Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1920)
- Date
- 1920-10-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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j] V^' - - .agjyar - >!■&.. _ JmNU fOKJCSfimt1 ..>,, VcrtMim jetri, ét tt ftfcht mhr tot, In Trtuc ånd Lidte gedenkeri. . ' _. P** CwMctfje (fer. Juden wufde ja ffif Schulé und Haus 6f(er dargestellt, ich verweise nur auf die Bueher von Epfrtafim Wittståtter, M. Elkan, O. Wolf, D. Ehrmann, Em. ffecht (bearbeitet von Kayserling und neuestens wieherausgegeben), D. Cassel, S. Back, M. Legtø ft Lertttddrféf, franzasisch von M. Schwab, T& Reinach’, engliscft vefl Mrs. Magnus u. a. Wir wollen den gåten Wfllert alter dieser Be* arbeiter unserer Geschichte . nicht véfkerftten, aber bekennen zugleich. daB wir am fiebsfen immer und immer wieder zu dem’ fitiche von Brann griffen, wenn wir in unseren Mittelschulen die judische Geschichte und die unserer Literatur den Schfilern vortrugen. Hier haben sie nicht so sehr ein Lern-, als vielmehr ein vortreffliches Lesebuch, aus dem jeder und jede mit Freude und OenuB sich iiber die einzelnen Epochen unserer Vergangenheit unterrichten kann. Die Dichter wqåen niitzen und ergotzen, sagt der alte Horazyeine Forderung ist’s, die Wir auch an jedes gute Schulbuch, namentlich der Oeschichte Und Literatur, stellen. Jiidische Oeschichte und Literatur! Wir Sehen formlich, wie sich manche unserer Herrehen und Fraulein darob étttsétzeri, die mit heiBetn Bemuhen die exotischesten Gebiete der Oeschichte und des Schrifttums der fernliégendsten Volker studieren und degen, wie schon Heine dies so erfotzlich besingt, unsere gewaltige spanische poche ein ganz uribekanntes Land ist, unbekanntar, als die Lander der Pharaonen und ChineSen. Und, wenn heute irgéfld ein Rezitator Gedichte des Sangers Jehuda Halevy vortrågt. Hånd auf’s Herz, wie viele oder besser gesagt, wie wenige, wisseft etwas von diesem Dichter unseres Leides und unserer Liebe, von seinem Ringen und Kåmpfen und Waiidern, wer weiB etwas von dem „Milieu“, in dem et lebte, litt, duldete, kampfte und —starb. Brann, von dessen Bedeutung als jiidischer Geschichtsschreiber Sqhlesiens, als Herausgeber der „Moiiatsschrift" Gråtzens, seines groBen Lehrers, als Mitarbelter unseres groBen Landsmannes, de$ urivergeBIichen D. Kaufmann, wir hier nicht sprechen wollen, gibt uns in seinem Buche ,Oeschichte der Juden* ein glånzend dargestelltes Bild der Gesamtentwicklung unseres ge- Schichtlichen Lebens und unseres Schrifttums von den åltesten Zeiten bis zur Gegenwart. Jetzt, da wir auch hier eine judische Sehule haben, die, wie wir mif Zuversicht hoffen, sich weiter entwickeln, bluhen und gedeihen wird, ist es wohl am Platze, auf die Bedeutung des Unterrichts in der judischen Geschichte hinzu- Weisen. Unserer Schule darf es nicht an Zeit fur diesen Unterrichtszweig fehlen. Er muB vielmehr, wer wurde dies ietzt nicht einsehen, zu den bevorzugten Disziplinen gerechnet werden. Dieser Gegenstand soli, wie wir dies schon oft in Wort und Schrift hervorhoben, mit der anderen Unterrichtsgegenstånden in enge Beziehung gebracht werden. Dem erfahrenen Lehrer wird dies wohl keine groBen Schwierigkeiten bereiteii. Von diesem Statidpunkte betrachtet, ist B ran ns Schulbuch ein vortrefflicher Behelf, und ich weise, namentlich in diesem Betracht, auf die vorziiglich behandelte Geschichte des Mittelalters hin, deren Darstellung uns die Mdglichkeit gibt, nicht nur die åuBeren Vorgånge dieser fem liegenden Zeit zu betrachten, sondern auch auf das geistige Leben jener Jahrhunderte einzugehen, das so håufig verkannt wird und das uns das tiefe und vielseitige Denken unserer Philosophen, die auch auf die christlichen Scholastiker befruchtend wirkten, auf seinem Hbhepunkte zeigt. Man lese nur in Brann s Buche nach, wie fur den jugendlichen Geist verståndlcih und hdchst anziehend, er das Leben und Wirken Gabirols darstellt und wie der