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Jüdische Volksstimme · 1920-10-21 · Heft 42 (21.10.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 42 (21.10.1920)
Date
1920-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*.4å RtMfifiasÉiiiiM! Jmcm wmåmamåp Comite in der Bukøwfaa hallen'die Poale Zion gegen'dieOewahftmg von Untérstfitemtgetrah dit nach PftlUtma wamfemtferi Chåluzim ge* stimmt. tiner Chechalnz-Orgaiiisation in der Bttkowina. Czemowitz, 12. Oktober (J. C. B.) Daa zionistische Landeskommission hat im Einvernehmen mit den einzelnen Chaluzim-Verbånden die Schaffung einer Landesorganisation „Hechalutz" beachlossen und ein besonderes Statut ffir diese Organisation ausgearbeitet, das den Chaluzim die landwirtschaftliche Ausbildung und die Kenntnis der hebråiachen Sprache, bezw. deren Erlernung zur Pflicht macht. WirtschaftliCher Wiederaufbaa der jiidischen Bévdlkerung in der Bukowina. Czernowitz, 7. Oktober. (J. C. B.) Hier wurde eine Wiederaufbaugesellschaft fur die jtidische Bevolkerung der Bukowina, r. O. m. b. H. begrtindet, die sofort ihre Tåtigkeit begonnen hat. Die Oenossenschaft ist nach dem System der DarlehenSkassen organisiert und bezweckt die wirtschaftliche Wiederaufrichtung jener jfidischen Volksgenossen, die infolge der kriegerischen Ereignisse oder durch ausserordentliche Unglfickåfalle in ihrei* Wirtschaft gelitten håben. Die Oenossenschaft wird in der ganzen Bukowina Zweigniederlassungen errichten. Vefhandltingen mit der jugoslavischen Regierung fiber die Pafividierung der Palåstinawanderer. Belgrad, 14. Oktober. J. C. B. Der Sekretår der zionistischen Organisation in London, Mr. Landmann, wurde vom jugoslavischen Aufienmitiister, Dr, Trumbté, in Audienz empfangen. Dr. Trtimbié lieB sich zunåchst fiber den Zionismus, fiber die Entwicklung in Palåstina und fiber die Emigration der osteuropåischen Juden ins Heilige Land eingehend informieren, wor auf Mr. Landmann ihm die folgenden Wfinsche der ziortistischen Organisation an die Regie rung der SHS-Staatén unterbreitete: 1. Offizielle Anerkenmmgf der åm Territorium des jugoslavischen Konigreiches wirkenden jfidischen Palåstinaåmter durch die jugoslavische Regie rung. 2. Erteilung von Instruktionen an die Konsulate der SHS-Staaten in Wien, Prag, Warschau, Budapest und Bukarest, den das jugoslavische Territorium påssierenden jfidiscnen Palåstinawanderern keine Schwierigkeiten bei Ausstellung von PaBvisa zu machen. 3. Die kostenlose Erteilung dieser PaBvisa, oder zumindest die ErmåBigung der Visataxen auf das zulåssjge Minimum gleich den jugoslavischen Auswanderern. Dr. Trumbié nahm diese Wfinsche wohlwollend zur Kenntnis und versprach sein Moglichstes zu tun, um sie in Kfirze zu erffillen. Mr. Landmann hatte auch eine Besprechuiig mit dem Minister ffir Agrarreformen Kriztriann fiber die eventuelle Errichtung von landwirtschaftlichen Lehrfarmen in Mazedonien fur die praktische Ausbildung von Chaluzim in der Landwirtschaft, die mit der wachsenden Aufnahmsfåhigkeit Palåstinas dorthin fiberffihrt werden sollen. Ueber diese Konferenz hat die gesamte jugoslavische Presse ausffihrliche Berichte gebracht, was der zionistischen Arbeit auch unter den bisher dem Zionismus fernstehehden jfidischen Kreisen fiberaus forderlich sein wird.. Der Keren Hajessod in Jugoslavien. Belgrad; 13. Oktober (J. C. B.) Die Aktion unter der jugoslavischen Judenheit ffir den 25 Millionenfona zum Wiéderaufbau Palåstinas hat mit grossem Eifer eingesetzt. Die Aussichten zur Aufbringung des auf Jugoslavien entfailenden Betrages sind åusserst gtinstig. Von Wocho zu Woche. und wit Bluthumk gegenverwundtteSoldaten tttfd Offi&ie« herwaren, nimmt tins bel dem herrschenden altdsterreichischen Milrtarismus nicht Wunder. Abernicht allein Militårårzte, sch nein, auch die Universitåts-Professores leisteten den Teissinger, Schnetzer, Hazai et consortes Schergendienste. Ordenhascherei, Jagd nach Auszeichnungen, Beffirderungswahn waren ntir zu oft die Triebfedern dieser Auguren