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Jüdische Volksstimme · 1920-08-12 · Heft 33 (12.8.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 33 (12.8.1920)
Date
1920-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. aa. JtmtSCRE V0LK8ST1MWE" ft atm o, das amerikanische Hilfskomitee in Bialystok hat infolge der Kriegsereignisse nach Warschau iibersiedelt. In Riga sind tiber Libau Schuh- und Kleidertransporte aus Amerika angelangt. Eine Kommission zar Untersuchung der Terrorakte der poinischen Armee. London, 4. August. J. C. B. Die litauische Konstituante hat tiber Antrag ihrer jiidischen Fraktion beschlossen, eine Kommission zur Untersuchung der Terrorakte der zurtickweichenden poinischen Armee zu entsenden. Dieser Kommission gehøren auch fremdlfindische Mitglieder an. Die Lage der Juden in Polen. Warschau, 3. August. J. C. B. Die Abgeordneten Grlinbaum und Hartglas haben neuerlich beim Minister des Innern wegen der fortgesetzten Verhaftungen von Juden und der Unterdriickung jiidischer Institutionen interveniert. Der Afinister sagte eine genaue Untersuchung der einzelnen Fålle zu, die nach seiner Meinung nur auf MiBverståndnis zuriickzufiihren seien. Die Regierung beabsichtige nicht jtidische oder zionistische Institutionen zu unterdrtikken und werde jeder antisemitischen Agitation entgegentreten. Die verhafteten Schauspieler des Zentraltheaters wurden in Freiheit gesetzt* Jiid. Komitee der Landesverteidigung. Am 15. Juli bildete sich in Warschau ein gemeinsames jtid. Komitee der Landesverteidigung. Ihren Beitritt erklårten bisher die Warschauer orthoden jiidischen Gemeinden, statt. Der Kampf zwischen der zionistischen und der jiidisch-sozialistischen Partei wurde mit groBer Erbitterung gefiihrt. Ein zusammenfassendes Wahlergebnis wird erst in einigen Tagen moglich sein. DEUTSCHLAND. Elnwanderun« der Ost]udeii. Dr. de Laporte, Direktor des Wohnungsamtes von GroBberlin, der s. Zt. ziemlich scharf gegen die Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland Steliung genommen hatte, schrieb im „Berliner Tageblatt", daB diese* Frage jetzt durch das Einvernehmen, das zwischen dem Wohnungsamt und dem Arbeiterfiirsorgeamt der jiid. Organisationen Deutschlands erzielt worden ist, einer gewissen Losung zugefiihrt zu werden scheint, insofern die Reichsbehdrden tatkråftig und entschlossen helfen. Das jiid. Arbeiterfiirsorgeamt håbe selbst den Internierungsgedanken gegen den bisher groBe begreifliche Bedenken bestanden, in anderer, freierer Form aufgenommen, um Abhilfe fiir die verschiedenen Misstånde zu schaffen. Die jiid. Einwanderer sollen unter Aufsicht des jiid. Arbeiterfiirsorgeamtes ein Lager beziehen, in dem unter Anleitung produktive Arbeit geleistet werden soli. Dadurch wiirden sowohl die Interessen der Einwanderer, als auch des øfientlichert Wohlps durchaus-gewahrt werden. (J. P. Z. Z.) Der Terror des Hakenkreuzes. Im bekanntpn Ostseebad Cranz haben auswårtige Hetzer versucht, Unruhen gegen die Juden herdoxe Gemeinde, die zion. Organisation, der Misrachi, der Verband der Orthodoxen, der Zentralverband der Kaufleute, der Verband der unabhångigen Juden Polens, der Akademikerbund u. a. Am 20. Juli stellten sich Vertreter des Komitees beim Kanzleichef des Staatsoberhauptes vor, dem sie von der Grundung des Komitees Mitteilung machten und um Unterstiltzung ihrer Aktion bei den verschiedenen Behørden ersuchten. (J. P. Z. Z.) Field Leiter des „Jolnt“ In Ostgallzlen. An Stelle des von den Bolschewisten ermordeten Dr. Canto r, wurde Field, bisheriger Leiter des „Joint" in Minsk, zum Vertreter des „Joint" in Ostgalizien. ernannt. (J. P. Z. Z.) Polnischer Snobismus. Abg. Hartglas wandte sich an Vizeminister Sosnokowski um Aufklårung tiber die kursierenden Qertichte, daB die ehemaligen osterreichischen Offiziere jiidischer Nationalitet, anlåfilich ihrer militårischen Einberufung als einfache Soldaten eingereiht werden. (J. P. Z. Z.) Auswanderungserleichterungen fiir die Angehorigen des Randgebletes. Warschau, 4. August. J. C. B. Auf