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Der treue Zionswächter · 1854-09-22 · 19 (22.9.1854) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
10 (1854)
Issue
19 (22.9.1854)
Date
1854-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 3) durch die Person des Lehrers und 4) durch die Zeit der Lehre. Diese Rücksichten müssen auch uns stets zur Richtschnur dienen, wenn wir danach streben sollen, so weit es an uns ist, für Erreichung dieses schönen Ziels zu arbeiten im Weinberge des Herrn; und dürften Betrachtungen hierüber besonders heute ander Tagesordnung sein, da wir nach traditioneller Zählung gerade jetzt am Schlüsse eines solchen?ovc- Jqhres stehen, in welchem Zeitpunkte das genannte Gesetz ehemals seine eigentliche Geltung hatte. Unendlich, o Herr! ist dein Wesen, du warst bevor deine Himmel du gewölbt, und bleibst in Majestät unverändert derselbe, wenn einst dein erhabener Wille deine Welten wieder auflösen sollte. Eines deiner Geschöpfe nur überragt im Anbeginn deine Welten, cs ist dies deine heilige Lehre, die als Werkzeug du dir gebildet, deine majestätische Schöpfung zu vollenden, sie wurzelt in deinem ewigen Geiste der Alles durchdringt, sie überdauert alle Umwälzungen durch Stürme, welche deine irdischen Werke erfabren, und wird dauern für und für, nachdem Alles auf Erden einst unter ihren Scepter sich gebeugt. Wir erkennen, o Himmelsvater! die heilige Aufgabe die du uns gesetzt, zu kämpfen hier für deine Himmelstockter, und mrt deiner Hülfe ihr den Weg zu ihrem Throne der Welt-Herrschaft zu bahnen. O kräftige uns, für sie hier zu entbehren und zu dulden, für sic Lästerung und Sclunach zu tragen, bis wir einst das Ziel errungen, und das ^Frendenlied deiner vom Sklavenjoch des Lasters entknechteten Erdenkinder anstimmen; erhalte und beschütze uns, um einst auf ihren Fittigen empor getragen, vor deinem heiligen Throne in Ehrfurcht zur Anbetung uns niederzuwerfen. I. M. V.! Die erste Rücksicht, welcher in der Vorschrift unseres Textes wir unsere Beachtung zugewendet, istdic Versammlung, welche belehrt werden soll. Männer, Frauen und Kinder, Einheimische und Fremde, Alle sollten daran Theil nehmen. Es ist die schönste Zierde, es ist die Glanzseite der Glaubenslehre Israels, daß in ihr völlige Gleichheit des Rangs, der Verpflichtung und des Werthes herrscht. Mann und Jüngling, Mutter und Jungfrau, Einheimischer und Fremder, Lehrer und Schüler, sie Alle sind gleichmäßig vom Lichte der Gotteslchre beschienen, sie Alle sind im gleichen Verhältnisse von des Allvaters Liebe zu seinem Dienste herangezogcn; sie Alle sind berufen mitznwirken zum Aufbau der Glückseligkeit des Menschengeschlechts. Wahrlich, eine wichtige Lehre in einer faden Zeit, wie die unsrige, in der man so gerne der Täuschung sich hingiebt, die Verpflichtungen der hätten nur für.gewisse Klassen, für gewisse Lebensalter, für gewisse durch die Zeitveränderungen bedingter Lcbensvcrhältnisse Geltung; wo der Jüngling und die Jungfrau die Erfüllung ihrer JMgionspflichten so gerne für bas Mannes-und Frastenalter hinauöschiebcn, um desto ungehinderter dem Götzen der Lebensfreuden noch zu opfern. Gewiß, eine wichtige Lehre für die fgde Zeit, wo man so gerne dem mahnenden Lehrer und Freuny den Ruf der Heiligkeit verleiht, um beim Nichtbefölgen seiner Lehre, nur als nicht so heilig wie er, nicht aber auch für pflichtvergessen sich erkennen zu müssen. „Versammle das Volk, Männer, Frauen und Kinder und den Fremden der unter dir sich hcimathlich niedergelassen," lautet die Vorschrift unseres Textes, sie Alle haben Theil an dieser Lehre, und sie soll darum auch Allen gleichzeitig und gleichmäßig eingeschärft werden, denn nur in Vereinigung Aller wird der heilige Zweck der Goltesverehrung erstrebt. Während der Mann, mit größerer Kraft begabt, ein größeres Maaß von Pflichten trägt, soll die Frau durch die ihr gemüthliche Herrschaft des Mannes Sinn zum Guten lenken, zum Gehorsam beugen; während der Jüngling, die Jungfrau, das Feuer der Gottesliebe auf dem Altäre ihres Herzens entzünden sollen, damit ihr künftiges thatenreiches Leben lieblich darauf zum Himmel dufte, soll die Mutter die ersten Funken dieses Feuers in der Seele der ihrer Leitung und Pflege vom Allvater anvertraucten Jugend wecken. So wirkt Alles vereint zur Verherrlichung des allgütigen Schöpfers des Alls; so haben Alle gleichen Beruf für Gottes Lehre und für das Leben nach ihren Vorschriften, um auch gleichen Antheil an zeitliches Wohl und einstige Glückseligkeit zu erlangen. (Beschluß folgt.) - Moralische Sprüche aus dem Talmud. Von Joachim Poüack, Rabbiner zn Trebirsch. (Fortsetzung.) Als R. Jochanan S. Sakri erkrankte, besuchten ihn auch seine Schüler, bei deren Anblick fing er zu weinen an. Rabbi! der du das Licht Israels, dessen rechte Säule und starke Stütze du bist, warum weinst du? fragten sie ihn. Wie? erwiderte er, wenn man mich jetzt zum Gerichte vor einem irdischen König führen würde, der heule hier, morgen aber schon im Grabe sein könne, dessen Zorn daher auch nicht ewig dauert und wenn er mich fesseln ließe, ich wieder von seinem Nachfolger befreit werden könnte, und selbst wenn er mich tödten ließe, dieser Tod nur ein zeitlicher wäre, bei welchem ich endlich noch die Aussicht hätte, ihn entweder durch Worte zu besänftigen, oder durch Geld bestechen zn können, aller Könige, dem H. g. s. e., der ewig lebt, dessen Zorn ein ewiger ist, und wenn er mich fesseln läßt.

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