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Jüdische Volksstimme · 1920-10-07 · Heft 40 (7.10.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 40 (7.10.1920)
Date
1920-10-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Mil fc ft* »TsøMfcxr OM der JMecfe« *orf. Der „Tagasbete" maxtm sich seii einer Woche mit dem Udischeo Sport Er hat sich einen neuwi Sport* redaktear dlrekt von der Præer „Bohemia" ver* sehriehen — so satt die „Pama" — and dieser Herr 4 dér Jade sein soli, — tuter Jade vielleicht, denn si« stød doch alle, alle tate Jaden die lieben anonymen Mitarbeiter des „Tagesbote" — schlågt nnn tegen den jfidischen Sport at«. Auch im Sport hitten wir Jaden den Deutsehen viel zu verdanken. Auch im Sport? Ja wobel denn noch, Herr 4? Und Herr Z. muB es doch Wissen, er ist doch auch Mittelschullehrer, und die vissen doch bekanntlich alles. So wird Herr Z. auch wissen, was wir alles dem deutsehen Volke 2a verdanken haben. Bis letzt hat ans .der „Tagesbote" eingeredet, dafi wir Jaden arme Waserln gebHeben wiren, wenn sich nicht zufllligerweise die Deutsehen unser angenommen hitten. Und wir Juden sind so schlecht, das nicht einsehen zu volten. Hørr Z. mftge slch (feber mit den antlsemltlschen Vorllllen beschlltigen, die slch an der Anstalt zngetragen haben, an der die lUdlschen Kinder das hobe Oliick ond die Efare besltzen, von Ihm unterrfchtet zu verden. Daffir wird ihm die Jfldische Oeffentlichkeit méhr Dank zollen, als wenn er ihr wird einreden wollen, dafi sle den Sport den Deutschen zu Verdanken habén. Nein, nein Herr Z.; auch beim Sport haben wir den Deutsehen nicht viel zn verdanken, eher umgekehrt, denn es ist uns bekanht, daø deutscher Sport auch noch stark jfldischer Oeldhllfe bedarf. * Elne frivole Kandidatur. Dr. Schwarz-Hiller kandidiert tegen den Will e n se i ner Partei und den Einspruch Dr. Ofners in der Leopoldstadt Es ist nicht unbekannt, daB die Arbeitspartel es abgelehnt hat, Dr. Schwarz-Hiller zu kandidieren und diese Ablehnung mit dem Hinweis auf seine UnzuverllBljchkeit begrfindet hat. Nunmehr wird aus der Demokratischen Partel nahestehenden Kreisen berichtet, daB auch diese von einer Kandidatur ihres Mitgliedes Schwarz-Hiller nichts wissen will. Freitag abends fand die letzte entscheidende Sitzung der beteiligten Gruppen statt. Die Arbeitspartei erkllrte neuerlich, den absolut unzuverllssigen Herrn nicht kandidieren zu kfinnen. Aber nicht nur sie, sondern auch seine engeren Parteigenbssen, vor allem Dr. Julius Ofner und Redakteur Schreier, sprachen sich gégen eine Sonderkandidatur Schwarz-Hillers in der Léopoldstadt aus. Es wurde erkllrt, daB diese Kandidatur gegen die Jfidischnationalen, auch nach dem wiederholten Zugeståndnis Dr. Schwarz-Hillers vollig aussichtslos, daher eine Frivoh'tSt sondergleichen sei. Sie kdnnte hochstens dazil ftlhr'en, daB das jtldische Mandat an die Cechen oder an die groBdeutschen Antisemiten verlorengehe. Nach diesen Erkllrungen stand Dr. Schwarz-Hiller auf und sagte, sein Mandat als Obmann der Demokraten niederzulegen, aber trotzdem auf der Kandidatur zu beharren. Schon einmal hat Dr. Schwarz-Hiller dem Judentum ein Mandat geraubt, dadurch, daB er ohne jede AUssicht kandidierte. Bei der letzten Landtagswahl hat er in der Brigittenau Ira ganzen 180 Stimmen erhalten, w&hrend