Intervention der jiidischen Vertreter beim poinischen Emigrationskomitee, versprach letzteres mit seinem ganzen Einflussc beim Ministerium daftir einzutreten, daB Angehørigen der Randgebiete, die zur Militårdienstleistung nicht verpflichtet sind, keine Schwierigkeiten bei der Auswanderung gemacht werden. England, Frankreich und Belgien warnen Polen vor elnem Pogrom in Lemberg. Paris, 4. August. J. C. B. Dr. Julius Goldmann, der europåische Direktor des American Joint Distribution Committee versendet nachstehendes Telegramm: „Ich erhielt Nachricht aus London, daB die englische Regierung Polen vor einem eventuellen Pogrom in Lemberg warnen wird. Dieselben Schritte werden auch die franzøsische und belgische Regierung unternehmen. Auch das amerikanische Rote Kreuz hat versprochen, allen seinen EinfluB zu bentitzen um einem møglichen Pogrome vorzubeugen. Die Emigratlonsbewegung in Polen. Warschau, 4. August. J. C. B. Das amerikanische Konsulat erklårt nicht mehr als 255 Visa tåglich ausstellen zu kønnen. Soilte jedoch Washington den Vorschlag tåglich 1000 Visa zu erteilen, billigen, so stehe der Ausstellung der Visa nach Amerika in dieser Zahl keine Schwierigkeit im Wege. BUKOW1NA. Judiscbe Gemelndewahlen in der Bukowlna. Czernowitz, 20. Juli. J. C. B. Heute finden in den meisten Stedten der Bukowina die Wahlen zu vorzurufen. Studenten mit dem Hakenkreuze durchzogen die Stadt, wonach sie vor dem jiid. Restaurant Halt machten und aufreizende Lieder sangen. Der Besitzer des Strandhotels hetzte die Massen gegen die Juden auf. Durch das energische Eingreifen des Amtsvorstehers, der sofort Sicherheitswehr aus Kønigsberg herbeirief. wurde BlutvergieBen verhiitet. Die jiid. Bevølkerung verlSBt in Massen den Badeort. (J. P. Z. Z.) Arbeit er kolonien fiir die Ostjuden in Deutschland. Berlin, J. C. B. Das jtidische Arbeitsamt in Berlin hat die Grtindung von Arbeiterkolonien ftir die Ostjuden, die stark an den Wohnungsmangel leiden. beschlossen. Es sollen vor allem Schneider-, Schuster- und Zimmermannswerkståtten sowie eine Kunstgewerbeschule errichtet werden. RUMANIEN. Die zukunftige Tatigkeit des Abg. Dr. Straucher in Rumanien. Bukarest, J. C. B. Dem „Curierul Israelit"' zufolge, hat Dr. Straucher die Absicht, von der rurnånischen Regierung die Anerkennung und die selbstandige Tatigkeit der Kultusgemeinden durch ein Gesetz zu verlangen. Er hat sich ferners als Hauptaufgabe gestellt, nicht nur die Ratifizierung des Dekretes tiber die Einbtirgerung der Juden zu erlangen, sondern auch die Ausdehnung dieses Gesetzentwurfes auf diejenigen jiidischen Btirger durchzusetzen, die in diesem nicht berticksichtigt wurden. Von Woche zu Wocho. .Das erwachende Ungarn. Polen ist fiir seine Barbareien bestraft; seine Kultur findet im Magyarenlande Nachahmung; und es hat den Anschein. als ob die Arpadenkinder immer feister wtirden und immer frecher. Nach der Vertreibung der Studenten kominen nun die Professoren daran. Man kønnte tiber diese Entwicklung in Betyarien weinen. Wie oft wurde unseren lieben Juden von uns. der Spiegel vorgehalten, wie oft gewarnt — doch vergeblich. Dr. Rustem Vambery — Sohn Armin Vambery’s (Bamberger) wird von der Budapester Universitåt gewiesen. Warum, weil sein Vater der magyarischen Spracbe Eingang nach Europa verschafft hat. Weil Armin Vambery durch jahrelanges Reisen unter den unwirtlichsten Vølkern. und den unwirtlichsten Låndern den Ursprung magyarjscher Sprache feststellerv wollte, weil nur ihm Ungarn zu verdanken hatte, daB internationale vergleicheode Sprachwissenschaft, auch das magyarische Idiom in den Gesichtskreis ihrer Untersuchungen und Studie.) gezogen hatte. Die Horthy, Huszar, die Mørder Tisza’s wtirden ja heute gar nicht wissen, woher sie stammen, wenn der Jude Vambery nicht, allen Strapazen und Gefahren trotzend, — er ward sogar Mohammedaner — die Wurzeln des Magyarentums entdeekt hatte. Zum Danke daftir, den auslåndische Akademien zum Ehrenmitglied ernennen zu diirfen sich eine Ehre machten, ver jagt man seinen Sohn, als