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Jüdische Volksstimme · 1920-10-28 · Heft 43 (28.10.1920) · page 7

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 43 (28.10.1920)
Date
1920-10-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hf. 4$. rtiths Vormtfr vérfiftentlicht. Knåøp und klar geschrieben, mft grtlndlichen Anmerkunten, dia den Bfinden angehfingt sind, stellt dieses Werk keine gemeinverstttndllche Qeschichte dar, sondern ist ein Quellenwerk ersten Ranges, das slch weniger amge-. druckte Literatur als hauptsichlich auf archivari« sches, unverdffentlichtes Material stutst. Schlifter folgt in der Annahnie, daB die im Vormftrz treibende Kraft der Reaktion nicht M e 11 e r n i c h der Reichskanzler, sondern Kolowrat, sein Nebenbuhler, war, auch den Anschauungen August F o u rnier’s, der auch lehrte, Metternich hatte sich in dieser Zeit, weniger um innere Angelegenheiten der Monarchie gekUmmert, denn um europftische Politik. Metternich war Anhfinger einer fdderativen landes* autonomischen Monarchie und schfirfster Qegner el* nes zentralistischen germanisierenden Systems. Ob weiteres Quellemnaterial diese Anschauungen erhftrten wird, wftre abzuwarten; sicherlich aber kUme Metternich in ein ganz neues Licht. Es wftre nur zu vtfunschen, daB S c h 1 i 11 e r eine Qeschichte des Vormftrz schriebe, und dabei alle Seiten des dama* ligen Lebens erschU'rfte. Denn das die Ferdinandische Zeit nicht nur im Streite der Stfinde mit den Hofstellen, dem Staatsrat und der Regierung bestand, ist doch einleuchtend. Wir wiirden eine eingehende, der soziologischen Methode gerecht werdende Qeschichte des Vormftrz brauchen, und die kann heute in Wien nur Hans Schlltter schreiben. Moskau 1920. Tagebuchblåtter von Dr. Alfons Goldschmidt. Ernst Rowohlt- Verlag, Berlin, 1920. Mark 11, geb. Mark 16. Seit dem Alfons Paquet sein „Kommunistisches Ru81and“ geschrieben hat, sind die Berichte uber dieses wirtschaftliche Wunderland versiegt. Im Sommer erschien nun endlich ein Werk, von dem man vermuten konnte, daB es authentische Berichte iiber Sowjet-RuQland bringen wird. Prof. Goldschmidt, der Rufiland bereiste und nun in den Tagebuchblåttern einen kleinen Ausschnitt aus dem heutigen russischen Leben gibt, beabsichtigt in Kiirze ein groBeres Werk „Die Wirtschaftsorganisation Sowjet- Rufilands“ im gleichen Verlag zu veroffentlichen, das sicherlich die Aufmerksamkeit all derjenigen auf sich lenken wird, die fur das gesellschaftliche und wirtschaftliche Neuland grofies Interesse haben. „Moskau 1920“ zeigt Augenblicksbilder vom werktåtigen RuBland. Hervorzuheben waren die Kapitel: Der 1. Mai. Kirchen und Kapellen. Proletarisches Meeting. Fabriksbesuch. Stiinkel. Im Glawk-Textil. Das Buch kann trotz vorkommender Mangel warm empfohlen werden. Theater der Oegenwart. Bruno Lange: „Mariana di Alcoforada.“ Ein Schauspiel der Liebe. Georg Muller-Verlag, Mimehen 1920. Die funf portugiesischen Briefe der Nonne Mariana di Alcoforado (herausgegeben von Rainer Maria Rilke) aus dem Kloster Maria Conception bei Beja in Portugal, geben der vorliegenden Dichtung den Stoff, die uns um die Zeit des Jahres 1650 die Liebe der schdnen jungen Nonne Mariana zu dem Reiter-Kapitån Noel Bouton, Marquis de Chamilly schildert. Dieses Schauspiel hat vor den vielen jetzigen Neuer* scheinungen das voraus, daB es in einer wunderbaren Sprache geschrieben ist, eine Tatsache, die man heute mit desto groBerer Freude konstatieren muB, als unsere Expressionisten in dem Wahne leben, je salopper, verdrehter, verkriippelter die Sprache ist, das Werk desto schoner werde. Obrigens genfigt der Verlag Georg Muller, um das Beste zu erwarten. Semyon Afanasjewitsch Wengeroff gestorben. Aus Petersburg kommt die Nachricht, daB dort der bekannte russische Literaturhistoriker und Kritiker S. A. Wengeroff am Typhus gestorben ist. Wengeroff war Jude von Geburt; seine Mutter, Pauline Wengeroff, hat das feinsinnige Buch „Memoiren einer GroBmutter“ geschrieben. Der Sohn lieB sich nach Beendi* gung seiner Hochschulstudien taufen. In den „Meoiren einer GroBmutter“ kommt Pauline Wengeroff auf diesen Schritt ihres Sohnes zu sprechen, den sie in mfitterlich-rflhren* der Weise zu verteidigen sucht. S. A. Wengeroffs literarhistorische Untersuchungen fiber Puschkin, Lementoff