der jfidischnationale Kandidat Dr. Schallt fiber 9000 erhielt, das heiBt, um etwa 70 Stimmen zu wenig. Nun will Dr. Schwarz-Hiller, der von eigenen Leuten Abgelehnte, neuerlich den Antisemiten in die Hinde arbeiten und die Juden um ein Mandat bringen, derselbe Dr. Schwarz-Hiller, der anllBlich der Qemelnderatswahlen sich erbot, jfidischnational zu kandidieren, fails man ihn øn die Spitze der Liste setze. Dr. Schwarz-Hiller wird kllglich durchfallen, die jfidischen Wlhler werden seinen frivolen Anschlag gegert das Judentuhi zurflckweisen, aber er wird flir immer gekennzeichnet bleiben. W. M. Z. Branner Neehriehten. Vereiu „Theodor Herzl". Ab 10. Oktober wird der Verein „Theodor Herzl" seine Vortragsabende im Café Margaretenhof wieder eroffnen. Der erste Vortrag: Sonntat 10. Oktober. Dr. Gustav Kohn: Adolf Bdhms „Die zionlstische Bewegung'\ Beginn 8 Uhr abends. Qlste herzlichst willkommen. „Jfidischnationale Veretøigung." Die am 5. Oktober von dieser Vereinigung abgehaltene Simc h a s-T h o r a-P e 1 e r nabm einen schflnen Verlauf. Da im letzten Momente einzelne Vortragende u. Singer abgesagt hatten, die Feier auch erst splt begom len verden tomate, nraBten etøige Programntpirnkte totfaflen. Wir shtd Herrn Rudolf Zeisl, Mitglied des hiesigen deutsehen Theaters, zu groBem Danke verpflichtet, dafi er in Hebenswdrdiger Weise seine Zusage aufrecht erhielt, und das Publikum mit Jehuda-Halewfs Dichtungen, die in neuer Uebersetzung (Verlag ReiB, Berlin) vorliegen, bekannt machte. Zeisl erntete dnrch seinen Vortrag, der Jehuda Halewis Dichtungen varm nachempfand, rei- Chen Beifaii. Herr Oo Id, ehemal. Mitglied der „Neuen Wiener Efylhne" hatte durch seine humoristischen Vortrige die Lacher auf seiner Seite. Zum Schlusse wurde dem Tanze gehuldigt. Allen Olsten und spendern wlrmsten Dank. Tbdesfall. Sonntag, den 3. Oktober, wurde unter groBer Beteiligung Fran H o f f m a n n, die Mutter unserer Og. Frau Dr. Gisela Feldmann und Gg. Rudolf H o f f m a n n zu Qrabe getragen. Mit ihr verliert auch unser Og. Dr. Artur Feldmann seine Schwiegermutter. S. K. Mor. Slavla la : S. K. Makkabl la 3:0 (0:0). Vergangenen Sonntag fand auf dem Sportplatze des S. K. Makkabi das Revanche-Spiel gegen S. K. Mor. Slavla statt. Leider muB konstatiert werden, daB die hochgespannten Erwartungen des 3000k5pfigen Publikums bezQglich VorfUhrung hochklassigen FuBballsportes nicht in Erftillung gingen. Das Spiel artete aus, mufite ausarten infoige Unflhigkeit des iugendlichen Schiedsrichters Herrn Kindl, dessen fehlerhafte Entscheidungen bei Freund und Feind, soweit sich letzterer bei Beurteilung der sonntlgigen Vorfllle von nur rein sportlichen Qesichtspunkten leiten lieB, entsprechende Verurteilung fanden. Es geht eben nicht an, daB seitens der hiesigen 2upa zur Leitung so schwerer Wettspiele iugendliche und wenig energische Schiedsrichter bestellt werden, denen dann in 1. Linie mit voller Berechtigung die Schuld an solehen Vorflllen in die Schuhe geschoben werden kann. Die Cechische Sportpresse ist in ih rer Berichterstattung nicht ganz objektiv. Wohl gibt sie Fehlentscheidungen des Schiedsrichters zu, billigt ihm iedoch das Recht auf den Besitz menschlicher Schwlchen zu,. (Motto: „Der Schiedsrichter ist auoh nur ein Mensch und kann nicht alles sehen.11) eine