Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 9 (5.5.1854)
- Date
- 1854-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 71) Derselbe N. R. Elieser S. Jakob sagte ferner: Man stelle sich während des Gebetes auf keinen (vom Fußboden) erhöheten, sondern nur auf einen niedrigen Ort (um damit gleichsam auf die menschliche Niedrigkeit gegenüber der Erhabenheit Gottes hinzudeuten) so wie es auch (Ps. 130, 1) heißt: „Aus der Tiefe rufe ich Gott zu Dir." So wurde auch ausdrücklich gelehrt, daß man wenn man betet, sich auf keinen Sessel oder Fußschemel stellen darf, weil man im Gebete vor Gott Dcmuth und Zerknirschung, aber keinen Hochmuch zeigen darf, wie es (das.) heißt: „Aus meiner tiefen Niedrigkeit rufe ich dich, Ewiger an!" und (das. 102, 1): „Nur in sich gehüllt und gekehrt, verrichte der arme Mensch sein Gebet vor Gott." 72) Derselbe erklärte ferner den Sinn des Verses (3. B. M: 19, 26): „Esset nicht u. s. w." auch dahin: Esset des Morgens nichts, bevor ihr um die Erhaltung eueres Blutes (des Lebens nämlich) zu Gott gebeten habt," wozu im Namen R. Elasar S. Jakob noch hinzugefügt wird, daß auf denjenigen der früher Speise und Trank zu sich nimmt, der göttliche Vorwurf (1. K. 11, 9): „Und mich hast du deinem Körper nachgesctzt," anwendbar ist, denn nachdem er sich gütlich gethan und seinen Körper gepflegt hat, anerkennt er erst die göttliche Oberherrschaft des Weltalls. 73) Die Rabbinen lehrten, daß man nach der Meinung der Schule Hillcl's das Morgen-Schema sowol stehend, als sitzend oder liegend, ja sogar auf dem Wege gehend oder mit einer Arbeit beschäftigt, lesen darf. Einst waren R. Jischmael und R. Elosor S. Asarjah in einer Gesellschaft beisammen; als die Zeit zum Lesen des Morgen-Schema kam, legte sich R. Elosor nieder um dasselbe zu lesen, wohingegen R. Jischmael aufstand. Freund! sagte R. Elosor zu ihm, du kommst mir vor wie ein Mann, der, sobald man ihm seines schön« n Bartes wegen Beifall gezollt hat, sich denselben gleichsam zum Trotz abschneiden läßt, ebenso bist du nur so lange gelegen, als ich gestanden bin, kaum legte ich mich aber nieder, siehst du gleichsam mir zum Trotze wieder auf, und während ich mit diesem meinen Niederlesscü^zum Sckcma-Lcsen die diesfällige Hillel'sche Meinung öffentlich bekräftigen wollte, gicbst du mit deinem Aufstehen hiezu die Veranlassung, daß man die entgegengesetzte Meinung Schamei's (daß nämlich nach dem Wortlaut (5. B. M. 6, 8) das Morgen-Schema nur stehend gelesen werden muß) auch zur Richtschnur auf immer nehmen wird. 74) Nach Raba lobt man Gott nur deswegen im Morgengcbete als den Schöpfer des Lichts sowol als den der Finsterniß, und des Abends als jenen der das Licht vor der Finsterniß und die Finsterniß vor dem Lichte wegrollt, weil man dem Allgütigen sowol Morgens als Abends für die alltägliche höchst wohlthätige Abwechslung von Tag und Nacht danken muß. 75) R. Juda Namens Samuel sagte und so wird'S auch im Namen des R. Nathan gelehrt, daß die Weisen einrichten wollten, daß man jeden Morgen ehe man das Schema liest, auch die zehn Gebote recitiren solle (so wie es auch die Priester ehemals im Tempel gethan haben); sie unterließen cs aber aus Besorgniß, daß der gemeine Mann dadurch auch der irrigen Meinung jener Sekte leicht beistimmen könnte, daß nur die zehn Gebote allein als heilig und göttlich ewig zu beobachten seien. 76) Zur Erklärung der Mischna (Tr. Tamid 5. Abschn. 1. Mischna) daß die vom Tempeldienste am Sabbath ans tretende Priester-Abtheilung (die sämmtlichen Priester wurden nämlich seit Davids Zeiten in 24 Abtheilungen getheilt, deren jede eine Woche im Sommer und eine im Winter den Tempeldienst zu verrichten hatten, an den Festtagen aber, wo viele Opfer waren, verrichteten Alle zusammen gemeinschaftlich den Tempeldienst,) noch einen Legensspruch zu den gewöhnlichen hinzufügten, erklärte R. Chelbo dahin, daß sie nämlich zu der an ihrer Stelle neu eintretenden Priesterabtheilung gesagt habe: „Der Allgütige der seinen heiligen Namen hier in diesem Hause thronen läßt, lasse auch zwischen euch Liebe, Freundschaft, Frieden und Einigkeit stets walten. 77) Sabah, S. des alten Chinena N. Nab sagte: Wer für seinen Nächsten zu Gott um Erbarmen beten könnte und unterläßt es, dem wird es zur Sünde gerechnet, so wie auch der Prophet Samuel (Sam. 12, 23) sagte: „Fern sei es von mir, mich wider Gott zu versündigen, daß ich aufhöre für euch zu beten." Ist der Leidende noch dazu ein Thoragelehrter, so verdient er es um so mehr daß man sich um ihn kümmere und dessen Unglück sich zu Herzen nehme, weshalb sich auch Saul in seinem Unglück mit Recht beschweren konnte (das. 22, 8.) „Niemand von euch kümmert sich um mich so wie es sich gebührt hätte." Man glaube aber nicht, daß ihm das nur gebührt hätte (da er zugleich König war) da doch König David von seinen gelehrten Freunden aus der Bürger-Classe auch gesagt har (Ps. 35, 13): „Wenn sie krank und leidend waren, war mein Gewand ein Traucrsack," 78) Derselbe sagte ferner: Wer sich seiner ausgeübten schlechten Handlung nur schäwt, dem wird schon deshalb die göttliche Verzeihung seiner Sünden zu Tbeil werden, so wie es (Ezechil 16, 63) heißt: „Damit du dich deiner Sündesi mit Schamröthe erinnern sollst" u. s. w., „wo ich dir dann all dein Vergehen verzeihen werde, spricht der Ewige." Daß dies aber nicht nur bei einer Gesammtheit (von der der Propher spricht) sondern auch bei einem Einzelnen der Fall sei, erhellt aus (1. B. Sam. 28, 15) wo Saul nur sagte: „Und er (Gott) antwortete