Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-12-02 · Heft 48 (2.12.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 48 (2.12.1920)
Date
1920-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622115--4585-2625881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 V1^ jeNtTi?*-' MK!.u<ip iiinHiw'« Bezu halbiAhrig . . . .K5 26.— ganzJAhrig . . . .KC 50.- Deutschdsterreich . .K 90.— Deutschland . . . .Mark 40.— Redaktion u. Administration: Brfitin, Krapleng. 19. Inserat«: der einepaltlge Milllmeterraum KC —‘49. Unverlangte redaktionelle Beitf Age werden nicht honortert. Manuskripten ist Rflckporto beizufQgen. Jahrgang XXI. BrOnn. *■ » 21 Kliliw 2. OaztÉiir 1020 6681. Nummer 48. Dia P. T. Abnehmer, dla'mlt der Bazahlung dat Abonnamantbetragas Im RUckttande sind wardan um freundllchø Bezahlung dasseiben ørsucht, damlt in der Zusendung dsa Biaites kølne Unterbrechung olntrltt. Die Administration. Die MakkabAér als Erzieher. Von Fabius Schach. Was ist es, was die MakkabAér in der Qeschichte po grofi erscheineit lAflt, was diese jiidischen Gestalten so anziehend macht?' Man Mr dajf noch nicht soweit, aus der Vernichtiing eine Kunst und aus der Menschenvertilgimg -eine Wissenschaft zu machen. Es ist nicht ihre Staatskunst. Denn sie waren keine Diplomaten, trieben keine Kriegspolitlk und schiugen nicht Kapital aus der SchwAche anderer. Es ist auch nicht der unvergleichliche Erfolg ihrer Kriegsflihrung. Denn die Jiidische Qeschichte weiB, dafl Erfolg und Ruhm nicht immer mit wahrer Gr6Be gepaart sind, sie hat auch fUr tragisches Heldentum VerstAndnis. Wohl aber ist es die grandiose ethische Auffassung vom Lebenszweck des Volkes, die sie groB macht und ihnen ein hbheres Heldentum verleihj. Denn die Idee Ist es, die eln Volk zusammenbalt, nicht die Aufiere Macht. Die Idee, die Israel vom Beginn seiner Qeschichte an lenkt, ist der gbttliche Beruf des sittlichen Emporringene, der Ctedahke dér Vertiefung und Veredlung des Volkes, das Empfitrden, daB das Leben einen Sinn haben mufi. Das érkannten die MakkabAér in aller Klarheit Ind Tlefe, und darin liegt ihre Grdfie. Sie sfifd schlichte Mertschen aus edlem Stamme, die vielleicht gar nicht giaubten, das Schwert zu ergreifen. Da sehen sie den Niedergang ihres Volkes durfh die Verdunklung des gbttlichen Gedankens. Ihr Nationalismus ist -rein réiigi&er Natur, sie erblicken in der- BerUhrung mit .dem Oriechentum die Ver.weichlichung, den Kefm der sittlichen FAiihiis. Und immer dreister erhebt dér Feihd das Haupt. Er weiB, wo die-StArke Israels ruht und er will das Herz treffen. Er entweiht den tempel, das Symbol aller Heiligkeit, durch den høidnischen Kultus dér Sinnlichkeit, er verhøhnt den;' Lebensgedanken des jiidischen Volkes Traurig xg^ridelt dér alte Juda Makkabi um das~ entwehjfe yolksheillgtum und eln Uéfc^Sclmejtie^rfaBt 8^8 fis gibt sich den%erftthrerischeri Kultiis des Schflnen wehrlos hin und ahnt nicht, daB er seiné Kraft aufsaugt. Es wird immer mehr angekrftnkelt von griechischer Degeneration und vergiBt sein Wesen und seinen .Ursprung. Merkt es gar nicht, daB es dem Untergang entgegeneilt? Wo sind die Hélden lind Propheten? Warum schweigt der Herr Zebaoth und fAhrt nicht mit seinem vernichtenden Grlmm drein? Wo bleiben die gdttlichen Wurider, von denen die Vater gesprochen? O, daB ich jung und stark WAre, um die Schmach zu råchen und das Volk vor sich selber zu retten 1“ Da ist. es ihm, als wenn eine Stimme von oben ortbnt: „Du bist stark und groB, wenn du willst. Das Schicksal des Volkes liegt in deiner Handl" Und er rafft sich auf, alles Zaghafte ist von ihm gewichen, und mit dem Rufe „Wer fUr Qott kAmpfen will, eile zu rnirP* sammelt er ein kleines Heer. Der Wille ist FEUILLETON. Chanuka 1920. Prolog von Erich D u t en. Heut* ziinden wir die Lichter wieder an, Die zwei Jahrtausende VerheiBung waren, So wie sie auch Erinnerung erweckt. Erinnern schenkten sie an schwere Tage, Da aus des Hasses tiefstem Sorgendunkel Ein Mann der Ahnen Schar zum Lichte rief, Da Mathatiahus Ruf der Juden Schar ZuriickgefQhrt zu sich, zum neuen Glauben An Judenkraft und tausendiAhrige Sendung. Und all sein Weckruf durch das Land erscholl, Erheben sich die Schwachen und BedrQckten, Das Land, das son$t von Klagen widerhallte Erscholl von Kampfesliedern, ernst und klar. Und seiner S5hne Taten setzten fort, Was ihres Vaters machtvoll Wort begann, Aus tausend Feinden holten si« den Sieg, Aus Schmach und Knechtschaft schriiolzen sie ein Schwert, Das Freihelt