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Jüdische Volksstimme · 1920-09-30 · Heft 39 (30.9.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 39 (30.9.1920)
Date
1920-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JODISCHE *0 Be z age pr •Ises halbjåhrig . ..KC 21.— ganzjåhrig 40. Deutschøsterreich.Kronen 80.— Deutschland, ganzjflhrig . . . . Mark 35.— Redaktion n. Administration: BrOnn, Krapfeng. 19. Inserate: der einspaltige MHlimeterraum Kø —40. Unverlangte redaktionelle Beitråge werden nicht honoriert. Manuskripten Ist RQckporto beizufflgen. Jahrgang XXI. BrOnn 30. September 1920. * 18. Tlschrl 5681. Nummer 39. Parlamentswahien in Oesterreieh. Von unserem Wiener Q. K. Korrespondenten. ' Nach 1 *1* Jahren schreitet Oesterreich daran, eine neue parlamentarische Vertretung zu wOhlen. Der Kampf wird wo møglich noch heftiger gefiihrt, als im JSnner 1919. Unter neuen Voraussetzungen freten die fisterreichischen Parteien in den Wahlkampf ein und sagen wir es offen heraus, unter schwierigeren. Die Koppelung ist nicht zulåssig, dafiir kann aber eine Kandidatenliste gleichzeitig flir einen Wahlbezirk und das ganze Reich gelten. Die Summe aller im Reiche auf die betreffende Partei entfallenden Stimmen wird dieser Kandidatenliste beim zweiten Skrutinium zugezShlt werden. Im GroBen und Ganzen werden dieselben Parteiverhaitnisse existieren, wie sie bei der ersten Wahl ^zutage traten. Die groBen Parteien der Sozialdemoicraten, wobei. die Kommunisten Toman und Doktor Johann Wertheimer aufstellen wollen, die Christlicb- SQZialen, und die deutsch-'bfiygerlichen Parteien in. ®ne Grttppchen zersjjHttert, -weijl das deutsche, nicht christlichsozial gesinnte, Btirdertum eine Éinigkeit nicht herstellen kann. Der Grund ist bei diesen deutschbiirgerlichen Parteien stets der Judenpunkt. Da die assimilatorischen Juden Oesterreichs, id est Wiens keineswegs gewillt sind, jiidischnational zu wfihlen und sich noch immer den Deutschen zu zåhlen, weil Eitelkeit, Mandatshunger, und Streberei gewisser Månner grøBer ist, denn der Vorteil und ZusammenschftlB des deutschen Volkes, fur das sie zu sterben bereit zu sein, stets erklare# — lasset es nur Gott behiite nicht auf eine Probe ankommen so konnen die Deutschbiirgerlichen iob sie sich FEUILLETON. Assur und Askalon. Wahrend vielseitiger Vorbereitungen flir die Durchfiihrung des in San Remo sanktionierten Beschlusses, P a 1 a s t i n a unser eigen zu nennen und die Einwanderung zu pflegen, lesen wir in einzelnen Berichten von archdologischen Ausgrabungen im Oriente. Jewish Corr. Bur. bringt die Mitteilung, daB Professor Garstsang von der Liverpooler Universitet und von der archdologischen Schule in Jerusalem zu Ausgrabungen der von den Kreuzfahrern zerstørten Stadt Askalon Anstalten trifft, wåhrend die Deutsche Orlentgesellscbaft uns kundgibt, daB durch den Archdolog Dr. Walter A n d r a e Ausgrabungen der einst bedeutenden assyrischen Stadt A s s u r erfolgen. Sowohl Askalon, wie auch A s s u r spielen In unserer Bibel und im Prophetentum bedeutende liistorische Rollen. Askalon finden wird im Buche der Richter Kl. V. 18. „J e h u d a eroberte Assur (Gaza) und sein Gebiet Askalon.** Im Buche der Kønige K. 14, V. 19 bei S i m s o n „Da kam fiber ihn der Geist des Ewigenr, und er ging binab nach A s k a 1 o n.