Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-10-14 · Heft 41 (14.10.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 41 (14.10.1920)
Date
1920-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
78% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622109--4531-2625841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

halbjfihrig « « , a , * . . KC 26.- ganzitthrlg . . . t Deutschbsterreich .... . . . K 90.— Deutschland . . . . . /ywti fif? 1 Redaktion n. Administration: Brflnn. Krapfeng. 10. Inserat«: der eintpaltige Millimeter raum Kb —'40. Unverlangte redaktionelle Beitrftge werden nieht honorlert Manuekripten ist Råekporto beizufflgen. Jahrgang XXI. BrOnn, 14. Okiobar 1920. 2. ClMMtønn 6691. Nummer 41. ProUeme dør JUdlschen Moderne. Die am måhrisch-schlesischen Studententag in Leipnik am 7. September 1920 gefaBte Resolution — „Die auf dem Studéntentage in Leipnik versammelten Vertreter der jttd. akad. Ferialverb. sind sich in ihrer Ueberzeugung einig, daB die heutige Geselischaftsordnung durch eine neue zu ersetzen sei, die sich auf Grundlage sozialer Qerechtigkeit aufbaut“ sowie das'dort vom Vertreter der Iglauer „Hasmonåa" gehaltene Referat, welches in wesentlichen Punkten mit den in der „Volksstimme" erschienenen Aufsktzen von Dr. K a d i s c h ttbereinstimmt — bedeutén eipen groBen Schritt nach vorwttrts in der Tftdiscfinationalen, bezw. zionistischen Jugendbewegung. Die Jildisch-moderne Jugend hat hier eines der vielen Themen angeschnltten, die im Laufe der Zeit zu Hauptproblemen jiidischer Politik geworden sind, . Die Wioh.tigkeit der sozialen Frage hat sie erkaant u, sleb durch di« Resolution auf die Seite der Sozi|Jiste^>-5^omit noch nicht gesagt um Jede iUdiscbei Pblitik eine Volkspolitik sein, sie darf weder, auf Seite: der bourgoisen Wirts'chaftsordnung stehen, noch (wie die Marxisten), das Éinzelinteresse ein«r ^onderklasse wah'ren, sondern muB vielmehr ilir das-gesamte manuell und geistig arbéiténde Volk, Mr ajle-produZlcrenden Stande des jtidischén Volkes eintreten.Dfe modern-itidlschc Jugend hat ja erkfcnnt, f daB-dief Heimstatte' Palastina unmbglich auf bourgoiser Grundlage åufgebajit werden kann, da einerseits die acbeitenden Judenin die Frohn einzelner^ Kapitalisten kamen und sie andererseits nach den Qesetzen der Nationalbkonomie auf das Lebensniveau: der mit ihrteri konkurrierenden, anspruchslo- FEUILLETØN. DieKhifliade. Ein homahrischés Epos von Dr. Max Steif. IV. Der Herr Kantor. In der Kunst des Gesanges halt sich Herr Traller,. der Kantor, flir einen Meister. wie solehen nicht leicht einen zw.eiten man findet. Wenn beim „Altare“ er steht vom schwarzen Ornate umflossen, d’rauf mit der Tresse aus Gold den seidenen Tallis gefaltet, und seine Stimme gewaltig aus KeWe und Brustkorb entstrbmet, mejnt zwar so mancher, er brauept nicht grad* „die Wgnd einzuiegen", denn unser Gott sei nicht’taub und verzichte auf Heldentenbre. Aber, da mit dem Riicken er steht zu den Leuten beim Stagen, dtinkt ihm Bewunderung nur, was er hinter sich hbren mag murmeln. SchlieØHch es bat ja ein jeder Meusch seine Ctøgner und Fetade, und wespalh sollt’ hierin gerade er eine Ausnahme bilden? . Da ist z. B. Herr Lehrer Strdsler, derschlecht ist gu sprechen auf unseren Kantor, allein es soliten doch. alle schon vissen, daB nach Gesetzen der Phyisk sich apstbBt immer das CUekhe^ uod unser Kantor sowohl, wie Lehrer Strøs* ler sie. zbhtøi zu jener Gattung, die gero in Qesell* sch^ti, als W^zltøge glftnzen, und die