Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 9 (6.5.1853)
- Date
- 1853-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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teur des K. K. Oestr. Courier-Post der Lloyd-Gesellschaft bei dem allgemein bekannten wohlthätigen K. K. Oester. Consul Graf I. von Pizzemanno seit 3 Jahren angcstellt ist. Am verflossenen Freitag, den 19. März, veranlaßte derselbe bei sämmtlichen israelitischen Gemeinde-Borstehern in Jerusalem, daß man ein öffentliches Dankgebet für die wunderbare Rettung Sr. K. K. apsst. Maj. Kaiser von Oesterreich Franz Joseph I. von dem Anfall eines Meuchelmörders inbrünstig abstatte. Am heiligen Sabbattage, den 19. März, versammelte sich in dem wirklichen deutschen Gebethause p'j nwö unsebe sammtliche deutsche Gemeinde deren Mitglieder aus Preußen, Holland, Baicrn und Sachsen gebürtig sind, an deren Spitze gegegenwärtig waren: unser gütiger und vernünftiger Präsident Herr I. L. Schaap aus Amsterdam, H. vr. S. Frankel, welcher von Sir Moses Montefiore als Arzt in Jerusalem ausgenommen wurde, unser obengenannter Hr. S. Hauödorfer Hr. I. H. Schlank. Herr M. Sachs (welcher als Mitarbeiter des treuen Zions-Wächters bekannt ist). Von Seiten der österreichischen Unterthanen befanden sich gegenwärtig die Hauptschülcr des seligen Oberrabbiners in PreSburg, auch der K. K- Oestr. Unterthan. Herr A. Kiel, Dr. ineä., wie auch der brave bekannte Eigcnthümer der deutschen Synagoge, Namens Levi Zadoc, welcher zwar von der Gemeinde der v«n2 ist, aber sich doch durch seine Tugend und Frömmigkeit die Liebender Gemeinde gewonnen hat- Er war auch unser tüchtiger nach Amerika mit Herrn I. Schwarz. Er ist der Schwiegervater deS obenbcnannten Hr. M. Sachs. Selbst ein gewisser He r Nahum Prost aus dem Gubernium Warschau, welcher als der größte Talmudist von dort hier bekannt ist, hatte seine Freude daran,- um auch seine Andachtsstunde uns Deutschen zu vergönnen mir noch mehreren Mitgliedern der russischen und österreichischen Gemeinden, nämlich V'7'2N und V«N2. Nach Vorlesung der heiligen Thora und deren vollendete Bencdeiungen wurde das allgemeine 2v«n durch einen dazu bestellten berühmten Vorsänger abgelcfen, - mit noch besonderem Dankgebcte zu Gott für die wunderbare Errettung und für die baldige Genesung Sr. K. K. Maj., worauf ein allgemein schallendes Amen von der ganzen Versammlung erwidert wurde. Jerusalem. 22 vn« 6« 'w 77P r'v P°22 v>> ,r»s?p »»pk 2"2 I'd v'pk >!> 725 ^>7^> >u >o Wir haben dieses Mal einen schönen Zeitungsartikel für unsere lieben Brüder wie auch für das ganze Ausland in den treuen Zions- Wächter cinzuschaltcn. Ja einen Artikel, welcher klar beweist, daß der Gott Israels noch derselbe ist. dessen Auge stets in besonderem Wohlbehagen waltet über sein heiliges gelobtes Land. — Wir batten dieses Jahr einen zwiefachen Sommer, nämlich die große Sommerhitze dauerte bis zum jetzigen Monat fort, nur zweimal hat cs wenig geregnet. Schon war das Gras der Felder und Wiesen verdorrt, bas Gctraide, welches bereits schon zu einer Höhe gewachsen war, bekam ein bleiches Ansehen wegen der ungeheuren Hitze; seit Menschengedenken war in Palästina kein so starker anhaltender Sommer. Die Quellen versiegten. das Wasser, welches früher für 18 Para oder Heller der Schlauch gekauft wurde, mußte nun für 60 bis 70 Para gekauft werden, das Gctraide und alle Lebensmittel stiegen willkürlich im Preise, keine Polizei wagte ein Wort dagegen zu sprechen. Das Ansehen des heiligen Landes war gleich, behüte Gott, als wenn schon sein Untergang Ln vcr größten Nähe wäre. -Mehrere 2>7«> fingen an vw'-L» zu fasten, nachdem verrrrnete man io! „-rrn, aber nicht als Zwang, sondern nur aus 36 Liebe und als ew. Man fing an nach heiligen Plätzen zu wallfahrten, und wahrlich, cs zeigte sich einmal ein ungeheures Gewitter, Donner und schnell darauf folgender Blitz dauerte eine ganze Nacht, ohne aber etwas zu regnen; nie weiß man Ln Palästina ein Ungewitter, wo es nicht gleich geregnet hätte. Die Wolken flogen über die Dächer und alle Hoffnungen zum Regen waren vergebens. DeS Morgens schien die Sonne wieder so glühend wie im Monat Juni. Der Himmel war so heiter wie ein blaues Gewand. Nun sah man deutlich, daß das Unglück des NichtregnenS durch die Sünden der Menschen veranlaßt sei. Sogluch vcr» ordneten alle -Gemeinden einen wirklichen io! Vor Tagesanbruch, nämlich zwei Stunden nach halber Nacht, sagte man in allen Schulen unv alle 1722 rd-,?. Bei den r»-w 27-u, wurde bei den 07722 wie auch bei uns Deutschen besonders 72« geblasen, jegliches Herz zerschmolz bei dieser rührende Scene. Schon früher stellte man allenthalben Wachen auf, um' aufmerksam zu sein, ob. man irgend jemanden ertappen könnte bei einer Sünde, oder ob jemand wüßte nm eine Sünde, gleich viel P277 rwm r,"7-7 Freilich eine große Auszeichnung der Tugend für 'w v'wiv wo so viele tausende Familien wohnen und kein einziges Haus eristirt, welches nicht jüdischgcmäß leben sollte. Man ging von Morgens früh bis or>rv zn der heiligen »27Lv kein trockncS Auge war zu schauen. Ein jedes Herz war zermalmt vor Gram und Schmerz —. Traurig ging man in die Synagoge, man las!«», und siehe, auf einmal war der Himmel schwarz mit Wolken bekleidet, und noch in der 2:2;, fing cs an zu regnen, und so zn regnen ununterbrochen fort, daß es acht Tage bauerte, davon alle Cpsternen voll Wasser, worden. Wie frisch und grün steht das Gihonthal vor unfern matten Augen: alle Fluren und Saatfelder Palästina's find wie neu belebt und verjüngt. Die Menschheit im heiligen Lande ist von ihren Verzweiflungen wie neu geboren! Anzeige Die Stelle eines Rabbinen für die Provinz Fulda, mit welcher das Nabbinat für die hiesige Synagogen-Gemeinde verbunden ist, und deren Competenz sich ohne die Accidenzien aus circa 370 Thaler Fixum beläuft, ist vacant und soll alsbald anderweit besetzt werden. Etwaige Bewerber wollen sich dielerhalb unter Einsendung ihrer Sitten- und Befähi-. gungs-Zeugniffe an die unterfertigte Behörde wenden, wobei bemerkt wird, daß der anzustellende Rabbine den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen Genüge leisten muß, und daß bei demselben ganz besonders auf strenge Religiosität gesehen wird. Fulda, am 18. April 1853. Das Vorsteheramt der Israeliten der Provinz Fulda. H. Levi. S. Trepp. S. Oppenheimer. Redigirt von Dr. En och in Altona. Druck von Gobrüder Bonn. .