Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 51 (29.12.1920)
- Date
- 1920-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wwi W'fWWFT. VT^lv®^'t Stflt 1 Kr. 61 wenfgen Moflttfeti setaer Rifléruøf bel der gtwmten BevOtkerung efwwbtnhit. Weaa man 4te Jade« tranen«. Wenn die Prager Deutschen die Jaden an sfch løcken wollen, werden sie sogar demokratiser Im Pragef Stadtrat hat am 21. Bezember der DeatschbQrgerliche Herr R6ckl fotørende Erkltrung namens seiner Parteien abgegebeh: „Unserér Meinung nach kaan es den Dentsehen ifidischen Bekenntnisses nicht verwehrt werden, ihre Kinder in deutsche Schnlen zn senden. Als waftrhafte Demokraten haben wir auch dagegen nichts einzuwenden, daB die Juden, sdweit sie sich als eigene Nation fQhlen, ihre elgenen jfldischnatlonalen Schulen errichten, was flbrigens der Mindérheitsschutz des Priedensvertrages von Safttt-Germain, an den auch unsere Republik gebunden ist, vorsieht. Wir meinen jedoch, daB es entgegen aller Demokratie ist,auf Bilrger irgendwelcher Nationalitfit oder Bekenntnisses zu wirken und sie zu zwingen, bel der Auswahl der Schulen ihrer Kinder nloht so zu handeln, wie es ihr Qewissen erfordert." Das klingt sehr hilbsch, aber man erkennt den TeufelsfuB. Die Prkger Deutschen haben sich tun jfldische Forderungen ebensowenlg gekiimmert wie um .Demokratie. Wenn sie Jetzt leden Zwang bekfimpfen, sd wollen sie danrit eine SchmSlerung ihrer statist!- schen Bedeutung verhindern. Nachher werden sie fliren Nationalismus wieder zeigen, wie zum Beispiel an der Universitåt, wo der Numerus clausus ftbef Nacht eingetreten. ist. Sir Herbert Satnuel und der Bar-Mizwah-Knabe. Von einem hflbschen Zuge des Oberkommissfirs von Palfistina Sir Herbert Samuel berichten ietzt englische Blfitter. Vor mehreren Wochen beging der Knabe Josef Marcus im Cast End von London seine Bar Mizwah-Feier. Aus eigenem Antriebe verkaufte Marcus seine sfimtlichen Bar Mizwah-Qeschenke und trug den Erlos in das Palfistina-Amt, um ihn als seine “Bpénde fflr den Wiederaufbau Pålfistinas zu widmen. Durch das „Zionist Bulletin" erfuhr auch Sir Herbert Samuel in Jerusalem von dieser Tat des jungen Marcus und lieB ihm følgendes Schreiben zukommen: High Commissioners Office Jerusalem, 21. Dezember 1920. Mein lieber Jakob Marcus! lc!h håbe im „Zionist Bulletin" von Deiner lobenswerten Tat gelesen, daB Du Deine Bar Mizwah-Geschenke zugunsten des Palfistina-Wiederaufbaufonds verfiuBert hast. Ein soleher Bewels von Hlngebung und Opferwille von seiten eines der jilngeren S6hne Israels wird von den- Jenigen, welche mit dem Aufbau Palfistlnas beiraut sind, in hQchstem MaBe gewertet und bietet die hoffnungsvollsten Aussichten filr die Zukunft dieses Landes. Mit alien besten Wtinschen Dein aufrichtiger Herbert Samuel. Ein wlrhtlger hlstorlscher Fund In Mesopotamien. Die englischen Ausgrabungen in der hettischen Residens Karkemisch, haben bei der Aufdeckung eines grofien Hauses zu einer einzigartigen Entdeckung geftthrt, die auf den Pharao Necho hinweist. Dieser wurde 604 v. d. libi. Zeitrechnung am Euphrat zn Karkemisch vernichtend geschlagen. In der dick auf den FuBbbden des Hauses liegenden Asche und namentlich in seinen Eingfingen lagen ganze Haufen von Bronze- und eisernen