“ Auch E k r o n liegt im Bereiche dieser Stadt. (Jusua K. 13, V. 3.) „Von Sihor (NilfluB) an der.Grenze Mizraim’s Uegyptep) fliefiend bis an d(e Grepze fik r o n, eines der ftinf Hauptstidte der Philister von Juda erobert nun deutsche Demokraten, Freisinnige, Arbeitspar tei nennen oder sonts wie — eine einheitliche Liste nicht aufstellen, weil Deutscbnationale oder Grofl deutsche iildische Kandidaten auf der Liste nicht dulden wollen. Der erste Wahlkampf hatte flir die Jildischnationalen das Resultat, daB Ing. Robert Stricker in der Leopoldstadt gewfihlt wurde. Es wfire miissig, auf die groBe Bedeutung dieses Mannes fiir das Wohl und Wehe der Østerreichischen. Judenschaft hinzuweisen. Es ist uns allen hinUinglich bekannt, daB Robert Stricker weit iiber den Rahmen seiner parlamentarischen Verpflichtungen fiir die Judenheit gearbeitet hat. Es ist schier unglaublieh, was diese einzelne Persønlichkeit alles zu erreichen hnstande war, welch’ ungeheuere Last und Pflicht auf den Schultern dieses Mannes ruht, der mit ganz auflerordentlicher Arbeitskraft und Energie alle Forderungen der Juden verteidigt. DaB sich Robert Stricker um die Flfichtlingsfrage die allergrøflten Verdienste erworben hat, braucht nicht des weiteren erørtertzu werden. Es -ergaht uuh ^n alle . Juden &^^^høs|«vt»k«l der drføglfche Aufruf, allé iftre Békannten und Verwandten, die In Oesterreich das Wahlrecht besitzen, zu bewegen, die Reichsllste, die mit Robert Stricker beginnt, zu wfihlen. Es ist unsere Ehrenpfllcht, und aller mannhaft ftihlenden Juden unserer Republik, fiir diesen Mann einzutreten, dessen Wiederwahl eine Notwendigkeit des østerreichischen Judentums ist, um so mehr, als Robert Stricker und unsere anderen Wiener Gg. stets bereit sind und waren auch fiir unsere Interessen einzutreten, und als das ffihrende Organ der østerreichischen Juden, die „Wie ner Morgenzeitung" jederzeit auch die Forderung der Cechoslovakischen Judenheit verteidigte. Es ist (Josua K. 1, V. 41), und Jehoschua schlug sie (die Philister) von K a d e s c h-B a r n e a bis A s u r.‘ Dieses Kadesch-Barnea liegt in der Gegend G e rar und war ein Besitztum Judas, vom Kønig Salo m o n zinsbar und vom Konig H i s k i a unabhangig gemacht. (II. Buch Konige K. 18, V. 8.) „Er schlug die Philister bis A s u, verwiistete ihr Gebiet vom Wachturm bis zur festen Stadt.“ Hier fand Simson seinen Tod (Richter K. 16, V. 30). „Es sterbe meine Seele mit den Philistern** usw. Unweit sind die Hohen H e b r o n, wohin Simson die Tore getragen hatte. Askalon war von felsigen Hiigeln umgeben, auf denen die Stadtmauern sich befanden. Alle diese Mauern liegen in Trfimmern, von hohem Sand be deckt, trotzdem blttht eine reiche Vegetation mit herrlichen Baumgruppen auf dieser Ståtte. Vor den Toren A s k a 1 o n’s hat der Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon im Jahre 1099 in der Ebene Askalon das ganze Heer der Sarazenen aufgerieben. Unweit Askalons befindet sich der Ort M i gd a I-G a d (Josua K. 15, V. 37) „Z e n o n W a c h aduschu Imigdal-Gad.