir wollen demnach unser Augenmerk au^ Erziehung und Unterricht der Kinder richten, wobei wir zu bemerken nicht unterlassen können, daß wir die frühere Zeit uns hierin nicht ganz zur Richtschnur dienen lassen, nicht als Maßstab anlegen können; denn in unseren Zeiten ist die Erziehungö- und Unterrichtsmethode eine andere, als in der der Vergangenheit. Die Dtdaktik ist eine Kunst, und zwar eine schwierige, die nur von dem wahrhaft erkannt werden kann, der sie zu seiner Beschäftigung gemacht, sie sich als Studium vorgesetzt. Und wie bereits früher in diesen Blättern so schön dargethan worden, fordern wir auch den Fortschritt vom orthodoxen Standpunkte, aber nur in Wissenschaft und'Kunst; das Religiöse mit dem Moralischen, wie es uns der Talmud mit den Rischonim und Acharonim lehret, kennet keine Zeit; dies ist ewig, wie die Gottheit, durch die es gegeben, in Flammenschrift gezeichnet, unauflöslich und unwandelbar. Durch Israels herrliche und blühende Tage sowol, als auch durch die stürmischen und drangvollen Zeiten bis auf unsere Gegenwart herauf, behauptete das Gesetz bei den Bessergestnnten, die es herzlich mit der Religion meinen, seinen ruhmvollen Glanz. Liebevoll umfaßte das Gesetz der wahre Israelit, weil es ihm Trost gewährte in den Zeiten der Unruhe, weil es ihn aufrichtete in den Zeiten der Noth und des Drangsals, unter seinen Schutz begab er sich, wenn gewaltige Stürme ihn erfaßten, wenn die Sonne des Lebens sich ihm durch schwarze Wolken verdüsterte. Dieselben Befehle des Allmächtigen, denen die Erzväter mit Freuden nachkamen, dieselben Gesetze, die Israel in der Wüste ausübte, in Kanaan, während des Tempels, nach der Zerstörung, die Vorschriften, die zur Zeit des Talmuds und nach Abfassung dessen mir Gewissenhaftigkeit, Eifer, Liebe und Gehorsam befolgt wurden, dieselben Verbindlichkeiten finden auch jetzt, mit Ausnahme der Gesetze, welche auf das Land Israel und den Tempel Bezug haben, für uns statt; nicht lossagen können wir uns von dem Eide, der von unfern Voreltern für alle folgende Geschlechter geschworen wurde. — Prägen wir diese Grundsätze, diese Lehren und ewigen Wahrheiten unfern Kindern

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