PfeUe des Witzes oty gegen einander losschneUen. Qinpg»m seiwie auopimmer, die Fetadschaft, die lange verborgen, plbtzlich brach sie hervor, so unschuldig scheinbar der AnlaB, Als einmal beide zu Gaste bel -etaer Hochzelt geteden, da fand der Lehsen und auf niedriger Kulturstufe stehenden Araber herabgedriickt wiirden. Die jUdische Paldstinaarbeit muB daher auf sozialistischer Basis fuBen. Von den sozialistischen Richtungen scheint der Staatssozialismus, der Marxismus, sowohl wegen der Art des von ihm vertretenen Klassenkampfes, der fiir die spezielle wirtschaftliche Struktur des iUdischen Volkes nicht paBt, als auch wegen seiner materialistischen Geschichtsauffassung — fiir die jitdischnationale Jugend ist ihr Nationalismus und ihre ethischsoziale Weltanschauung nicht nur eine Sache des Magens — unbrauchbar zu sein. Es muB vielmehr sowohl in Palastina wie in der Diaspora ein freier, genossenschaftlicher Sozialismus zur Anwendung kommen, wie ihn in unserem Lager Franz Oppenheimer vertritt. Doch nicht aUeirt in der sozialen Frage „herrscht ziemliche Unkiafheit, .auch in etaer Menge anderer Probleme ist eine Kldrung dringend notwendig, da die modern-iiid&che Jugend sie der heutigen Zeit gemdB auffaBt und in ihrem Sinne geii>|t sehen wilh forderungen an elné hafibnaljildisché &ewégun£ di4 die Interessen der gesam ten nationalfiihlenden Judenheit vef treten will, als és vor ejnl^en Jahren noch der Fal‘1 war. Wenn’ man bedenkt, was fiir JEreignlsse der Weltgéschldtjte selt dem Basler. KongreB im Jalire 1897 sich zugetragen håben, so mufi es Jedem einleuchten, daB heute, mehr als zwanzig Jahre nachher, nachdem das Basler Programm eigentlich erreicht ist, eine nationaljttdische Bewegung eine noch viel umfassendere Politik wird be-; treiben milssen. Das, Recht auf eine Heimstatte in palastina haben wir erlangt; es handelt sich nup.iim den, ganzen' Aufbau mit eigener Hftnde Arbeit, es handelt sich um Aufwendung soleher Arbeitsenergien, wie sie nur die gesamte Judenheit auf bringen kann. Darum ist es vor alleni notwendig, noch weitere Kreise der Juden, als bisher, fiir den Aufbau eines Jtidischén Palastinas zu gewinnen; dies kann jedoch nur durch eine klare Feststellung unserer Ziele erfolgen. Wir miissen vor allem Iåut und deutlich erklåren, daB wir in Palastina einen modemen Rechts-, Kultur- und Wirtscliaftsstaat als ideales Efldziel erreichen wollen, daB uns lede Unterdrilckung anderer nationaler oder religibser Minderheiten vollstandig fernliegt, daB wir aber auch irf Palastina' Veder ein kapitalistisches Wirtschaftssystem mit allen seinen Auswilchsen einfbhren noch einen Klassenkampi, der einen Kell zwischen den Arbeitenden aller Stande einschieben will, dulden werden. Unsere Åufgabe muB es vielmehr sein, eine freie sozialistische Gesellschaftsordnung, basierend -auf dem Prinzip, d^r Genossenscha’lt,. der Freiheit desv Brhzéllrrdlvi[auuffls, der« freien' urid glefcheti - KénRbfrérfz,? atifiprfiåi. lin^ Ati hisher noch .nicht 'geflUlfbn^Srø rer es gitasjtig, ihm ein? am Zeuge zu flicken. Allen bekannt in der Khille war Trailers Art zur Genuge, wie er dann, gern von den Torten, und von dem anderen SBBem in,die Taschen des, Ueberrocks, in die iiefep versenkte. Nun glich der Roek unseres Kantors dein unseres Lehrers fast vollig, und d’rum war es ein leichtes im Vorraum, wo beide sie hingen* an die Stelle von Trailers Rock den des Lehrers zu schmuggeln. Wie es gewohnt, schlich auch diesmal sich weg vom Tische der Kantor in der Vorraum