Lehrer, von ihm geleitet, Mittetschiilern røgar fem liegende Gebiete, wie die der lieuptatoniscben Philosophie, erschlieBen kann. Ueber unsere synagogale Dichtung inag man denken, wie man witl. DaB sie uns aber eine Hauptquelle fur die Geschichte der Leiden unserer Vorfahren ist, wird, nach Zunzens unsterblichen Werken, niemand leugnen.: Welch’ ein Ausblick tut sieh vor unserem Auge auf! Die Dichtung als Ouelle fur die Geschichte, Was før neue Oesichtspunkte vermag nicht der I l ehrer diesem Oegenstande abzugewfnnen. £s (war deshalb ein guter Qedanke Branns, diesem Kapitel einen berønders groBen Raum an* zuweisen. Ueberhaupt zeigt sich B r a n n in der Gliederung des Stoffes als Meister. Er verteilt in rlchtiger, pådagogischer Form Licht und Scbatfen. hebf das Bedeutende hervor, verliert sich rtient ht Einzelheifen, In konzentrischen Kreisen umfaBt er den gesamten geschichtlichen Stoff, ihn nach epochal wichtigen Ereig« nissen einteilend. So vermag er es auch, sonst språde Oebiete unserer literarischen Tatigkeit, der Jugend nahezubringeik Ich verweise nur auf das Kapitel fiber Mischna und Talmud. Kein Arthåufen von Namen und Nomenklaturen stort hier. Wie ein klar flieBendes Wasser strdmf die Schilderung dahin. Die Ausspriiche jener wafirhaff Weisen werden angeffihrt und geben dem Lehrer eine Hartdhabe an sie anzukniipfen und moderne Anschauurtgsweisen mit ihnen zu verbinden. Man vergieiche mit diesen Kapiteln die oft so trockené, aaB ich nicht sage, lederne Behandlung des gleichen Stoffes in anderen Biichem. Wahrlich, wenn wir unsere gesarpte Schulbiicherliteratur betrachten, so konnen wir uns des vortrefflichen Lehr- und Lesebuehes, — denn das ist das Branns •— mit vollem Rechte rfihmen. Noch etwas wollen wir hervorheben, Das ist die Objektivitåt, deren sich Brann beflei- Bigt, die bei einem jfldischen Geschichtsschreiber besonders wohltut. Der Geschichtsschreiber soli kein Apologet seirt, nicht zuviel polemisieren. Auch wir Juden sind Menschen und nichts menschliches ist uns fremd. Freilich wollen wir es nicht unterlassen, zu bemerken, daB der nationalen Bewegung im judentum, der Entwickelung der groBten nnd folgenreichsten Bewegung ides Judentums aer Gegenwart, dem Zionismus, der fur uns das Judentum der Zukunft bedeutet, ein ihm gebiihrender Platz hatte cingeråumt werden sollen. In jedem Schulbuche der judischen Geschichte måssen dér glånzende Name Theodor Herzls und seine unsterbliche Tat genannt werden. — Sie fullen ein Ruhmesblatt unserer Geschichte ai&s Weisen wir noen auf die meisterhaften Uebersichten uber die einzelnen groBeren Epochen hin, deren Platz immer an dem Endpunkte dieser Abschnitte sein sollte, dann glauben wir die pådagogischen Vorzuge von Branns Schulbuchern geniigsam hervorgehoben zu ha^u htifV*) ein von innlgster Liebe 2um deutechen Volke und zur ganzen Menschengemeinschaft, aber zugleich von tiefeter Einsicht und Weis* heft eingegebenes Programm „36 Leitsåtze fur die politische Emeuenmg Deutschlands", dessen 24. Abschnitt sich mit der jetzt wieder sehr versehårften Frage des Antisemitismus befafit und also lautet: „Auf diesem Wege (durch den Fdderalismus der Ståmme und Konfessionen, der den Brudergeist gegenåber dem Unterdråckergeist fOrdert) muB auch die Ober* windung des Antisemitismus erstrebt werden. Sowie den Triumph des Rechtes und der Wahrhaftigkeit im DreyfuBprozeB das gan* ze franzosische Volk moralisch elektrisierte, so wfirde auch in Deutschland ein groBer Aofschwung der Oeister zu wfirdiger Beurteilung und Behandlung der Juden eine segensreiche Råckwirkung auf die ganze sittliche und politische Kultur des deutschen Volkes haben. Der Kampf gegen die schlechten Elemente des jiidi* schen Volkes kann erfolgreich nur in engster Gemeinschaft mit seinen edlen und anståndigen Elementen gefuhrt werden. Wurden durch generalisierende MiBachtung und Verfolgung aie besseren Kreise des Judentums in die Kameraderie mit den entarteten