u. a. sind reaktionår. Nach der Revolution wurde er Vorsteher des altrussischen Bficherpalastes, einer riééigen Zentralvolkibibliothek, welche vom Staate errichtet wurde. Wengeroffs literarhistorische Untersuchungen aber PuschkiiL Assimilant der russi* wurde. Wengeroff hat far die jiddische Literatur lebhaftes Interesse bekundet. Mit ihm verliert die russische Literaftir einen ihrer grOBten Kritiker. An die Jlldlschø BevOlkerung Briinns! Die allgemeine Not, in der sich die JUdische Bevdlkerung des In- und Auslandes befindet, hat das besondere Elend der jUdischen Studentenschaft mit sich gebracht. Die Farben kdnnen nicht genug grell sein, um die Notlage dieses Teiles unserer JUdischen Jugend zu schildern. Wenn nicht ehebaldigst hier ausreichend Hilfe geboten wird, liegt die Qefahr vor, daB die Intelligenz unseres Volkes den Entbehrungen dem Hunger und der Kftlte unterliegt. Hier muB warmflihlende JUdische Wohltfttigkeit energisch eingreifen, um das drohende Uebel von linserer Hoffnung, unserer Jugend, fern zu halten. Viele hunderte Studenten sind in unsere Stadt gekommen, um hier an den Hochschulen ihre Studien fortzusetzen, weil grausamster Antisemitismus sle von den heimatlichen Hochschulen fern halt. Mensa academica und Jéwish Joint Dlstrubution Comitee sind nicht im Stande allein die Lasten der notwendigen Ftirsorge zu tragen und so gibt es heute noch viele Studenten in unserer Stadt, die dem grausamsten Hunger preisgegébéfi sind.; Die JUdische Frauenorganisation erachtet es nun ais ihre Pflicht hier helfend einzugreifen und regt an, dies jn der Weise zu tun, daB den in Betråcht kommenden Studenten in einzelnen Privathftusern Mittags- und Abendtisch verabrelcht reicht, respektive Uber Wunsch der Familien auf Kosten derselben in der iUdischen Mensa academica verpflegen zu lassen. Die Organisation nimmt an, daB diese Anregung von der jUdischen OeffentHchkeit begrUBt werden wird und bittet alle jene, welche sich an der Aktion in der einen oder anderen Form beteiligen wollen, ihre Zustimmung dem Sekretariate KoliSté 57, Telephon 2865 bekannt zu geben , JUdische Frauenorganisation In Briinn, KoliSté 57. Brleikasten. Dr. O. F. Sie fragen An, ob es uns bekannt ist, daB der Verwalter des Israel. Versorgungshauses, Herr Jokl, die Kuratoriumsmltglieder mit Lebensmitteln versorgt, statt sie den PflegUngen zukommen zu lassen? Da mUssen wir lelder gestehen, daB uns da von nichts bekannt ist. 1920 g8»$mtttlenbet 5681. prn Okt. F e 311 a g e rrmtn so 31 i I * * 4 5 6 HTl .»an »r'an »jr psnsrn twn now rrøn rrw »n tennrr pnao rrm nrw tin fjum ManUiol-Franibranntwaln AI D A " Øaiundhalti-Zahnerflmi „ALT a Dat basta auf diasam Bsblsta. mmnm'i—..-- 'i Mtmm «H UrHm l» IMkM Kulter- IMar dar OtiMwi Heraasgegtben von Frits Mordechal Kanfuw 1 nhalt: ReligiOse und ehassidische Lieder. — WiegenUeder. — Kinder* und Chederlieder, — Liebeslieder. — Mfirchennnd Hochseitslieder. — Lieder aus dem Bertich der ftamilie nnd der Handwerker. —• Soldatenlieder ond Lieder aus jlem Voiksleben. — Metodfenaufzeichnungén. — Otossar Transkrfption. Diese Auslese von 47 Liedern des Ostens erhalt ihren selbstAndlgen Wtrt durch die Tatsache, daø ein wohlfeiles und!n fedem Belåne reprftsentatives jUdisches Volksilederbuch fttr die praktfsche Benutzung, besonders der Weitiuden, bisher nicht erschtenen Ist. Diese Lieder entzUcken durch dfe PQlIé und Qewalt des lyrischen Ausdrucks und den wannen Qlanz ihrer Melodien. Preis geschmackvoll gebunden KU 40.— M. HICKL’S VERLAQ, BrUnn, Adfergasse 9. 01« „JddfMhnttlonnli Vartfnf|ungM Brfinn suoht einen v —Sskreilr — der doutsehonn. isohiohltohon Spraoht nlobtlg. Qutar Radner und Organisator, Jdtornallatlafh befihlgt. Øøhalt 30.000 KfiJIhrl. OffaHb alnd x« riehtan an dia „JQd.-nat Varalnlgung<f, BrOria, Kalilti 57. s agarag Sla - '• ■ iiapipfajilaiifc!!' Kosttnlese, faihmlnnlsehe Voriebllga iié „ASPHALTUL** SS&SfelSft BrUnn, Postflass« 1. — Talapnoa 1MB M. HlcKrs Virlag, BrOiiii« Jldiarø. Soeben erschienen: Ktti-a Éu ist ein JUdisches Buch das seh&nste und geelf^ netste Oeschenk. Wir bitten alle dieienlgeø, die sich selbst oder Andere durcb eln eolcbee Qeschenk erlreuen. wollen, ane sofort ihre Adresse mitzuteilen.; M. Hlckls Verlag, Briinn, Adlergaaw Nr. D. 28^995

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