Entschuldigung, die wir im zivilen Leben gelten lassen, im sportlichen Leben Iedoch auf .das entschiedenste zurttckweisen missen. Wenn schon der Schiedsrichter Ubersieht, resp. Qbersehen will, dann auf beiden Seiten. Unser guter Mann war im Bereiche des Makkabitores sehend, im Bereiche des Slaviatores blind. Die Cechische Sportpresse gibt gdrechter Weise zu, daB sich die Slavia-Verteidiger zu scharfem, die Grenzen des Eri^ubten weit iiberschreitendem Spiel infoige Nervositlt hinreiBen lieBen. Sie verschweigt dagegen, daB das 2. Tor, (ein herrlicher SchrlgschuB des Slavia-RechtsauBen å la Studnitzka) seine irregullre Erzeugung einem weithin sichtbaren Hinds des linken Flflgels Simonek verdankt, der slch dieses unerlaubten Hilfsmittels zum rascheren Vorwlrtsbrlngen des Balles deutlich genug und mit Erfolg bediente. (Nach dem Spiele von ihm selbst zugegeben.) Sie verschweigt des weiteren, daB der bei einem geflhrlichen VorstoBe der Slavia-Stiirmer sich werfende Tormann Mililer infoige eines Trittes ohnmlchtig liegen blieb, nichts destoweniger noch etliche saftige Tritte erhielt, so daB er erst nach llngeren Wiederbelebungs-Versuchen aus dem Spielfeld gefiihrt werden konnte. Diese traurige Episode blieb einige Minuten unabgepfiffen) Sie steigerte die Erregung unserer Spieler auf das Hochste und lIBt das Kommende begrelflich erscheinen. Vom rein sportlichen Standpunkt verurteile ich das unsportliche Verhalten unserer Spieler gerade so scharf, wie es die Sechische Sportpresse tut, die ihnen, im Oegensatz zu mir, die Hauptschuld an den unerqulcklichen Vorflllen zulastet. Meine Cechlschen Sportberichterstatter-Kollegen mochte ich an dieser Stelle auf die bekannten Vorfllle in der SchluBrunde der Antwerpener Fuøball- Olympiade autmerksam machen, wo die Cechische Auswahimannschaft infoige fehlerhafter Entscheidungen des Schiedsrichters das Spiel gegen die Belgier abbrach und das.SpielfeW verlieB. Jeder Ceche wird dieses Vorgehen begrelflich finden, er begreife daher,. wenn er Anspruch auf sportliche pbjektivitlt efhebt, auch unser sonntlgiges Abtreten. Der S. K. Makkabi hat seit seinem Bestande kein Wettspiel vorzeitig abgebrochen, wohl auch eln Bewels dailir, daB das sonntlgige Verhalten nur auf fm Hr. 40. fiss anflerofdenttiche Umtlnde zorflcksoflhren war. Dis Spiel selbst brachte nicht den erwarteten hochklassigen Sport. Makkabi fahrte in der ersten Halb2eit ein schwaches Spiel vor, das nur hie und da einige licfite Momente aufzuweisen hatte (z. B. das herrliche Zusammensplel Fieder—Ivanovski Jm Angriff). Die Mor. Slavla war in der 1. Halbzeit stark Bberlegen, blieb iedoch infoige elender Schuflkondttion ihres auch in puneto Kombination schwach spielenden Innentrios ohne zlhibaren Erfolg. Halbzeit 0:0. In der 2. Halbzeit Inderte sich das Bild und Makkabi (im Oegensatz zu Cechischen Sportberichten) bedringte, kam iedoch Uber die eisern (wfirtlich zu nehmen) spielenden Verteidiger nicht hlnweg. Gegenflber solehen Verteidigern, wie sie die Mor. Slavia glQcklicherweise besitzt, kommt nar ein luBerst schneller, flach und prlzise passender An-, griff auf, der ein iiberaus flinkes und weitmaschiges Kombinationsspiel mit raschem Fltigelwechsel betreibt. Unser Angriff besteht aus hervorragenden Technikern, der Durchbruch eines leden Einzelnen von Ihnen bedeutet