unserem. Volke wiedergab — Ein neues Leben lebte Oottes Volk, Und doch war lenes Licht VerheiBung auch. Zweitausend Jahre hatten viel geAndert; ZerstOrt das Reich, verstreut der Juden Volk, In fremder Vblfcer Relhen fast verschmolzen, Erharrte deanoch treu der Juden Herz, Die neuen MakkabAér ,die zum Licht, Zur neuen Freiheit Wege bahnen soilten, Die aus des Hasses tiefstem Sorgendunkel Die Bahn zu neuer, bess’rer Zukunft Sonnen, Durch mAohtiges Wort, durch mAchtigere Tat Begliickten Enkeln endlich weisen soliten. Und Jahr um Jahr zlindeten wir Lichter Zu Chanukkah und hofften Jahr um Jahr Auf einen neuen HasmoAerfriihling, Und sah’n im Lichterglanz VerheiBung schimmern, DaB solch ein Volk, wie einst im Heimatland, Auch heute neue MakkabAér zeuge. Und uns’re Hoffnung ward zur Wirklichkeit. Ein Mathatiahu ist uns auferstanden, Der machtvoll Worte der Erweckung fand, Der alle SAumigen zu Taten rief, Der lAngst EntschlummeffSI in$ Leben lockte, Der Juden wieder Juden werdén lehrte Und gegen HaB uud Neid mit klarer Stim Und offenem Visier die Wahrheit steilte. ’ Sein Ruf fand ein begeistert lautes Echo Und seiue Zeit faud ihre MakkabAér, Die obne Waffen, mit der Wahrheit, Kraft, Mit ihres Geistes, ihres Glaubens Stirke Die Welt bezwingend, neue Wahrheit scbufeo. San Remo kam es glAnzt eln neuer Tag, Eiu neuer HasmonAer-Frahling blliht, Die Heimat ist uns wieder neu geschenkt, VerheiBung, Heffaung, Traum ist WirkUcBkeit. Wenn hent* die Lichter doppelt helt ergiAnzen, Wenn unser Hers verdoppelt Freude fBblt, die Richtung, die Begeisétrung ist die Strategie dieser MAmter, und in diesem Zeichen siegen sie und vollbringen Wunder. Wunder? Nein, Natur, sie sind zu ihrer Natur zurQckgekehrt, dem Bom aller Kraft Denn Immer slegf die Idee und nicht die Mechi In der geschlossehen Persflnlichkelt, im krlstallisierten Willen liegt die GrdBe der MakkabAér. Da ist kein Grlibeln and WAgen, kein Zweifeln und Zågen, es ist ein itinerer 6eruf, der zum Handeln treibt. Ich muB, was liegt an hrir, wenn ich .zu Grunde gehe? Die Idee, das Volk muB siegen! Aus dieser festgeschmiedeten Einheit, aus dieser Harmonie mit Gott, mit sich und der Volksgemeinschaft strfimt die gewaltige Kraft. Und immer In der Qeschichte, wo die ,Juden ihrém inneren Berufe treu blieben, waren sie groB und stark. Unser UnglBck ist heute die Zerfahrenheit, der Mangel an Geschlossenhéit, an Harmonie^ von rDenkejn und Handeln. Wir sind mit un^ selbsLnicht ^[|^|i tfil densgesohichte hat wohl manchés getriibt, aber nichts zerstfirt. Eine Aufl&surigsepoche vor BO bis 70 JaTiren hat un& - grQndlich angefault. Wir sind uns selber fremd geworden, wir fiirchten uns vor unserém Mut. Wir denken keinen Gédanken konsequent aus, hasten und rasen. Kaum haben wir eine Idee erfaBt, Ist sie uns schon zu alt, Uberwund^n. Wir haben, wie manche moderne Frau bei den Kleldern, eine perverse Freude am An- und Ausziehen. Wir haben den groBen, gewaltigen felsenfesten Glauben verloren und sirid auf der ewigen Suche nach eiriem Ersatz. Es gibt aber keinen Ersatz daftir. Wir fingen an zn analysieren, zu vergleichen, statt dem Zuge der Geschlchte, dem innersten Volkswesen zu folgen. So sind wir immer schwAcher und schwAcher geworden. Wir predigen Freiheit, weil wir die Tragfidie langer .Tahrhunderte in uns tragen, aber wir reden zu viel So ist’s das Echo jenes Freudenfeste_s, Das uns’re Brilder auf der Heimat Scholle Nach 2 Jahrtausendén das erste Mal Auf MakkabAerboden neue MakkabAér, Héut’ feiern dtirfen als ein Chanukkah, Wie’s nur in TrAumen unser Herz ersehnte. Des Volkes Glaube an des Volkes Kraft, Es war das ew’ge Licht, das ungenAhrt Aus eigner Quelle stAte Flammen sog, Die uns die Finsternis so hell purchgliihten. Und Herzls Ruf, des Mathatiahu Sendung Emeuernd, schuf uns MakkabAerniut, Sein Wort erweckte lang Vergessenes, Sein Geist befruehtete die Hoffnung neu, Sein Werk hat uns die Heimat neugeschenkt Ein zweiter Mathatiahu ist entstanden, Der, wie selii Vorbiid, vor dem Ziele starb. Doch seiner Worte, seinés Geistes Sbhne, Die MakkabAér setzen mutig fort, Was er geekt. Blickt in die Heimat hin, Eint Euer Dankgébiet mit dem der BrQder, Die In der Heimat wirken,' uns’rem Volk, Die Heimat friedlich neu uns zn erobern, Als neue HasriionAér.' Und dann wisset,. Wir feiérø heut’ ein Fest, wie keines war, Wir sind der MakkabAér Zeltgenosse« Und unser, unser Fest ist Chanukab! Uerbréttt die „ladiscbe UoifcMtiwme”

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.