hinaus, die Ta$chen mit Torten zu fiillen, ohne -z» merken den Tausch, zumal doch Eile hier not tat. Dann mit lacjjelnder Miene ob setaes gelungenen Werkes, ging zur Gesellschaft er ’reip, und kjopfet kraftig ans Wéinglas, um aus dem Gold seiner Kehle der Runde etwas zu spenden. Waiirepd, pup so. unser Kantor des Briistkorbs Wande behammért, hob von dem Stuhle sich auf behutsam unser Herr Lehrerr zweierlei Absicht im Sinne: den Sang seines pepers zu stbren, und, was ihm wichtiger d|nkt, seinen Rock belselte zu schaffen, daB beim Abscfded nicht doch der Kantor den Wechsel bemerké, . und an richtige Stelle die Torten hinetapraktizlere. . Acli, was war das fiir’n Aerger, als nicht s in den Taschen er vorfand, unser Herr Kantor, vergeblich dartiber sinnend und grUbelnd, wie 'nur bolches geschehen gekonnt, wie dies tiberhaupt mbglich. Erst als am nfiebsten Tag In der Runde beim „SchwarzenM der Lehfér raetnt, er kbnhe'glelbh Stmsoni >fietzt alten ein Ratsel aufgeben, „wieso vom Frésser -Spéise herrUhr‘\ da schwieg still unser Kantor, doch nahm er fest sich vor, den Streich alsbald zu parieren« flWrt i5Vuflén; Vas sich-nattlrlich jetzt Schon duroh dfe Immer mehr und mehr-.um1 sich greifende Spaltung der Nationalludén in .der sozialen Frage, und in der sozial-bkonomisepen Planløsigkeit der Emigration racht, -ist hauptsachlich die Scbuld .éiner his Jetzt noch nicht gentl« gend -yon den Zionisten negierten Theorié; die bisher , furchtbaren--Sohaden.1 schon ahgerichtet. Tiåti dér sogenannten Galuthverneinung. Mit dieser 'PhraSe.wird sich vor 'allem die moderne ilidische Jugend sehr ernstlich auséhtandefzusetzen :habien. Die^iGaluthvemeirtung géflt} vbn derii StandpUnkteiaus, daSiin der < Diaspora did Juden nie voUe politische. Jiåtionaleimndi-wfrtsoHaftliché Gleich- V. De;t Hrer r Gahhe. Wer kennt sie nicht die Frommen, die selbSt das kleinste Minhagchen1) eifrig mit héiBem'Bemtlhen bis aufs Tlipferl des „i“!hta ausiiben: die’am Néiijahrs- Nachmittag zum 'Bftchleta freudig waflfåhrén, h'pm. dort tas Wasseryzii werfefi dié; Sllhden, die groMn und kleinen, sié dahin tfeiben zu lassen, wo Ihrer nicht mehr gedacht wird t rfib Vor dem Tag der Versdhnnng ums Haupt sich5 schVihgeh ,-,Kapores“,2) ndmlich ’nen Halin, einen weiBen,' der oftmaU energlsch sich strfiubet untef groBem aeschrei, solch’ Luftgymnastik Zu ilben-; die am ,,Hoschatio rabbo“ ihr Betjfult »ih'Tremmer fast schlagen, weil sie daran entbldttern-gar kraftig all’ ihre ,,Schanésu,8)'was als Schutzmittél gilt vor allem kUnftigem Bbsen. ’ Nun zu'dieser Art Frommen unzweifélhåft zbhlt unser Gabbe, der einen Ruf sich erVorbeh ulsrtSpé-- zialist - in Mlnhagim. Ihmnur jst es zu danken, daB jener besondere Miflhag, jedeS Jahr zu begehen die Jahreszeit von „Mosche rabbenu"4) hier zur Feler geworden, die einzig an Weihe und Andacht.- Alle Marin von der Chewra8) in festtbglich sclibriém .Oewande zieh^n da zum „Hausé des LeéririsH hinaus unfer Fiihrung des Gabbén; dort wlfd ferteilt' das Gebet, das schbn auf Tafeln'geschViében und das der Gabbe allein mit tiefem Gefuhl r^lfierf, oftmals von Riihrung ergriffen und genbtigt die Nase zu schneuzen mit dem Tuchb der Tls&e, dem bfau und rbtllch karierten. . . Einmal jedoch da-wftre dfe Feier zu Wasser geworden durch einen elenden Zufall, wie dies schon vorkommt im Leben. Wie nåmlich alles bereit zum feierlichen Beginnen, slehe da fubr es wie Schreck Sæben erschienen: „Hickls fOdischer Volkskalender“,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.