Typen gedrångt, so wurde sich die judische Frage in Deutschland und in Osteuropa zu einer furchtbaren Kultur« gefahr auswachsen. Gerade Deutschland muB hier Osteuropa mit aufbauendem Beispiel vorangehen." Der eifrige Zeitungsleser kennt F. W. F 6 r s t e r als einen der berufensten ^Ethikér und ni^ht minder als einen der in der Kriegszeit dur^b sein unerschrockenes Hochhalten des Friedens- und Menschheitsgedankens wahrhaft ausgezeichnetsten und bewåhrtesten Deutschen, die geradezu vorbildlich zu nennen und den Allerbesten zuzuzåhlen sind. Die Wenigsten aber wissen, daB dieses edlen Gelehrten groBer Vater, der Astronom W i 1 h e l m Forster in Berlin, der Begrunder des deutschen Ethikerbundes, im Jahre 1918 ein nur ganz Heines, aber fur die Geschichte des Weltverkehrs und fiir das Judentum hochst wichtiges Schriftchen veroffentlichte, dås jeder Judé kénnen und nach Moglichkeit verbreiten sollte: „Die internationale Wirksamkeit des Judentums in der Vergangenheit und in der Ztikunft.“ (16 Seiten, Verlag von O. Hendel in Halle, Preis bei frscheinen i. J. 1918 nur 25 Pf.) Wåren die An ben. Brann wåre der geeignete Gelehrte geClemiten durch biloBe Belehrung zu bekehren, wesen, Gråtzens groBes Werk, der Gegenwart gemåB, und besonders, manche Kapitel zu bearbeiten und mit den Forderungen der neuen Wissenschaft in Uebereinstimmung zu bringen. Ich denke hier namentlich an den Abschnitt uber das Urchristentum und seine Beziehungen zum Judentum, uber Josephus Flavius und Philo. Die Feder entsank dem vortrefflichen Schulmanne, sein Wort erstarb. Und wir bedurfen jetzt eines Geschichtsschreibers, eines Mannes, der mit umfassenden Wissen, psychologischem Erkennen, philosophischer Tiefe und nicht am wenigsten mit der Kunst anziehender Darstellung ausgestattet, unserem Volke kundet von dem GroBen, das in unserer Mitte geschah. Den Schmåhungen miBgOnstiger Gegner, die alles, was jiidisch ist, in den Staub der Verachtung ziehen, wollen wir mit einer nuchternen und doch kunstlerischen Darsetllung judische GroBe entgegentreten. Brann hat sein Lebenswerk darin gesehen. Mdge es der Vollendung zugefuhrt werden in seinem Geiste. Dr. M. Grunfeld. F. W. F5r*ter Qber den Antlsemltlsmui. Zu den erleuchtetsten Deutschen und auf* richtigsten Friedensverkundem gehbrend, ver* offentlichte Universitatsprofessor F. W. F6r* s t e r, der wårdige Sohn des hervorragenden Astronomen Wilhelm Fårster, in der am 25. September d. J. ausgegebenen Sondernummer .der schon rør 7. Jahrgange verdienstvollst dem I V6tkervers6hnungsgedanken dienenden, sehr I empfehlenswerten Wochenschrift „Die Mensch* dann muBte allein dieses Schriftchen die Bekeh rung vollbringen, und verschwunden wåre allei Antisemitismus! Leopold Schwarz. Rundschau. Der oberste Gerichtshof in .Palåstina. Jerusalem, 12. Oktober (J. C. B.) Der Oberkommissår Sir Samuel hat ein Appellationsgericht zusammengeSetzt, das die Funktionen eines Obersten Gerichtshofes im Lande iibernimmt. Das Appellationsgericht ist aus 6 Mitgliedern mit Major Corrie als Pråsident, zusammenge¬ Setzt. Diesem Gerichtshofe gehort der judische Richter Gad Frumkin, der Sohn des Begrunders der ersten hebr. Zeitschrift in Palåstina Jisrael Dow Frumkin, an. Ferner wurde der jiidische Richter Zidkija Harkaw zum offentlichen Anwalt beim Gerichte I. Instanz in Nazareth und Tiberias ernannt. Die Residenz des High-Commissionars får Be* sichtigung freigegeben. Jerusalem, 11. Oktober (J. C. B.) Sir Herbert Samuel gestattet, dass ein Teil der Residenz an jedem Montag und Donnerstag fur Besichti« gungen freigegeben werden soli. Die Einnahmen von den Eintrittskarten, 5 Pts per Person, sind fur die „Pro-Jerusalem-Gesellschaft“ bestimmt. Freigabe Palåstinas fiir die deutsebe Scbiffahrt. Die deutsche Levantelinie hat die Erlaubnis erhalten, alle palastinensischen Håfen zu befahren und wird in den nåchsfen Wochen ihre •) Hauptredakteuer: in Versoix-Oenf, 26. Prof, Dr. R. Broda