der modemen Aer2tewissenschaft von der einmal ein Offizier behauptete, de waren elite nicht so 8ehr den Laienals den Aerzten geheime Wissenschaft. AIs soleher Augur, sagen wir Hfiter der Medizin stand nun Wagner vor Oericht, weil er einen Soldaten mit Starkstrom behandelte. Der Herr Hofrat stellt die ganze Sache als sehr harmlos dar, er behauptet, niemanden Starkstrom durch den K6rper getrieben zu haben* ohne diesen vorher aurch seinen eigenen Leib gelertet zu haben. Vielleicht der Herr Hofrat selbst aber die Assistenten? Herr Professor Redlich, Direktor der Rothschildischen Stiftung „Maria Theresiasehlossel" in der Hofzeile hatte als Psychiater ebenfalls die Spezialitåt des Isolierens und der Starkstrombehandlungert. Aber er selbst behandelte ja nicht, dazu war Sein Vetter und die anderen Assistenten da. Und wenn die vor Oericht aiissagen, es waren nach dem Elektrisieren nicht baumstarke Kerle zusammengebrochen, und es hatten solche wåhrend des Elektrisierens nicht wie Hunde gewinselt oder wie Polypheme gebrfillt, so lfigen sie alle bewuBt. Aber natfirlich, wer kann gegen sie aussågen? Die Patienten? Das waren doch Hysteriker und diese lfigen doch immer. Es ist wohl wåhrend des Krieges mit keinem Leiden soviel Schindluder getrieben worden, wie mit der Hysterie. Hy war ein Brandmal, das auf der Kopftafel des armen Soldaten prangte. Und was man nicht diagnostizieren kann, daB sieht man halt als Hy an. D a h é r „v o r e r s t o r d e n t- 1 i c h e 1 e k t r i s i e r e n!“ So lautete die Therapie Redlichs. Die „N. Fr. Pr.“ weiB natfirlich, daB Elektrisieren ein altes harmloses Heilmittél wåre, nun gut! dann lasse sich Herr Benedikt rnn. mit seinem ganzen»Redaktionsstab auf den Elektrisiertisch legen und-sich einen Strom von 90—-100 Volt durch den Leib treiben und dann berichte er uns alle die sfiBen und wonnigen Traume, die er wåhrend dieses Haschischrausches gehabt hat. Es dfirfte ihm dann die Lust dazu vergehert. Im August 1916 erschien in der „Wiener Mittagszeitung“ die Noiiz von einem zaubemden Arzt in Marseille. Dieser, so berichtete das Blatt, hatte einen elektrischen Stuhl erfunden, er setzte einen Soldaten darauf, und alle anderen Kranken defilierten vor ihm. und waren sofort gesund geworden. — Natfirlich, weil ihnen, als sie die verzerrten Zfige ihres Kameraden sahen, die Lust verging, sich auf dieses moderne Folterinstrument zu setzen. Die franzosische Kammer hatte diese Behahdlung eingestellt, weil sich beim behandelnden Arzte sadistische Motive ergaben. Das Blatt zirkulierte in vielen Wiener Nérvenheilanstalten, aber was gingen dåmals Oesterreich, das gerade an eine siegreiche Offensive gegen Rumanien daranging, nachdem es eine noch glorreichere gegen Italien glfick-' lich beendet hatte,: franzosische Zustande an. „Bei uns ist es besser.“ „Bei uns komite so etwas nicht ) vorkoramen“, so sagten die „gu-!tena Wiener, indeB sich unzåhlige Opfer des årztlichen Sadismus vor Schmerzen krfimmten. Prof. S. Freud als Sachverståndiger einvernommen, sagte nicht so aus, als man von ihm Wwartet hatte. Wollte er seinen groBten wisjsenschaftlichen Gegner schonen?, damit er ’nicht in den Verdacht komme, sich an ihm im Gerichtssaal gerochen zu haben? Die Psychoanalyse behandelt doch, soJiabe ich mir sagen |a$sen, auch Neurotiker und Hysteriker. Die T’syehoanalvse forscht doch nach unseren geheimsten Trieben und Regungen. Die Psychoanalyse weiB doch sofort, ob Inzest —- ob sexuelle Motive vorliegen u. hier weiB sie nichts; Bie weiB auf einmal nicht, daB vielo Psvchiater Idie PsyChoanalyse verfolgen und bekåmpfen, weil sie selbst etwas zu verbergen haben. fWarum hat dfr Sachverstindige nicht erklårt, Der Sadismus der Kriegspsychiaier. Ein Prozess, der gegen den Psychiater Hofrat Dr, Prof. Wagner-Jauregg in Wien geffihrt wurde wirft ein grelles Licht auf die Behandlung unserer armen Soldaten wåhrend des Krieges. DaB MØitårårzte sidi durch hohere Befehle zu Mu-. .__.