Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 14 (14.7.1854)
- Date
- 1854-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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54 beschämt werden wird, denn wo eine Gesetzübetretung und Herabwürdigung des göttlichen Namens zu befurchten steht, dürfe man keine Rückstcht nehmen selbst auf die Ehre eines vornehmen Gelehrten, wie es auch (Sp. 21, 30) heißt: Dem Ewigen und seiner Religion gegenüber, gilt weder Weisheit, noch Klugheit und Ueberlegnng." 107) Auf die Frage, welche R. Papa einst an Abaje richtete, warum wol in früherer Zeit den Frommen zu Gunsten so manches Wunder geschah, jetzt aber nicht, da man sich doch jetzt mit dem Talmud-Studium weit mehr als früher beschäftigt? gab er ihm zur Antwort, weil die früheren Frommen zur Verherrlichung deä göttlichen Namens selbst ihr LebiN aufzuopfern bereit waren, wir aber nicht. So wird von R. Ada S. Ahaba erzählt, er habe einst eine Frau, welche er für eine Jüdin hielt, mit einem heidnischen Kopfputze auf der Straße erblickt, und höchst entrüstet darüber, riß er ihr denselben vom Haupte; als es sich aber hernach zeigte, daß es. eine Heidin war, wurde er vom Gerichte mit einer Strafgebühr von 400 Suä (eine damalige Münze im Werthc von 20 Kr.) als Entschädigung für ihre öffentliche Beschämung7 belegt. Beim Erlegen di-fes Betrages fragte er sie: »wie ist dein Name?» »Maren," erwiderte sie, da sagte er: »Maton Maton (hebr. Gelassenheit) ist wirklich 400 Sus werth. (Er wollte hiemit nämlich sagen, daß wenn er diesfalls mit mehr Gelassenheit zu Werke gegangen wäre, er auch diese äOO Sus zu erlegen erspart hätte. (Ende dcS dritten Abschnittes.) (Zeusennn.z selgl.) Briese aus Holland. VI. Uns galt es immer als eine unumstößliche Wahrheit und diese Wahrheit hat bis jetzt, weil sie zu einer empirischen Ueberzeugung geworden ist, noch nichts am Werthe eingebüßt, daß nämlich da wo achtes Judenthum vorhanden ist auch ächte Menschheit angetroffen wird. Man hat in letzter Zeit den Satz umgekehrt oder vielmehr so gedeutet, wo die Menschheit sich zeigt, da braucht nach dem Judenthum nicht gefragt zu werden und sogar behauptet, die menschlichen Werke erscheinen erst da in ihrem Glanze, wo man über die Schranken des formellen Judenthums kühn hinaus und hinwcggeschritten sei. Wir geben gern zu, daß wir im Leben Einzelne begegnen, die, obschon sie vom noch als dies, Heil und Linderung herbeischaffcn. j Aber was beweist dies? Wer sagt euch denn, daß j dieser N. N. in ebenso großem Maaße mildthätig gewirkt hätte, wenn ihn nicht die Muttcrbrust unserer Religion aufgenäbrt hätte? Erkennet hierin vielmehr die unverwüstliche Kraft des Judenthums, das selbst aus seinen abgedorrten Zweigen noch manches Blatt, manche Blüthe zu treiben im Stande ist. Jndeß zugegeben, daß Einzelne auch ohne den Ansporn ihrer Gott gegebenen Religion sich zur höchsten Stufe der Menschheit emporschwingen können; aber die große Masse? werdet ihr da, wenn das die Sinnlichkeit umzäumende jüdische Gesetz einmal abgeschüttelt ist, werdet ihr auch da die Herzen entflammt finden für Werke, die dieser stets gcfröhnten Sinnlichkeit Opfer abzwingen? werdet ihr in dem verödeten Herzen den Lebenskeim wecken, daß er für Andere zum reichen Genuß sich entfalte? Trauet ihr euch den Besitz des Mosesstabes zu, daß ihr auö den Felsenherzen erquickende Nahrung hervorlocket? Nimmermehr! Denn der Mensch ist einmal das selbstsüchtigste Wesen, und wie hoch ihn auch die verzärtelte Gegenwart stellen mag, die Triebfeder all seines Wirkens bleibt der Egoismus; nur der Religion Israels, die die Selbstsucht zu Boden schlägt, nur der Religion Israels, die die Gemeine über das Individuum stellt, die den Satz ausspricht 2'i-r'Ip öv die die «Lelbstveredlung in die Veredlung seines Nebenmenschen verlegt, nur ihr ist es Vorbehalten der Menschheit Zierden zu pflegen, wahre humane Gesinnung und humane Thaten reifen zu lassen, und die Gegenwart, die auf dem Wege der Spekulation sich abmüht den Humanismus zu suchen, steht so nahe an der Quelle, sie dürfte nur auf die Lehren des Judenthnms horchen. Wieso ich heute dazu komme, eine solche Lobrede pro stomo zu halten, dem Judenthum den von schwachen Menschenhänden, sollen Sie gleich hören. Ich will nämlich den Lesern Ihres BlatteS einige Worte über die jüdische Wolthätigkeit in Holland sagen. Ich frage mich, wieso hat die Menschheit sich so überaus entwickelt an unsere Juden? Und da sehe ich denn, daß hier zu Lande, Gott sei dafür in Ewigkeit gepriesen, der Glaube unserer Väter sehr tief in den Herzen wurzelt, daß der Baum des Lebens, der s-y sv sich mächtig in die Seelen cingetrieben har; daß die Religion noch nickt zur Augeudienerin der Zeit herabgcsunken ist, welcher sie um ein gefälliges Lächeln fuchsschwänzclte; daß die Lehre unseres Gottes und. die heiligen Satzungen unserer Weisen in unserm Innersten hell und laut tönen; und ich sehe denn "auch, daß hier zu Lande die Wohlthän'gkcitsanstaltcn unter den Juden einen Flor entfalten, wie nirgend mehr anderswo, daß aber auch anderswo der Quell deS göttlichen Gesetzes nicht mehr in solcher Vollkraft sich ergießt als hier, und darum komme ich dazu