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Der treue Zionswächter · 1854-05-19 · 10 (19.5.1854) · page 1

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
10 (1854)
Issue
10 (19.5.1854)
Date
1854-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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D V g K N zur Wahrung der Interessen -es orthodoxen Iudenthums. MM? 1V Jahrgang. 19. Mai 1854. I Altona. > n l 'X X D 1v. Einige Bemerkungen zu der Frage: Darf der o"' abgeschafft werden?") Von Kr. Satomon Cohn, Obcrrabbincr zu Maastricht. Die jüdische Gegenwart giebt sich erstaunlich viel Mühe, sich von den Armen ihrer Mutter und Pflegerin, der jüdischen Vergangenheit, loszuwinden, um also befreit von der Aufsicht und Umsicht dieser bedachtsamen, erfahrenen, treuen Führerin den eignen Weg auf der vielfach gewundenen und oft würdigen Mutter das Wort ihr entgegen: jl'vobb icvich 4,5a. «Verrücke und überschreite die Gränze der Vorzeit nicht, die die Väter dir gezogen." (Ps. 22, 8); aber die Gegenwart vom Taumel der Weltlust fortgerisscu, hört aus dem Rauschen und Stürmen des Zeitgewühls diese warnende Stimme nicht heraus, mit keckem Uebermuth reißt sie die Marken und Zäune nieder, die zur Wahrung und Hütung des köstlichen Fruchlgartens von weiser Hand sind aufgcführt worden und zerstanrpfk^itit bübischer Ausg.elassenheit die edle Pflanzung, die einem viertausendjährigen Geschlechte Erquickung und Labung in stets ungetrübter Frische, in stets strömender Fülle dargereicht hatte. Vergebens läßt die alte Zeit ihre treuen Rufe hören: ''c, ica 'v iz-äv cia wh-c ->I?c'. «Auf manches Ding sagt man, sieh' das ist neu, aber es war dies Alles schon vorher gewesen," denn: pH cvc^ oan c7u «es giebt gar kein Neues mehr unter der Sonne." (Koheleth 1, 10, 11); und die Gegenwart? — ihr erscheint alles neu, in kindischer Unwissenheit gilt ihr jede Schaumblase, die der Lebeusstrom auftreibt, als ein wunderbares, noch nicht dagewesenes Gebilde, als erzeugte sich die Menschengeschichte in fortgesetzter neuer Schaffniß und reproducirte nicht blos die Typen verschwundener Generationen 2-2!, h^ jv'v r-nh!» vi-he cm . Darum möchte sie umwühlen das Ackerfeld der Zeit und eine neue Gedankensaat ausstreucn, darum reißt sie mit kühnem Griff in die Geschehenisse der Vergangenheit ein, und möchtesieungeschehen sein lassen, darum ist ihr die Gegenwart, oder vielmehr ist sie sich selbst so genügend, so ausreichend für das Verständniß des religiösen Bedürfnisses, daß sie der großen Stützen des Alterthums zu entbehren vermeint und auf neuen Grundlagen den Bau deS jüdischen Glaubens Herstellen will. Allein was die Gegenwart bis jetzt als ein Erzeugniß ihrer Kraft hat hingestellt, trägt nicht den Stempel des Ursprünglichen an sich, nicht hat die Weihe des Genius sie berührt, die Schöpfungen, die sie an die Stelle jener von ihr zerstörren bringen will, sind nicht dem eignen Schooße entsprossen, nicht an ihrer Mutterbrust sind sie groß gezogen, nein! Adoptivkinder, von fremden Eltern geboren, hat sic in das väterliche Haus gebracht, daß sie darin herrschen und dem legitimen Geschlecht das angeborene Recht jireitig machen, rn obr> „sie gingen schwanger, kreisten und als sie gebaren, war's — Wind" (Zes. 26, 18). Was ist dem Judenthum von seiner Eigenthümlichkeit geblieben? Die Synagogen haben sie mit dem erbettelten Putz der Kirchen behängen, die Diener des einigen Gottes haschten gierig nach den Gewändern andererK'ultusdiener, dieheiligenKlänge eines tausendjährigen Ritus mußten verstummen und mit den verscheuchten wehmüthigen Tönen, die den Martyren finsterer Zeiten fowol als der untergegangcnen Herrlichkeit und Selbstständigkeit Israels nachzitterteu, er starb in den erkalteten Herzen die Erinnerung au Israels Leid und vertrocknete jeder Hoffnuttgskeim au Jsrael's einstige Wiedergeburt und Erlösung; uüd das Haus, dieser Altar, wo Priester des Herrn die Weiheopfcr ihres LebenS hinlegten, ist umgcstürzt, verunreinigt von schnöder, üppiger Genußsucht und ungezügelter Freudengier. Was ist dem Jttdcnthnm von seiner Eigenthümlichkeit geblieben? der Glaube, sagen sie, der Glaube an den einigen Gott ist das unterscheidende Moment des Judcnthums; aber auch das einzige Moment? Kennt das Judeuthum einen Glauben ohne die israelitische Thal, die ^:v? Mußten unsere Väter

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