Rechtswissenschaftler hochbedeutend, von der Universitet, deren wissenschaftlichen Grundlagen der Vater ermøglichte. Und damit die Schande desto grøBer sei, und man der Welt zeigen kønne, daB Ungarn ohne Juden auskommen kønne, will man Prof. Dr. Julius Pikler auch nicht haben. Das hatte er sich vor 10 Jahren bei Gott nicht tråumen lassen, als er als ftihrendes Glied der Budapester Soziologischen Gesellschaft — dies war der vornehmste wissenschaftliche Verband von Budapest und alles, was' halbwegs wissenschaftlichen Namen htitte, gruppierte sich um diese Gesellschaft — die marxistische Geschichtsauffassung kritisierte und durch seine kulturpsychologischen und soziologischen Untersuchungen, das Augenmerk der Welt auf sich und Budapest Ienkte. Beide Professoren dtirften ja dem Judentume nicht mehr sehr nahe stehen, wenn sie nicht sogar schon ausgetreten sind, aber das christliche Vaterland mag sie nicht, sie, die ftir Ungarn mehr geleistet haben, als alle die Betyaren und Aristokraten zusammengenommen. Der junge G o 1 d z i e h e r ist auch schon vertrieben, so bleibt denn noch die Zierde der Universitet und der Akademie Geheimrat Ignaz Goldzieher iibrig. Wenn es so weiter geht, so wird Ungarn bald das Schicksal Spaniens treffen, daB seit seiner 1492 erfolgten Juden vertreibung kultureli und materieli ganz zugrunde gegangen ist. Uns kann es recht sein. Karpatskå Rus und Alkohol. Karpatskå Rus — so muB man doch jetzt schreiben, wenigstens las ich irgendwo, unsere hochløbliche Regierung htitte es so dekretiert. Nun uns kann es gleich sein. aber nicht gleichgiltig kann es uns sein, wenn in dem Blatte des jetzigen Premiers der Cechoslovakei in dem „Veøernfk Pråva Lidu" vom 3. August von einem seiner Parteigenossen Aufklårungen tiber dieses Wunder — und Neuland unser Republik, ich meine nåmlich die „Karpatskå Rus", gegeben werden, die der Zensor, der doch sonst schnell bei der Hånd ist, doch etwas genauer hatte lesen sollen. Der Aufklårer ist Vojtéch Lev und er macht es sich wirklich sehr leicht. Er sitzt da eine kurze Zeit im Lande und hat nattirlich Land und Leute so genaii kennen gelernt, daB er seinen Landsleuten dartiber berichten kann. Man muB tatsåchlich dartiber staunen, wie wenig eigentlich die Cechen die Cechoslovakei kennen. Was wurde z. B. nicht alles tiber das Teschner Gebiet in „Prager Zeitungen" geschrieben, nattirlich von solehen Kénnern des Gebietes, wie Lev zu sein scheint. B e i r u 2 hatte sie besser informieren kønnen; nun vom Hultschiner Ltindchen will ich ganz schweigen, denn da kennt sich ja nicht einmal das „Prager Tagblatt" aus. Nun Herr Lev — ob er dem Judentume rlicht irgendwie nahe steht, ersieht man aus dem Artikel nicht; Herr Lev also sitzt da in der Karpatskå Rus und macht seine Studien. Wer bedrtickt das Volk? Wer beutet es aus, wer verdummt es, wer wuchert es aus, vergiftet es? Der Jud! Wer ist Herr dieses armen unglticklichen Volkes, das da in der jiingsten Cechoslovakei wohnt? Der Jud! Ja wieso der Jud, wirst Du fragen. Nun er verkauft die Pålenka! Der >1 Alkohol als Gegner der Menschheit ist vom groBten Alkoholgegner der Republik vom Præsidenten M asaryk oft gegeiBelt worden, ich kann mich aber nicht erinnern, daB Prås. Masaryk auch nur einmal erwahnt hatte, die Juden wåren am Alkoholismus schuld, Slehe da, jetzt kommt das „Pråvo Lidu" und klårt seine Leser auf, der Jud! Der Jud! Der Jud! Wer hat das schønste Haus? Der Jud! Und so geht es weiter. Es klingt in einem sozialdemokratischen Blatte sehr deplaciert. Aber wir kennen ja die Gesinnung unserer Genossen. Es soli doch als Vizegouverneur Herr Peter Ehrenfeld in der Karpatskå Rus sitzen, wir møchten ihn sehr bitten, darauf zu schauen, daB doch endlich Ordnung und Ruhe in diesem Gebiete eintrete, und die sozialdemokratische Partei, als die heutige staatserhaltende møchten wir ersuchen, die Bevølkerung nicht aufzureizen und nicht ftir die Fehier ihrer Politik die Juden als Stinde nh o c k z u s u c h e n. .....

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