„ -_ sterungsofTizieren oftmala degiadieren lieBen%iaB es eine Feigheit nicht gebe und keinen Mut,;daft •dsr ntfvBssrVtiWfBfuty ehHÉ litSiVhfdti beruhe, und die søgdiatmtsn „Fei oft sclfWer nerves oder neurotisch verahlagte, arme, imglfickliche Mettschefi sind und waren, und daB es ehi Wahnsiitn sef, solche in den sichereft Tod oder in ein langwteriges Leiden zu treiben? DaB disse ganze Frigheit im fefde, auf einer panischen Furcht vor dem Tode beruhte, die man durch Starkstrom nieht hefien kdnne, und daB viele der Aende wahnfes Vergnfigen daran fanden, diese armen Unglficklichen zu drangsalieern und bis zu Trmien zu reizen? Das alles wissen PsvchoanalyBker und schweigenf Man håtte den Herm HofrSf auch nicht um einen Kopf kfirzer gemacht, und wir verlangen auch nicht, denn er ist selbst ein armer, kranker Teufel, der nur vor dem kranken Soldaten das voraus hatte, daB er die Macht besaB. Man moge einmal die Herm Hofråte und Direktoren „vorerst ordentlich etektrisieren“, dann werden sie schon anders sprechen, denn die Wamung Karl Kr au 9’ „schickt Psychoanalytiker aiif Sie4* hat heute keirie Wirkimg ffiéhf. Kormpondwumfc Eibenschitz. Ueber Antrag unSerer Og. im Ausschusse der hiesigen Kultusgemeinde beschloB dieselbe einstimmig dem Vereine „Jfidische Schule“ eine jåhrliche Subvention von 200 Kronen zu gewåhrett. Weiters wird von ebendenselben in einer der nåchsten Sitzungen der dringliche Antrag auf Aenderung der bestehenden Statuten eingebracht werden, laut Welchem unsere Kultusgemeinde auf Basis deå allgemeinen und gleichen Wahlrechtes zu einer modemen Volksgemeinde umgewandelt wérdeil soli. Wir hoffen zuversichtlich, daB sich die Vertretung der Gemeinde diesem Gebdté der Zeit nicht verschliefien und dem Wunsche der groBen Mehrheit ihrer Mifglieder Rechnung tragen und beWeisén wird, daB sie sich auf der H6he def Zeit befinde. — Eigentfimliché Vérhåltnisse scheinen im hiesigen DeutSchÉli Kasino ‘ platzzUgreiferi und die' Herren des Ajftsschusses dieses Vereines glaubéri, sich den Mitgliedern jfid. National, alles heråusnehmen zu dfirfen. Trotzdém dieser Verein aus 29 Juden u. bloB 26 Ariem besteht. haben diese Herren, wir wollen gélindé sein, aen Mut bésessen und die einzige jtidische Zeitung die „Morgénzeitung“, die nur ganz kurze Zeit, ich glaube 2—3 Monate, aufgélégen ist, aufgelassen und so ihren Mitgliedérn jfid. Nationalitåt, die in der Mehrheit sind, die M5glichkeit ‘genommen, sich fiber Fragen, die ihr Volk betreffen und die logischerweise sie in érster Linie interessi'eren, zu informieren. Demgegenfiber beschloB jeaoch der Kasino-AusschuB mit dem ihm auszeichnendert feinem Takt die Brfinner Montagszeitung, ein Blatt, welchés die Juden in der unflåtigsten Weise beschimpft,^ dessen jede Zeile -førtelich^ Po^omluft ’atmet, wo die Zeitung Mittel zu dem Zwecke ist, um die Ehre eines Volkes in der gemeinsten und verlåumderischeii Weisé anzugreifen und in dem Kot zu zerren, eine Zeitung, welche nicht ratsam ist, unbehandschuht in die Hånd zu nehmen, weil man sich sonst dreckig machen konnte, aufliegen zu lassen. Das Ehrenschild unseres Volkes ist so blank und rein, daB ihn der Geifer eines Montagsblattes nicht besudeln kann. Hundegeklåff reieht nieht an den Qlymp, selten ist dieser Ausspruch angebrachter gewesen als hier, und wenn sleb auch Leute finden vom Schlage eines Sigmung Jellinek, Notar Dr. Pick et tuti quanti, Juden, die sich aus lauter Liebe zum Deutschtum offentlich zu der AeuBerung verstiegeh, jenes Revolverblatt wåre eine ausgezeichnete Zeitung und alles was darin stfinde, alsa daB wir Juden insbesamt Schieber und Kettenhåndler sinfl, daB wir den Krieg ang^ zettelt haben um uns .bereichem zu kdnnen. daB wir Schuld an der Teuerung und der Woh* nungsnot sind etc. pure Wahrheit wåre, sjo-ist dies noch Jange nicht die Meinuog der^ uwrwiegenden Mehrheit der jfid. Kasino-Mitgheder. Diese selbstbewuBten und judischnationel ffihlenden Juden empfinden das Aufliegen die* ses Blattes ohne ein gleichzeitiges Aboanemem

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