Pfejlspitzen, Lanzenspitzen, zerbrochenen Schwertern usw., die zeigten, wie die Verteidiger von Raum zu Raum zurilckgetrieben wurden. Siegelabdrflcke von Papyrusdokumenten identifizieren die Schlacht, von der der Prophet Jeremias berichtet; eln Bronzeschild mit Reliefs weist auf griechische Sdldner im Heere des Pharao; Bronzefiguren der Isis und des Osiris zeigen die intimen Beziéhungen zu Aegypten. Zeichen der Zelt. Dem Entdecker der Relativitfitstheorie, Albert Einstein, wurde es unmdglich gemacht, in Mttnchen offentlich fiber ein wissenschaftliches Thema zu sprechen. Der Wiederentdecker der Rohlingschen Unwabrheiten fiber den Talmud hingegen kann seine Weisheit tfiglich ungestOrt durch landfremde Elements den Mtinchenern zum Besten geben. Albert Einstein und der Talmud bleiben trotzdem, was sie sind und waren. Qb aber auch die Kulturstadt Mfiuchen, ist eine audere Frage. Beruisvorfoer^tuog. Das Mitglied der Prfisidialkommission des Volksverbande* der Juden flir die Slovakei, Herr Markus Wemfetd fa Bratislava hat zum Zwecke der Berufsvorbereituof ffir Palistlna einen Plan znr Qrfindung einer Lederfabrikations-Qenossenschaft in Verbindung mit einer Qerberfachschule filr die Jildische Jugend entworfen. EM zur Verwirklichung dktses Planes gegrfindetes Komitee hat sich mit einem Rundschreiben an die ifidischen Krelse gewandt, um Unterstfitzung des Planes zu finden. Der Verein der Handwerkstfitten ffir jildische Mfidchen in Lemberg unterhålf seit einigen Jahren, gteichfalls zum Zwecke der Berufsumschlchtung, ein Institut, welches stfindig 90 bis 140 Mfidchen in Handwerken ausbildet. Die Ausbildung erfolgt in der seit 1915 in Betriéb befindlichen Fachschule ffir Mfidchen auf genossenschaftlicher Grundlage, die in folgende Abteilungen zerfållt: Damenschneiderei, Wfische, Stickerei, Trikotagen, Spitzenkl&ppelel und ^Modéartikel. Archlv ffir die Frage der Sonntagsruhe. Die Wiener Zentrale der Agudas Jisroel hat eine Zuschrift von dem Zentralbureau der agudistischen Organisation „Schlome emuné Israel" erhalten, in welcher gebeten wird, mit Rficksicht darauf, daB der polnische Reichsrat die vollstfindige Sonntagsruhe eingeffihrt hat und auf die wiederholte Intervention der „Schlome emuné Israel" fur eine Konzession an die sabbathfeiernden Juden, um Vorlage des Materials der Regelung diese Frage in Westeiiropa und Amerika ersucht hat, die Wiener Zentrale nun dringendst die betreffenden Gesetze, Verordnungen, Parlamentsprotokolle, Broschfiren usw. bescjhaffen moge. Die Wiener Zentrale der Agudas Jisroel will bei diesem Anlasse gleich ein ffir alle Ffille dienendes „Archiv der Sonntagsrnhefrage" schaffen, welches alles auf diese immer dringender werdenden Frage bezugnabende Material sammeln wird und spfiterhin auch eine kurze Zusammenfassung aller ffir die Gesetzgebung wissenswerten Momente edleren wird. Wir richten daher an alle ifidischen Zentren Westeuropas und Amerikas sowle .an alle groBeren Qemelnden und an Personen, die in dieser Frage mit Behorden verhandelt oder darfiber geschrieben haben die Bitte, dem Zentralbflro der Agudas Jisroel Gesetzesvorlagen, Verordnungen und Parlamentsprotokolle ihres Landes, Broschfiren, Memoranden, Artikel oder Notfzen zu senden an die