“ Askalon war der Geburtsort von H e r o d e s. Assur, die Hauptstadt Assyriens, nach dem Namen A s s u r, Sobnes des S e m. (I. B. Moses, K. 10, V. 22.) „Die Søhne Sems waren E1 a m (die ElymSer), Assur (Assyrier,) welche urspriinglich Semiten waren, Arpachschad (Chaldker) auch Kasdiq genannt, Lud (Lydier) und die SOhne Aram (Armenier). I)iese‘Aramder waren von Kir einge* also nur ein kleiner Teil unserer Dankesschuld, di« wir unseren Wienern Parteigenossen abtragen, wenn wir alle unser Mdglichstes tun, damit Robert Stricker wiedérgewbhlt wOrde. Abgesehen von den iiidiach-deutschen Parteiea, die iu letzter Minute wiederum mit 011 a k å r C z e r n i n paradieren wollen, die „Neue Freie , Presse** hat ihm bereits einen Leitartikel gewidmet, und alle liberalen Blåttchen rauschen nun als wie die deutschen Eichen und begrilBen in Ottakar Czernin den kommenden Mann. Es ist nicht bedeutungslos, daB man Czernin im Wahlbezirke des Gotthabihnseligen Hofrat Kuranda kandidieren låflt, weil man noch immer mit der Psychologie der Quai- und SalzgrieBiuden, der Borsenjuden rechnet, die aucb einen ehemallgen Grafen, Exzellenz, Minister a. D. und Freund scbdner Herrscherlnnen lleber wfihlen, denn einen aufrechteu Juden vom Schlage Robert Strlckers, der gewIB Herz und Mund am richtigen Flecke hat. Man kann ja iiber die Persdniichkeit Czernins denken, wie man will, wir erinnern nur un* seye Juden daran, daB auch Ottakar Czernin yot Btickling machte und dabei eine scharfe Terz gegéii die Juden Schlug — aber glaubt das ftsterreichische Volk éines Mannes, wie Czernin, nicht entbehren zu konnen, wir glauben, daB es Wahlbezirke genug gabe, in denen Czernin kandidieren kann, da mflssen doch nicht ausgerechnet die Juden herhalten. Abgesehen von einer nicht ganz nobeln Kandidaten-Mache des berlihmten Dr. S c h w a r z-H i I- 1 e r, treten auch die Sozialdemokraten Wiens in einer Art und Weise gegen Stricker auf, die beinahe glauben laBt, daB ihnen Schwarz-Hlller oder Czerniu lleber sei, denn eln Stricker, doch de gustlbus wandert. (2. B. Konige K. .16, V. 9) „und der K6nig von Assur gab (dem Ktinig Achas) Gehor und zog heran gegen Damaskus (Dameschek), eroberte es und fiihrte die Bewohner nach K i r u.“ Eine fruchtbare Gegend, wo Wein, Oliven, Korn und Sesam reichlich gedeiht. Am Fufle der Gebirge sind viele Asphaltquellen, Marmor- und Alabasterbrliche, viele Metalle, Eisen, Blei, Kupfer,und Silber. Die Assyrier waren Kolonisten aus Ba bylo n i e n, hier war die groBe berQhmte Stadt Nlneve. Eine Stadt, welche d r e i Tage zum Durchreisen beanspruchte. (Jona K 3, V. 3.) „Da machte sich Jona auf, und ging nqch N i n e v e nach den Worten des Ewigen, Nineve aber war eine groBe Stadt vor Gott, drei Tagereisen groB.'* . . Von dieser einst måchtigen Stadt erzåhlten die Griechen, daB dieselbe von einer gewaltigen Mauer umgeben war, die eine solche Breite besaB, daB drei Wagen auf ihr nebeneinander fahren konnten, und 150 Tiirme von 60 m H6he be§aBen* E. A. W. Budge nahm eriolsrpiche Ausgra-. bungen bei Nineve vor und fQrderte eine Reihe von Konigspalåsten zutage. Franzosen begannend Ausgrabungen, Englander setzten dieselben fort. Zwischen Nineve und, K alah liegt der Ort Res en. (1. B. M. K. 10, V.tl0.) „Und Resen zwischch Nineve und Kelach**, daselbst wurden die Spuren der Zehn Stamme gesucht. Ein grofies Feid. archaologischer Forschungen bietet sich diesen Arbeiten. Wien, im September 1920. , 7 Albert L0W. Achtung! Diemtag, den 5. Oktober 1920: SlmChaS-ThOra-FelQI1.

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