eine eminente Oefahr flir das gegnerische Tor, Jedoch das richtige, einzig und allein zu Erfolgen fQhrende Kombinations-Spiel fehit Ihnen noch. Wohldurchdachtes und elfriges Training wird das Fehlende schaffen. Diesbeziiglich håbe ich keine Sorge. Als hervorragender FuBballer entpuppte sich der linke FlUgelstQrmer Fieder, er ist ein gllnzender Flflgelspieler und verfiigt iiber einen gewaltigen SchuB. KUnstler, sein Partner am rechten FUigel, lieferte in der 2. Halbzeit ein hervorragendes Spiel. MikSa, in guter Kondition wie immer, muBte viel-' fach in der Verteidigung aushelfen, was seiner guten Laune kelnen Abbruch tat. BoroS hat noch immer nicht seine Hochstform erreicht. Er spielte diesmal sehr aufopfernd, verfiigte als Zenterforward fiber eine glånzende Ballverteilung und hitte um 1 Haar ein effektvolles Qoal erzielt. Zu langsam ist er! Ivanovski als linke Verbindung ist einer unserer Besten. Sein Zus.ammenspieL mit seinem Partner Fieder am linken Flfigel bot dem FuBballkenner geradezu eine Augenweide. Die Halvesreihe in der 1. Halbzeit sehr schwach, zog in der folgenden mlchtig an u. drfickte den eigenen Angriff (aus dem Ivanovski ausgeschlossen worden war) immer wieder nach vorne. Ueber das Spiel des neuen Zenterhalvs Ganz wird man ein abschlieBendes Urteil. erst nach dem nlchsten Wettspiele abgeben kfinnen. Er trat Ubermfidet an, bot Jedoch in der 2. Halbzeit eine sehr achtbare Leistung. Baru und Ise Fischer als Fifigelhalves schwlcher als vergangenen Sonntag, nur Ise erreichte in der zwelten Halbzeit seine vorsonntlgige Form. Baru, dessen aufopferndes Spiel ich zuhdchst einschltze, deckte in dér 1. Halbzeit den gefåhrlichsten Mann der Slavia, Caida, schlecht. In der Verteidigung befriedigte Lewitus, dessen ruhiges Spiel ebenso angénehm aufflllt, als sein unnotig scharfés Spiel und unsportliches Schreien auf dem Platze hIBlicb wirkt. Wir warnen rechtzeitig! Das laute Schreien mancher Spieler, das unnotige, weil nutzlose Einschreien auf den Schiedsrichter wirkt geradezu widerlich und muB ein Ende nehmen! Tragatsch als rechter Back ist manchmal erschreckend unslcher, sein StoB hochst unrein. Mflller im Tore bot éine Glanzleistung. Braver Kerl! Der Schiedsrichter gab '4 Elfmeterstrafstofle gegen Makkabi! Zu geben waren 3 Elfmeter gegen Makkabi, zwei gegen Slavia. Ich hitte Uberhaupt keinen gegeben, vielmehr Lewitus auf der. einen und Chlad auf der anderen Seite herausgestellt. Anders war das Wettspiel nicht zu Ende zu ffihren. Von den *4 ElfmeterstrafstoBen gøgen Makkabi wurden 2 verschossen, einen verwandelte Chlad und beim 4. trat tøakkabi ab. Mit einem Christ-Klwfl, das uns nur lauter 11 m bescheert, wollen wir kfinftighin nichts mehr zu tun haben. Dies zur gefllligen Kenntnisnahme! Programm fiir Sonntag, don 10. Oktober 1920. Makkabi-Sportplatz. */• 4 Uhr nachm. S. K. Starl Boloslav la versus S. K. Makkabi la. - Wir machen alle unsere Freunde auf diesés hochinteressante Wettspiel aufmerksam, wobei wir bemerken, daB S. K. Star! Boleslav die Prager Slavia in kompletter Aufstellung 2:1 schlug. Hochinteressanter Sport steht zu erwarten. Vormittags 10 Uhr: S. JC Hakoah Tfebl5 versus Okl Boys Makkabi Brfinn. Wer eine vergufigte Stunde verleben will, der komme ufnd schaue. Rumbo,

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