Adresse! Zentralbflro der Agudas Jisroel, Wien, II., Malzgasse 12, fUr das Archiv fflr Sonntagsruhe. — Auch sind unsere jfldischen Schwesterorgane gebeten, diese Mitteilung im Interesse der groBen Sache zu publizieren. John Lawsoit gestorben. Wie aus London beriohtct wird, ist der. englische Schauspieler John Lawson im Alter von 55 Jahren gestorben. Lawson, der ifldischer Abstammung war, war einer der populfirsten Darsteller von Sketchs in der Londoner Music Hall. Interessant ist, daB er éin elgenes Genie, den „judenfreundlichen" Sketch, in das Repertoire der Music Hall einftihrte. In den Einaktern, die dort gegeben werden, bildete fruher hfiufig der Jude eine komische Amusirfigur, die verlacht und verspottet wurde. Lawson, welcher als Erster. ernste Sketch im Repertoire der Music Hall einffihrte, bevorzugte nun solche Ejnakter, in deneri die Juden sympathisch gezeichnet waren und auf ihre Leiden hingewiesen wurde. Den grofiten Erfolg hatte er mit dem Judenfreundlichen" Sketch „Humanity", den er vor fast einem Vierteljaftrhundert verfaBt und der in England, Amerika und SHdafrika begeisterte Aufnahme fand. Das sentimentale Lied „BloB eln Jude", das in diesem Sketch vorkommt, wurde sehr populfir. Auch ein Sketch, „Disraeli", welcher die Taten des jUdisch-englischen Staatsmannes Lord Beaconsfteld verherrlichte (Lawson spielte die Titelrolle), fibte ebenfalls groBe Zugkrait aus. Lawson, der ein ausgezeichneter Darsteller war, war belm englischen und Ifidischen Publikum — das sich in der Vorliebe ftir das Sentiment berflhrt — llberaus beliebt. Korrøspondanzen. Velké Topoléany. Die hiesige zlonistische Ortsgruppe „Makkabfia" veranstaltete am 1. Tebeth eine imposante Chanukkafeier mit folgendem Programm: 1. Herr Dr. Julilts Diamant hielt einen groBangelegten Vortrag Aber „Hellenismus und Makkabfierzeit". 2. Lebendes Bild „Menorah", wobei der Mfidchenchor Moaus Zur sang; Fri. Rosa Ehrenwald aus Neutra deklamierte schliefilich das Qedicht „Chanukkalichter" von Morris Rosenfeld. 3. „Husika", ungariaeher Dialog, vorgefQhrt von FrL llonka Back und Herrn Sandor WeiB. 4. „Die Rose von Zion", gesungen von Fri, Irma WeiB und Rosa Ney. „Die Schwfle", gesimgen von Fri. Kamilla GoWstein und Nancsi Wlttmann. 5. Dialog: „Rendezvous", vorgefflhrt von Fri. Etelka Roth und Herrn Desider Fridiger. 6. „Der Sturm" von Morris Rosenfeld, Deklamiert von Fri. Plroska Roth. 7. Ungarischer Monolog, vorgetragen von Fri. llonka Erdds. 8. „Menschenzweck", Jiddisches Couplé, gesungen von Fri. llonka Beck. 9. Couplés, vorgetragen von Fri. Rosa Ehrenwald aus Neutra. 10. Jiddisches Couplé: „Sugsche Schwestet eben", gesungen von Fri. llonka Beck und Herrn Eugen Håber. Eroffnung und SchluB mit der Hatikwah. Ganz besonders hervorzuheben sind die jiddischen Couplés des Fri. llonka Beck, die durch ihr kUnstlerisches Auftreten der Feier das volle jildische Geprfige gab. Temesvar. Im Festsaal der Israelitischen Kultusgemeindc tagte die vom Jfid. Nationalverband fflr Rumfinien efnberufene Konfcrenz der Judenschaft des Banats unter Vorsitz des greisen Oberrabbiners von Buzias. Die Versammlung verlangte von der Regierung die nach dem Friedensvertrag als nationale Minderheit zugesicherten Rechte und besdilofl energische Propaganda