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Der treue Zionswächter · 1850-04-12 · 15 (12.4.1850) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
6 (1850)
Issue
15 (12.4.1850)
Date
1850-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mit dem bisher Gesagten dürfte die Frage: ' 2) Was lehrt' der Talmud in Beziehung der Pflichten gegen Nichtisraeliten? hinlänglich beantwortet, und schon so ziemlich bemerkbar gemacht sein, daß die Morallehre des Talmuds und der Kasuisten denn doch gar nicht staatsgefährlich sein könne, als unsere Gegner sö^gerüe glauben machen möchten. Suchen wir jedoch fraglichen Gegenstand etwas näher zu beleuchten. . Es ist eine längst bekannte, ich möchte sagen schon verjährte, betrübende Erscheinung, daß nicht selten Männer, denen doch der Talmud eine terra inooAnita ist, sich nicht scheuen, dieses viel umfassende reichhaltige Werk zu_bckritteln und sogar dessen Morallehre zu verdächtigen. Diese Männer suchen namljch —und — da ihnen das Original deö Talmuds „ein verschlossener Garten und versiegelter Quell? ist — auS Eisenmenger und Konsorten oder auch aus gehässigen Ueberfetzungen einzelne zweideutig scheinende, eigentlich aber mißverstandene Stellen aus dem Zusammenhangs herauszureißen, diese nach ihrer vorurtheilsvollen Anschauungsweise auszubeuten und sofort über den ganzen Inhaltsde.s Talmuds den Stab zu brechen. Allein ich frage: ist es gerecht aus solchen unlauter» Quellen zu schöpfen, um mit diesen unreinen Stoffen ein so gehaltvolles altehrwürdiges Lehrgebäude zu verunzieren? Ist es statthaft und ist es möglich, ist es gerecht und billig, aus einzelnen wenigen Fragmenten das Ganze beurtheilen zu wollen? Welchem gelehrten Israeliten ist es je eingefallen, aus einzelnen Stellen des neuen Testaments und aus manchen andern Quellen sich ein Unheil über die christliche Religion überhaupt zu bilden? - Wer den Talmud in der Ursprache versteht und in seinem Zusammenhänge wahrhaft kennt, der weiß es sicherlich, daß derselbe einen merkwürdigen Schatz von Wissenschaft, und Philosophie. in sich fasset, daß denselben ein Geist der Religiosität, der Sittlichkeit und Humanität durchweht, daß er sich nämlich als Hauptziel vorgesteckt hat, moralische Hebung und Veredlung des Israeliten durch Anhänglichkeit an seine heilige Religio». So habe ich auch bei anderer Gelegenheit aus zahlreichen Talmudsstellen evident nachgewiesen, daß viele Entdeckungen der neueren Zeit im Gebiete der Wissenschaft unseren gelehrten Talmudisten keineswegs fremd waren. Da man jedoch leicht geneigt sein dürfte/ das Unheil eines Rabbiners Und treuen Anhängers des Talmuds über den Werth dieses umfassenden Werkes für Religion- Philosophie Geschichte- Literatur und Rechtölehre als einseitig und partheiisch zu erachten, so erlaube ich mir das Urtheil eines christlichen Gelehrten anzuführen, der, wie keiner seines Gleichen, aus der Urq stellt des Talmud selbst schöpfte und sich das Studium dieses? Werkes zur Hauptaufgabe machte. ^JW Burtorf in seinen Abbreviaturen und. in der Dedukation zu seinem großen Chaldäisch-talmudische'n Wörterbuche, sagt über den Talmud wie folgt: „Der Talmud ist ein gelehrtes Werk, er enthält eine vielfache Gelehrsamkeit in allen Wissenschaften, er lehrt das ausführlichft^uüd vollkommenste Zivilrecht der Juden,. so daß sie nach demselben auf die erwünschteste Weise glücklich leben können. Er ist der lichtvollste Kommentar des schriftlichen Gesetzes, so wie dessen Ergänzüngsmitlel und Stütze. Er enthält viele juristische, medizinische, physische ethische, politischeastronomische und andere vortreffliche Dokumente von Wissenschaften, welche die Geschichte seiner,Zeit und Nation wunderbar empfehlen, er enthalt lichtvolle Sprüche, ausgezeichnete Sentenzen, geschmack- und sinnvolle Gedanken, die den Leser nicht nur besser, sondern auch weiser und gelehrter machen, und die, wie blitzende Juwelen, die hebräische Sprache nicht weniger zieren, als Me griechischen und römischen Klosfeln die Sprachen dieser Völker schmückest U. s w." Das Urtheil eines solchen..kompetenten Richters dürfte doch wo! glaubhaft sein! Selbst Hartmann, Professor zu Rostock, dessen Schriften über Judenthüm keineswegs der Geist der Humanität, durchweht, selbst dieser Gelehrte berichtet vom Talmud: Daß derselbe ächt religiöse und sittliche Lehren, scharfsinnige Entwicklungen und wissenschaftliche Aufklärungen; ferner, daß .er für Sprachknude, für Geschichtsforschung, für Älttrthüstrer und andere Zweige des wissenschaftlichen Wissensgewinnreiche Beiträge, so wie die Sprüche, Fabeln^ Parabeln und Erzählungen in sich fasse, die unterhaltenden und lehrreichen Genuß gewähren! (Archiv, 5. B. 1. Heft, S. 2L7). / V-

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