fflr den Keren Hajessod. In Galatz wird ein Auswanderungsheim errichtet. Wien. (Notstandshilfe fflr jildische geistige Arbeiter.) Ein Komitee, bestehend aus Vertretern hervorragender Korporationen, hat eine Aktion Mittelstandsfilrsorge fflr notleidende jildische geistige Arbeiter und deren Angehbrige ins Werk gesetzt. Die Aktion arbeitet in engster Verbindung mit dem Verein zur Rettung verlassener jfldischer Kinder (IX., Universitfitsstrafle 4). Die Aktion will Familien des Mittelstandes zunfichst dem durch Krieg, Gefangenschaft oder Krankheit in . Not geratenen geistigen Arbeiter durch Versorgung mit dringendsten Bedarfsartikeln (Bekleidung, Lebensmittel, Brennmaterial usw.) helfen. In den ersten zwei Monaten ist es gelungen, ungeffihr 300 Familien (weitere 100 sind schon vorgemerkt) mit guter Winterkleidung fiir die Kinder und anderen Artikeln zu versehen, und zwar weit unter dem Anschaffungspreise. AuBerdem wurden viele Mitteistandsfamilien in Not mit billigem Holz versehen. Fflr diese Aktion sind bisher unter anderen auch folgQnde namhøfte Spenden zugegangen: Chief-Rabbi Dr. Hertz, London, durch Oberrabbiner Chajes K 200.000; ein hochherziger Freund, Wien, „In memoriam, Helene L.“ weitere 160.000 K; (im AnschluB an seine frilhere Stiftung „Dem Andenken eines gefallenen Helden" von K 200.000); ein ungenannter Wohltfiter, Wien, mit dem Motto: „Wer ein Herz hat!" 150.000 K; Verband B’nai Brith fiir O^stérreich und Jsraelitische Allianz zu Wien, 149.000 K; aus einer Spende aus Deutschland durch die Alliance Israelite, Wien, 144.829*76 K; „Eintracht" B’nai Brith, Wien, 125.000 K usw. Weitere Spenden werden erbeten an die Mittelstandsfursorge, Wien, IX., Universitfitsstrafle 4. Wien. (23.000 Personen in 9000 Wohnungen.) Man schreibt uns: Die antisemitische Hetze gegen die Ostjuden ist hier in den letzten Tagen in ein neues Licht gertickt worden. Eines der Hauptargumente der Hetzer war, daB die „Flfichtlinge" aus Galizien der einheimischen BevSlkerung die Wohnungen wegnehmen und somit die Ursaiche fflr die furchtbare Wohnungsnot in Wien wfiren. Bei der letzten Geaemeinderatssitzung kam diese Wohnungsfråge zur Sprache, wobei von antisemitischer Seite wiedftr ftinmal die Hetze gegen die Ostjuden eingesetzt hat. Btirgermelster Neumann. der jetzt Landesprfisident von Wien-Land und somit die oberste Instanz in dieser Frage ist, erklfirte zunachst, dafl man mit dem Schlagwort: „Ostjuden hinaus!" die Wohniuigsfrage nicht 15sen kann, da diese keineswegs bloB eine Folge der in Wien weilenden Flfichtlinge ist. Diese nehmen fibrigens nicht allzuviel Wohnungen in Anspruch. Die amtlichen Erhebungen haben vielmehr ergeben, daB nicht weniger als 23.000 Personen in 900 Wohnungen zusammengepfercht leben. Man mflsse bei der Ausweisung der „Fremden" gerecht vorgehen, unter Berucksiohtigung derjenigen, die hier einen ehr- Hchen Erwerb besitzen. — Wie groB muB das Elend unter diesen Fliichtlingen sein, daB sie in solehen Mass^nquartieren leben miissen. Warschau. Die Beratungen, welche die Statthalter in dén einzekien polnischen Provinzen mit dén Vertretern der jildischen Parteien' fiber das jfldische Problem und die polnisch-jfldischen Beziehungen abhalten, haben den Zweck, dem Minister Daszynski 1